Uber das in dem Fürstenthum Gotha wunderschön gelegene Georgen-Thal
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Annehmliches Georgen Thal!
Beliebtes Lust-Revier!
Die Schönheit baut sich selbst in dir
Den steten Wohnungs-Saal.
In deinen Anmuths vollen Auen
Kan man sich zwar vergnügt doch niemahls müde schauen.
Ich habe dich nur halb gesehn
Und sage doch entzückt: dir weiß nichts gleich zu gehn.
Ja wenn Diana einst gewesen
Sie hätte sich in deinem Wald
Die Wohnung ausgelesen.
Selbst alle Ruh hat hier den Aufenthalt.
An deinen Teichen
Wo die Forellen streichen
An deinen Wiesen
Deßgleichen nie kein Mahler noch gepriesen
An deinen Früchten
Und andern lieblichen Gerichten
An deinen Zweigen
Die so viel Augen-Weid als grüne Blätter zeigen
An allen hab' ich das erblickt
Was ich nie sattsam rühmen kan
Und mich doch stets entzückt.
Ich sahe dich so mit Verwundrung an
Und dachte: muß man dich nur unvergleichlich nennen
So kan man recht in dir den Ober-Herrn erkennen.
Vergnügt Georgen Thal!
Du pflegst uns selber das Ergetzen
Im Uberflusse vorzusetzen.
Höchstschätzbares Georgen Thal!
Wo der Gerechtigkeit ihr Strahl
Sich mit Leutseligkeit vermählet.
Zu andrer Schande schreib den Ruhm in Marmor ein:
Verständig billig klug gerecht
Galant und redlich-schlecht
Diß alles muß in dir beysammen seyn
Was alles sonst in manchen Amte fehlet.
Du schönes Feld Georgen Thal!
Und wenn ich tausend mahl
An deine Seltenheit gedencke
Wenn nach des Himmels Gütigkeit
Die so viel Augen-Lust durch dich den Menschen beut
Ich die Gedancken lencke.
So denck ich nichts als tausendmahl:
Du schöner Ort Georgen Thal.