Tugend der beste schatz in der ehe bey der E. und K. hochzeit-freude.
Der menschen wachsamkeit das nimmer müde sorgen
Die arbeit sonder ziel die ruhe sonder ruh
So biß zum abend wächst und steigt vom hellen morgen
Diß alles sucht gewinn und rennet schätzen zu.
Der bergmann gräbet sich lebendig in die grüffte
Warum? der todte schatz des silbers locket ihn.
Was scheuet ein soldat die donner-schwangern lüffte
Wann er an schätzen reich kan von der wahlstatt ziehn?
Ein kauffmann fährt mit lust von westen biß zu osten
Zu sammlen geld auff geld zu häuffen gold auff gold;
Er läst sichs fleiß und schweiß und saure mühe kosten
Biß ihm das glück gelacht das schicksal wohlgewolt.
Wie aber sucht nicht auch die liebe theure güter
Und pflegt sie sich nicht auch nach schätzen umzusehn?
Nachdem die regung treibt der liebenden gemüther
Wird bald auff diß bald das derselben wahl geschehn.
Die schönheit zeigt sich erst in kostbarem gepräge;
Die müntze solcher art gilt durch die gantze welt.
Das hertze wird erhitzt die sinnen werden rege
So bald dergleichen stück uns in die augen fällt.
Jedoch wie manchem bleibt nur kupffer in den händen
Er wehlet ertz vor gold vor silber wasserbley;
Wird er die müntze nur auff jene seite wenden
So sieht er daß sie nicht vom besten schlage sey.
Das bild der phantasey der menschen grosser götze
Die ehre machet auch allhier die läden auff
Und daß ich deutlicher die rechte meynung setze:
Man schliest offt mit dem amt nicht mit der braut den kauff.
Wiewohl die reue pflegt sich offt mit einzudingen
Wann zwar des Jovis stand doch Juno nicht gefällt.
Zu dem: zu ehren soll man nicht durch ehen dringen
Weil diese stuffe doch gar selten feste hält.
Und endlich findet man die sich dem mammon weihen
In meynung; bey metall da wache sanffte ruh;
Die mit den händen mehr als mit den augen freyen
O blinde! drückt doch nicht die augen beyde zu!
Jhr fesselt hertz und sinn wer kan euch also retten?
Wer will ein sclave doch des schnöden geldes seyn?
Jhr legt die ducatons an schlösser und an ketten
Und schliesset eure lust mit in den kasten ein.
So gehts den thörichten sie greiffen nach den schatten
Denn schönheit ehre geld doch lauter schatten sind;
Wird aber sich ein mensch erst mit der tugend gatten
So ist gewiß daß er schön-reich-seyn mit gewinnt.
Denn tugend ists allein so lieben lieblich machet
Die schönheit sonder sie ist schlackwerck sonder gold;
Die ehre schläfft wo nicht bey ihr die tugend wachet
Und reichthum bleibet auch der edlen tugend sold.
Die liebe stammt von GOtt und ist ein heilig wesen
Sie leget mit verdruß ein falsches mundwerck an
Und wer die liebe sich als liebe auserlesen
Der hat den besten fund in dieser welt gethan.
Geehrtes paar so itzt in solchem glücke pranget
Und dem nichts schätzbarers als wahre tugend ist
Jhr findet beyderseits den schatz so ihr verlanget
Und was ein treu gemüth in sein gemüthe schliest.
Hier strahlet witz und kunst der schatz geübter sinnen
Dort gläntzt der tugend gold das silber weisser treu
Wie solte dieses nicht ein ander lieb gewinnen
Und gern beysammen seyn von aller falschheit frey.
Ein stein in gold gefaßt wirfft crystallinen schimmer;
Wo tugend tugend küßt da muß es helle seyn
Ein himmel wird alsdenn das braut-gemach und zimmer
Wann man in solchem schmuck als engel tritt hinein.
Es will die liebligkeit das weiche bette machen
Die federn lieffert ihr der Venus weisser schwan
Die eintracht rühmet sich im schlaffgemach zu wachen
Und tritt ein solches amt mit allen freuden an.
So liebet dann vergnügt und brauchet diese schätze
Die GOtt natur und glück euch reichlich mitgetheilt
Es will der liebe schluß es fordert ihr gesetze
Daß man mit ihrem gut nicht in den kasten eilt.
Der himmel wird hinfort mit seegen euch bethauen
Und euer fuß wird stets auf glückes-rosen gehn
Jhr werdet euer wohl in vollem wachsthum schauen:
Denn wo die tugend blüht muß auch die wolfahrt stehn.
Die wiege kan indeß auff junge schätze hoffen
Es präge sich darauff der eltern bildniß ein
So hat die fabel dort hier warheit eingetroffen;
Ein diamanten-paar das könne fruchtbar seyn.