Uber den seeligen Todt Hn. J. G. E. M. D. den 7. May 1676.
Wer Vetter deinen Tod mit trucknen Augen schauet
Der ist ein harter Fels und unempfindlich Stein.
Wer deinem Grabe nicht ein Ehrenmahl auffbauet
Der muß im Helicon ein blosser Frembdling seyn.
Der Kunst und Artzney Gott Apollo steht betrübet
Und reist vor Hertzeleid die Lorbern aus dem Haar
Giebt traurig an den Tag wie hoch er dich geliebet
Und wie sein Meister Ruhm mit dir liegt auff der Baar.
Die keusche Daphne seufftzt und Flora schwimmt in Thränen
Die sie ohn unterlaß auff Blum und Kräuter setzt.
Die Mutter aller Ding eröffnet frey ihr Sehnen
Weil sie dich jederzeit als Rath und Trost geschätzt;
Hygea tritt hervor in einem weissen Kleide
Siht nicht so lebhafft schön als wie sie vormals pflag
Klagt deinen Untergang und geht in tieffem Leide
Nun ihr Gesundheit Kelch dir nicht mehr nutzen mag.
Jhr Vater Aesculap durchforschet in Metallen
Ob irgend eintzig Geist dir auffzuhelffen sey?
Ach Eisenharter Schluß! du solst und must verfallen;
Hier macht noch Artzt noch Kunst dir vom Verwesen frey.
Die Häupter voller Witz so alles auffgeschlossen
Was in der Erden Schoß hat die Natur versteckt
Vermissen nur zu früh dich ihren Mitgenossen
Und sind mit gleichem Weh der Traurigkeit bedeckt.
Du bist auch Thränen werth Apollens Aug und Hertze
Und groß ist der Verlust den man empfinden muß.
Dein edle Wissenschafft hat gleich der Sonnen Kertze
Mit ihrer Stralen Krafft beherrscht der Lethe Fluß.
Der Acheron erschrack Coeytus floß zurücke
Und Charon nehm nicht mehr so häuffig Fährgeld ein.
Die Parcen starrten gar ob diesem Meisterstücke.
Wenn Krancke deine Cur hieß frisch und munter seyn.
Was hast du nicht für Lust von Jugend auff getragen
Dem grossen Vater gleich an Ruhm und Kunst zu gehn;
Wie eyfrig war dein Fleiß im Lesen Forschen Fragen
Und wie die alte Welt und neue zu verstehn.
Gantz Jehna rühmt dich noch da du den Grund geleget
Worauff ein Podalir das Schloß der Weißheit baut.
Wo du mit grossem Ruhm Streit-Fragen hast erreget
Und solche mit Vernunfft zu lösen dir getraut.
Drauff nahm dich Leiden an und wieß dir seine Schätze
Und war mit Mutter-Treu und Liebe dir geneigt
Bald labten deinen Geist der Väter Lehr-Gesetze
Bald hat man Cörper dir und Florens Reich gezeigt.
Die feurige Begier blieb nicht damit zu frieden
Sie eilte ferner fort die weite Welt zu sehn.
Denn als du von der Brust der Musen abgeschieden
So liest du nach Sedan dich Wind und Segel wehn.
Biß dich die Königin der Städte hat empfangen
Das prächtige Pariß der Inbegrieff der Welt.
Hier schien numehr vergnügt dein Hoffen und Verlangen
Nachdem dich zum Patin das Glücke hat gesellt.
Und was nur Franckreich hegt von klugen Wunder-Meistern
Die wurden dir mit Gunst und Hulden zugethan.
Da schärffst du den Verstand bey so erlauchten Geistern
Die selbst der Nach-Welt Mund nicht satsam rühmen kan.
Ein himmlisches Gemüth erkennt des Ursprungs Flamme
Sucht wie der Himmel thut nur in Bewegung Ruh;
Du auch von guter Art und von berühmtem Stamme
Theilst deine Wissenschafft noch andre Reisen zu.
Du wilst Jtalien das Paradies der Erden.
Und wo der Artzney Kunst in vollem Schwange geht
Nicht obenhin beschaun. Nein. Wer gekrönt wil werden
Muß dencken wie er auch im Kampff und Streit besteht.
Der Lehrer gantzer Rath beschleust mit gleichen Stimmen
Daß Padua die Cron von Lorbern reichen sol.
Man sah der Deutschen Hertz in wahren Freuden glimmen
Als dieser Rufferschallt:
Doch der erlangte Preiß und Kleinod vom studieren
Hat dich mehr angespornt die Lichter dieser Zeit
So jetzt die Sieges-Fahn in Wissenschafften führen
Zu ehren mit Bedacht zu sehn in Höffligkeit.
Das herrliche Florentz verschloß dir nicht die Kammern
Was Naples schönes weist hat da dein Aug ergetzt.
Es wolte dich zu Rom fast derer Männer jammern
Weils zum verlassen kam die du so hoch geschätzt.
Denn nahm das Vaterland hilff GOtt mit was für Freuden!
Dich wieder in die Schoß. Der Vater staud entzückt
Und konte niemals satt an dir die Augen weiden
Als dessen Hoffnungs-Ziel so überauß beglückt.
Ja wie das Sprichwort war daß Adler Adler zeugen
Und aus der Klau ein Löw sich zuerkennen gibt.
So machst du auch den Ruhm des Vaters dir gantz eigen
Und wiest durch Curen aus was du seither geübt.
Du hast stets der Natur die rechte Hand geboten
Und ihrer Heimligkeit Mirakel offenbahrt
Viel wieder auffgebracht die zugezehlt den Todten
Und keinem Rath und Hülff in seiner Noth versagt.
Wir wünschten ingesammt dir ein unsterblich Leben
Und daß für deiner Cur mög alles Ubel fliehn.
Umbsonst. Wer kan dem Schluß des Himmels wiederstreben?
Wenn GOtt schafft muß der Artzt das Sterbekleid anziehn.
Und zwar du stirbst sehr früh im Wachsthum bester Jahre
Da deine Weißheit reiff und deine Kunst bewehrt.
Mein Vetter ach verzeih daß deine Todten-Bahre
Mit einem schlechten Thon mein traurig Kiel beschwert.
Die Harff ist gantz verstummt die Leyer gantz verstimmet
In jede Fuge fügt sich Ach und Winseln ein
Nun das Verhängnüß so sich über mich ergrimmet
Daß ich muß ohne Sohn und ohne Vetter seyn.
Die Hoffnung von dem Stamm vertraut’ ich gleich der Erden
Als mich die bittre Post von deinem Tod erschreckt.
Ich sehe stündlich mich in meinen Asche werden
(schmeckt.
Was Wunder so mein Reim nach nichts als Wermuth
Doch hoff ich GOttes Arm ist mächtig auffzurichten
Und was er itzt betrübt das kan er auch erfreun.
Denn wil ich deinem Ruhm ein Römisch Loblied dichten
Das bey der Nachwelt sol der Freundschafft Siegel seyn.