Uber den Todt einer jungen und geliebten Ehe-Gemahlin/ bey der Frühlings-ZeitCan...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Verlassener! dein Unglück geht zu weit.

Die Lieblichste wird dir die schlimste Zeit.

Kan die Natur nicht triumphirend lachen

Da sie den Winter hat besiegt?

Allein was kan ein Mensch vergnügt

Vom Elend überwunden machen?

Verlassener! dein Unglück geht zu weit

Die Lieblichste wird dir die schlimste Zeit.

Aspasia! Ach dein Verderben

Heißt mich in der Geburt der schönsten Zeit ersterben!

Hier liegt mein Säyten-Spiel

Vor dem zuvor ihr zartes Hertze fiel.

Hab' ich vor dem ein Hertz zur Lust erregt

Das werde nun zum Mitleid auch bewegt.

Mein Elend soll statt euch ihr Nachtigallen

In alle Welt erschallen.

Aspasia ist nun dahin!

Ihr Blumen schaut wie ich verwelcket bin!

Aspasia hat gute Nacht gegeben!

Erbarme dich Natur die itzt beginnt zu leben.

Aspasia, die meine Seele war

Stund jung und schön schon gestern auf der Bahr.

Aspasia, O Wort das mich erschreckt!

Wird heute schon mit Erden zugedeckt.

Weine gantz allein!

Denn es lachen alle Felder.

Kleide deine Pein

Bey dem Schmuck Schmaragdner Wälder

In die tiefste Trauer ein.

Weine gantz allein.