Uber das Absterben des Herrn Geheimen Raths und weitberühmten JCti, Samuel Stryk...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Ihr Musen der betrübten Saale
Die itzt von vielen Thränen schwellt
Wie wird euch bey dem starcken Strahle
Der euer Saal-Athen befällt?
Ihr müßt in tausend Schmertzen stehen
Denn so ein Schlag ist nie gesehehen.
Weil Fridericiana prauget
Die Tochter Preussens Majestät
Weil Stryk und Thomas ihr erlanget
Was über ihres gleichen geht
Weil die berühmten Helden lehren
Ist kein so großer Fall zu hören.
Entfernte die sich mit den Schätzen
Fridricianens groß gemacht
Die theils die halbe Welt besetzen
Wo sie die Ehre hingebracht
Laßt Euch in fernen Landen sagen:
Der große Stryk ist zu beklagen.
Der Glocken-Klang macht ein Gethöne
Und schlägt dadurch an unsre Brust.
Die Klagen aller Musen-Söhne
Sind die: Hier lieget unsre Lust
Der Ruhm der diß Athen gebauet
Daß sich sein Glantz unsterblich schauet.
Ihr die ihr euch in Schrifften grabet
Und draus den Kern der Rechte zieht
Die ihr die besten Bücher habet
Ihr deren Aug' auf Gründe sieht
Laßt es in lauter Thränen rinnen
Denn der euch schrieb nun von hinnen.
Ihr Redner deren Lippen Quellen
Mit güldnen Adern ausgelegt
Wo Geist und Anmuth sich gesellen
Küßt dieses Grab von Schmertz bewegt:
Der Mund wo Lieblichkeit geflossen
Liegt unter diesem Stein geschlossen.
Ihr Klugen die des Fürsten Augen
Ihr Reichen die der Armen Schatz
Ihr Christen deren Wercke taugen
Betrachtet diesen engen Platz:
Hier liegt ein Wunder dieser Zeiten
Von klugen reich und frommen Leuten.
Die Ceder fällt von unsern Höhen
Der Rechtsgelehrten Fürst erblaßt.
Ists müglich daß es kan geschehen
Daß unser Mund die Worte faßt:
Der Vater den die Musen haben
Der holde Stryk wird nun begraben.
Was die Natur fast sonder gleichen
Die Kunst zum Wunder hat gemacht
So weit als ein Verstand kan reichen
Hat in dem theuren Stryk gelacht
Dem alles war in diesem Leben
Die Ewigleit nur nicht gegeben.
Sprich Franckfurth Wittenberg und Halle
Hat Strykens gleichen je gelehrt?
Ihr Hochberühmt Gelehrten alle
Die ein Athen in Teutschland ehrt
Sprecht ob nicht Wissenschafft und Gaben
Zur Cron Ihn Euch gegeben haben.
Die Ewigkeit nahm eine Feder
Die Weißheit ihren holden Mund
Die Sonne nahm die güldnen Räder
Und machten unsern Stryken kund:
Hiermit lauf durch das Rund der Erden
Du sollst dadurch unsterblich werden.
Was die gesaget ist geschehen
Kein Ort ist in gelehrter Welt
Wo nicht diß Licht der Welt zu sehen
Im Geist und Schrifften aufgestellt.
Zu diesen ungemeinen Strahlen
Will nun der Todt die Schatten mahlen.
Sein Geist bleibt ewig hochgepriesen
Der ob des Lebens Kräffte schwach
Doch Riesen Stärcke hat erwiesen
Sein Muth gab nicht den Jahren nach.
Man konte bey dem Wunder mercken
Daß ihn der Himmel müsse stärcken.
Der Himmel gab zu großen Dingen
Der Erden seinen Stryk allein
Drum halff er Ihm auch die vollbringen
Und da sie nun vollendet seyn
So nimmt er Ihn: doch muß der Erden.
Was irrdisch war auch wieder werden.
Ihr Musen gehet tief im Leide
Folgt seiner Leiche willig nach
Denckt an die Ehre Ruhm und Freude
Damit man sonst von Halle sprach:
Entfernte helfet gleichfals klagen
Denn Stryk wird auch von euch getragen.
Wohin ins Grab? Nein in die Hertzen.
In Erde? Rein in den Verstand.
Sein himmlisch Wesen seine Kertzen
Sind nie vom irrdischen entbrandt.
Drum ist die Grufft Ihn einzusencken
Hochachtung Lieb' und Angedencken.
Hier wird man Ihn unsterblich schätzen
Weil der Gelehrten Welt noch ruht
Die Fama soll die Aufschrifft setzen:
Hier liegt ein unvergleichlich Gut
Von Strykens-Tugend balsamiret
Das die Verwesung nicht berühret.
So muß ein Stryk auf ewig leben
Fridriciana, fasse dich!
Wie viel hat Gott dir noch gegeben;
So lebet auch dein Friederich
Der deinen Glantz so hoch erhöhet
Daß anderwerts nur Schatten stehet.
Ihr Musen baut Ihm Ehren Seulen
Die mehr als Diamanten seyn.
Laßt eure scharfen Sinnen eilen
Doch haltet mit der Kühnheit ein.
Was unser großer Stryk gewesen
Muß man aus Strykens Schrifften lesen.