U bersetzungen Aus des Thomæ a Kempis buche Von der nachfolge Christi. Des erste...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wohl diesem, der mir folgt, und mein goführtes leben

Vor eine regel hält, nach der man wandeln muß:

Wer licht und himmel sucht, der fasse den entschluß,

Sich auf die dunckle bahn des creutzes zu begeben.

So sprach des Vaters Wort, das Wort, das weder fleiß,

Noch englischer verstand recht auszudrücken weiß.

Was sind der heiligen geheimniß-volle lehren,

Als tropffen aus der see, die JEsus von sich geußt?

Er ist der reine brunn, aus dem das leben fleußt.

Wer lautre wahrheit sucht, der darff nur JEsum hören,

Und auf die wege sehn, die er gegangen ist,

So hat er ihm gewiß das rechte licht erkiest.

Doch must du seinen Geist dich stets regieren lassen;

Sonst wird das himmel-brodt vor dir verborgen seyn.

Denn mancher läst das wort zu beyden ohren ein,

Und weiß doch seine krafft nicht von sich selbst zu fassen.

Drum wer die wahrheit liebt und nach erleuchtung strebt,

Der lebe, wie der HErr, das Leben selbst, gelebt.

Was hilfft es, wenn wir gleich beständig disputiren,

Ob, warum, und wie GOtt dreyeinig ist und heist?

Wenn unser hertze sich der demuth nicht befleißt,

Ohn welche wir umsonst den Christen-namen führen.

Denn Christus lehret uns: daß zanck und stoltz, der welt,

Und dem Drey-Einigen nur demuth wohl gefällt.

Der ausdruck hoher wort und spitziger gedancken

Macht keinen Heiligen und keinen Christen nicht.

Gott sieht mehr, was man thut, als was die lippe spricht.

Wer mit der sünde kämpfft, und in den tugend-schrancken

Den fieges-preiß gewinnt, und GOtt die ehre giebt,

Der ist allein der mann, den JEsus ehrt und liebt.

Weiß ich die buße gleich nicht künstlich zu beschreiben;

Genug: daß buß und reu mein hertze kräfftig rührt.

Hast du die bibel schon bis auf den band studirt,

Und alle wissenschafft, die ketzer einzutreiben;

So ist es gleichwol nichts, so viel du auch gefaßt,

Wo du nicht GOttes gnad, und lieb, und glauben hast.

Die höchste weisheit ist GOtt lieben und ihm dienen,

Und vor das himmelreich das reich der welt verschmähn.

Denn die auf eitle schätz und ehr’ und wohllust sehn,

Erwehlen sand und koth vor perlen und rubinen.

Der ist ein großer thor, und hat sehr weit gefehlt,

Der vor die ewigkeit, was zeitlich ist, erwehlt.

O tolle raserey! man sucht ein langes leben,

Und giebt der heiligkeit des lebens gute nacht;

So wird der lebens-brunn, des HErren wort, verlacht,

Indem die sterblichen an todter erde kleben.

Man eilt den freunden nach, die wie der schnee zergehn;

Und die beständig sind, die läst man gerne stehn.

Doch laß die thoren sich in dieser welt vergaffen.

Du weißt, was Salomon aus der erfahrung hat:

Das aug’ (und ohre) sieht (und hört) sich nimmer satt.

Dis überlege wohl, und wende dich rechtschaffen

Von dem, was sichtbar ist, zu dem, was niemand sieht,

Damit der himmel dir nicht alle gnad entzieht.