Tugend der beste schatz in der ehe bey der E. und K. hochzeit-freude.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der menschen wachsamkeit das nimmer müde sorgen

Die arbeit sonder ziel die ruhe sonder ruh

So biß zum abend wächst und steigt vom hellen morgen

Diß alles sucht gewinn und rennet schätzen zu.

Der bergmann gräbet sich lebendig in die grüffte

Warum? der todte schatz des silbers locket ihn.

Was scheuet ein soldat die donner-schwangern lüffte

Wann er an schätzen reich kan von der wahlstatt ziehn?

Ein kauffmann fährt mit lust von westen biß zu osten

Zu sammlen geld auff geld zu häuffen gold auff gold;

Er läst sichs fleiß und schweiß und saure mühe kosten

Biß ihm das glück gelacht das schicksal wohlgewolt.

Wie aber sucht nicht auch die liebe theure güter

Und pflegt sie sich nicht auch nach schätzen umzusehn?

Nachdem die regung treibt der liebenden gemüther

Wird bald auff diß bald das derselben wahl geschehn.

Die schönheit zeigt sich erst in kostbarem gepräge;

Die müntze solcher art gilt durch die gantze welt.

Das hertze wird erhitzt die sinnen werden rege

So bald dergleichen stück uns in die augen fällt.

Jedoch wie manchem bleibt nur kupffer in den händen

Er wehlet ertz vor gold vor silber wasserbley;

Wird er die müntze nur auff jene seite wenden

So sieht er daß sie nicht vom besten schlage sey.

Das bild der phantasey der menschen grosser götze

Die ehre machet auch allhier die läden auff

Und daß ich deutlicher die rechte meynung setze:

Man schliest offt mit dem amt nicht mit der braut den kauff.

Wiewohl die reue pflegt sich offt mit einzudingen

Wann zwar des Jovis stand doch Juno nicht gefällt.

Zu dem: zu ehren soll man nicht durch ehen dringen

Weil diese stuffe doch gar selten feste hält.

Und endlich findet man die sich dem mammon weihen

In meynung; bey metall da wache sanffte ruh;

Die mit den händen mehr als mit den augen freyen

O blinde! drückt doch nicht die augen beyde zu!

Jhr fesselt hertz und sinn wer kan euch also retten?

Wer will ein sclave doch des schnöden geldes seyn?

Jhr legt die ducatons an schlösser und an ketten

Und schliesset eure lust mit in den kasten ein.

So gehts den thörichten sie greiffen nach den schatten

Denn schönheit ehre geld doch lauter schatten sind;

Wird aber sich ein mensch erst mit der tugend gatten

So ist gewiß daß er schön-reich-seyn mit gewinnt.

Denn tugend ists allein so lieben lieblich machet

Die schönheit sonder sie ist schlackwerck sonder gold;

Die ehre schläfft wo nicht bey ihr die tugend wachet

Und reichthum bleibet auch der edlen tugend sold.

Die liebe stammt von GOtt und ist ein heilig wesen

Sie leget mit verdruß ein falsches mundwerck an

Und wer die liebe sich als liebe auserlesen

Der hat den besten fund in dieser welt gethan.

Geehrtes paar so itzt in solchem glücke pranget

Und dem nichts schätzbarers als wahre tugend ist

Jhr findet beyderseits den schatz so ihr verlanget

Und was ein treu gemüth in sein gemüthe schliest.

Hier strahlet witz und kunst der schatz geübter sinnen

Dort gläntzt der tugend gold das silber weisser treu

Wie solte dieses nicht ein ander lieb gewinnen

Und gern beysammen seyn von aller falschheit frey.

Ein stein in gold gefaßt wirfft crystallinen schimmer;

Wo tugend tugend küßt da muß es helle seyn

Ein himmel wird alsdenn das braut-gemach und zimmer

Wann man in solchem schmuck als engel tritt hinein.

Es will die liebligkeit das weiche bette machen

Die federn lieffert ihr der Venus weisser schwan

Die eintracht rühmet sich im schlaffgemach zu wachen

Und tritt ein solches amt mit allen freuden an.

So liebet dann vergnügt und brauchet diese schätze

Die GOtt natur und glück euch reichlich mitgetheilt

Es will der liebe schluß es fordert ihr gesetze

Daß man mit ihrem gut nicht in den kasten eilt.

Der himmel wird hinfort mit seegen euch bethauen

Und euer fuß wird stets auf glückes-rosen gehn

Jhr werdet euer wohl in vollem wachsthum schauen:

Denn wo die tugend blüht muß auch die wolfahrt stehn.

Die wiege kan indeß auff junge schätze hoffen

Es präge sich darauff der eltern bildniß ein

So hat die fabel dort hier warheit eingetroffen;

Ein diamanten-paar das könne fruchtbar seyn.