Uber das kleine wolbekandte Blümlein: Vergiß mein nicht
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Schönes Blümlein! deine Farbe zeigt des Höchsten Hoheit an
als spräch sie: vergiß mein nicht du dem also hoch beliebet
dieser Erden Eitelkeit die doch endlich nur betrübet.
Wisse daß man meiner denkend wol vergnüget leben kan.
Von dir kleinem Sitten-Lehrer lern' Geheimnus jederman.
Deiner Blätlein fünffte Zahl in mir die Gedächtnus übet
ihre fünff ergebne Sinn und sie durch betrachten schiebet
in die fünff hochwehrten Wunden welche unsre Lebens-Bahn.
Deines Krauts und Stängels grün lehret daß wir hoffen sollen
Gott werd' unser nicht vergessen ob wir wol auf Erden seyn
unter manchem Creutz und Vnglück werd auch bald zu sich uns holen.
Ach vergiß mein nicht O Schöpffer! deine Hülf' auch mir erschein'.
Ist doch meiner Hoffnung Safft her aus deinem Wort gequollen
in dir liget grosse Weißheit Blümlein wärstu noch so klein!