Uber den Untergang der Stadt Freystadt
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Was soll ich mehr noch sehn? nun grimme Pestilentzen
Nun bleicher Hunger-Angst verwüstet deine Gräntzen;
Nun der Carthaunen Blitz nun Hauptmann und Soldat
An unserm Gut und Blut sich statt gefressen hat;
Zeucht eine Nacht noch auf voll tausendfacher Plagen:
Recht eine Nacht voll Nacht voll Ach! und Jammer-Klagen:
Und reißt O Freystadt was bißher noch von dir stund
Gleich einem Cederbaum mit Ast und Stumpff zu Grund
Eh'r iemand diß vermeint. Die Sonne war gewichen
Der Himmel stund besternt; und Morpheus kam geschlichen
Mit seiner Träume Schaar; der Sorgen Feind die Ruh'
Schloß der nun müden Schaar die trägen Augen zu.
Als das Geschrey angieng! O was für Donner-Schläge
Empfind ich noch in mir wenn ich den Blick erwege:
Den ersten Jammerblick: Die schnelle Lufft ersaußt
Der Monden fleucht bestürtzt der Winde wütten braust
Und Freystadt kracht im brand': Es steigen Dampff und Flammen
Und Funcken Himmel' an: Dort fält ein Hauß zusammen
Und schlägt das ander' ein. Was nicht von diesem schmaucht
Ist schon Staub Asch' und Grauß: Wo jener Hauffen raucht
War vor der schönste Saal: Wo sind der Thürme Spitzen?
Wo ist das Rathhauß hin? Und wo die Richter sitzen?
Die Kirchen brasselt auch! soll denn kein Ertzt noch Stein
O Freystadt frey an dir von seinem Sterben seyn?
Schützt keiner Mauren Krafft? sind keiner Retter Hände?
Ist alles helffen aus und gehn die kleinen Wände
Zusammt den grossen ein? O ja! diß ist der Schluß
Der alles was noch stund zu boden werffen muß!
So sinckt ein krancker Leib den schon der Todt erkohren
(Der Artzt thu' was er kan sein bessern ist verlohren.)
So wird die grosse Welt auf angesetzte Zeit
Durch schweffellichte Glut des Donners abgemayt
Verlodern und vergehn! was seh' ich dort für Hauffen?
Bestürtzt und Thränen-voll! mit ihren Kindern lauffen?
O Kinder! die ihr kaum das Vaterland erkannt
Schaut wie was euch gebaut noch eh' ihr hin verbrandt.
Stadt! hochgestürtzte Stadt! must du dir selbst anzünden
Den Holtzstoß auf dem Zier und Gut und Lust verschwinden.
Hat doch des Himmels-Zorn: Hat doch das scharffe Schwerdt:
Hat doch der Feinde Grimm dich nicht so umgekehrt
Wie du dich selbst hinrichtst. Was wünschen wir die Sonnen?
Weil Lufft und Flamme scheint: Was diese Nacht zerronnen
Sieht auch wer gantz nicht sieht: Oh man schon um und an
Den Schaden noch nicht recht für Rauchen sehen kan.
Wir sehen keine Stadt! wie ist der Ort verworren
Mit dunckelrother Glut: Die Häuser sind verschorren
In Asch' und in sich selbst: Wird auch noch iemand seyn
Der aus den Kohlen sucht ein halb-verbrandt Gebein
Von denen die der Schlaff dem Feuer hat verrathen!
Wir schauen derer Noth die in den Flammen braten
Und schauen keinen Rath. Ihr Musen! ach umsunst!
Auch euer Schatz vergeht. Es hat die tolle Brunst
In diß was heilig heist sich grimmig eingedrungen:
Und mit der Blätter Rest weit über Feld geschwungen!
Und was ein weiser Sinn erforschet und erdacht
Wodurch ein sterblich Mensch sich ewig hat gemacht
Nimmt eine Stunde weg. Wir treten itzt mit Füssen
Diß was wir gestern Kunst und grosse Weißheit hiessen!
O Eitelkeit der Welt! wie solt' ein Mensch bestehn
Wenn was die Zeit abtheilt muß für der Zeit vergehn.
Und mag ein zartes Fleisch ihm lange Raitung machen?
Wenn Felsen und Metall so unversehns zu krachen?
Und mag wohl iemand seyn der keine Laster scheut
Wenn der sonst sanffte Gott mit solchen Straffen dräut!
Weil doch der Sünden Glut uns diese Brunst erreget
Die Freystadt eingefeurt und frey in Grauß geleget?
O daß mein Deutschland sich mit diesem Zunder trägt;
In den der Wetter Macht mit schnellen Funcken schlägt
Der uns zu Aschen brennt wenn Boßheit wird verschwinden
Denn wird was itzund hin sich reicher wieder finden
Denn wirst du todte Stadt aus deiner Kohlen Grufft
Dein itzt verscharrtes Haupt auffheben in die Lufft.
Denn sol wo Wolcken ietzt von Rauch' und Flammen ziehen
Dein' auffgesetzte Zier gleich einer Rosen blühen.
Denn wird was ietzund bricht durch zuthun weiser Hand
Erlangen was man wüntscht und in recht neuem Stand
Sich breiten für und für. Es werden deine Mauren
Nicht mehr voll Jammer stehn: Und wo man ietzund trauren
Und Zetter ruffen hört wo ietzt des Höchsten Grimm
Ohn Maß und Ende tobt da wird die Jubel-Stimm
Erschallen voll von Lust. Die neugebauten Thürme
Des Hauses schöne Pracht wird Sicherheit im Schirme
Erhalten: Ja der Spieß das halbverroste Schwerdt
Wird werden in ein Beil und einen Pflug verkehrt
Auch wird die werthe Treu die Treu die wir verlohren
Von aller Redligkeit stehn bey uns neugebohren.
Wie denck ich doch so weit? Ich der ich dieser Näh'
Nun dritten Untergang mit nassen Augen seh'!
Und was geht itzt nicht ein! Wie selig sind zu schätzen
Die welchen keine Noth die Klau' ins Hertz kan setzen.
Weil sie der Todt entsetzt. Wir sind recht lebend-todt
Und theilen unser Zeit in tausendfache Noth
Wir theilen Leib und Gut! was nicht die Pest genommen
Hat Büchs' und Säbel hin! was diese nicht bekommen
Frist die erhitzte Glut! was läst der Flammen Raub
Von Freystadt? Was du siehst die Handvoll Asch' und Staub.