Uber den unverhofft jämmerlichen Todes-Fall Hn. C. L. Studiosi 1658. 28. Jan.

By Heinrich Mühlpfort

Nun tritt herzu du stoltze Welt

Und lerne dich doch selbst erkennen

Du wirst dich einen Schauplatz nennen

Da Tod und Leben fürgestellt!

Da Jahr und Zeit das Urtheil sprechen

Und Kron und Thron und Scepter brechen

Mit unerhörter Grausamkeit:

Wie gantze Reich’ in Aschen können stehn

Und wie der Mensch ihr Herrscher soll vergehn.

Diß was viel Künstler auffgebaut

Mit Steinen Stahl und Ertz gebunden

Schwindt und vergeht in wenig Stunden

Eh’ als man fast den Zufall schaut.

Der Häuser Himmel-gleiche Spitzen;

Die müssen offt in Flammen schwitzen

Wenn der ergrimmte Donner tobt:

Wie offt zerreibt die allzustrenge Zeit

Durch eigne Krafft des Marmels Ewigkeit.

Wo Troja stund da ist ein Feld

Und wo Athen vorhin gesieget

Da wird geackert und gepflüget

Wo bleibt die alte Forder-Welt?

Was Erde Mutter heist muß sterben

Und auch in ihrer Schoß verderben

Der Schluß der ist schon längst gemacht:

Kein Bauwerck hilfft noch Rhodis grosse Kunst

Sein Sonnenbild das wäre hier umbsonst.

Und solte Rom schon ewig seyn

Mit seinen Bergen und Pallästen

So ward es doch von frembden Gästen

Biß auf den Grund geäschert ein.

Die Stadt der nichts ist gleich gewesen

Die kan man kaum in Büchern lesen

Man findt ihr Ebenbild nicht mehr.

Geh trotze nun o Mensch auff deine Macht

Und suche Licht in dieser finstern Nacht.

Betrachte deine Lebens-Zeit

Die wie ein schneller Traum vergehet

Und in dem Unbestand bestehet

Die voll von frecher Eitelkeit:

Was heute blüht kan morgen welcken

Gleich wie die schönen Frühlings-Nelcken

Der Sonnen heisse Gluth verzehrt.

Ein eintzig Augenblick macht uns den Schluß

Dem jederman gezwungen folgen muß.

Wie sucht man nicht den Ehrendunst

Durch der Geschlechter grosse Titel?

Und schreibt biß an der Sonnen Mittel

Des Glückes ausgeputzte Gunst?

Die doch ein Rauch der bald verschwindet

Und seinen Todt im Leben findet

Noch eher als man es vermeynt.

Ein purpur Kleid und liechter Diamand

Wird offt befleckt mit höchster Laster Schand.

Erforsche Himmel Erd und See

Ja gar die beyden Wandel-Sternen

Du wirst auch dar dein Ende lernen

Und wie die gantze Welt vergeh.

Die Herrligkeit der weiten Erden

Muß endlich Staub und Asche werden

Und selbst ein Grab ihr Grabmahl seyn.

Kein Gold und Geld bewegt diß strenge Recht

Die Sterbligkeit frist unser gantz Geschlecht.

Der schönen Wangen Rosengluth

Und die gestirnten Liebes-Blicke

Die halten Todt dich nicht zurücke

Du achtest weder Milch noch Blut

Das sonst die Edlen Leiber zieret

Und tausend Augen zu sich führet

Mit angenehmer Liebligkeit.

Der Haare Gold der Jahre Silber schwindt

Wenn sich dein Grimm mit Trauer-Fackeln findt.

Der Jugend unverwelckter Mäy

Des Alters grau-beschneite Haare

Führt eine Wehlung auff die Bahre

Und reisst sie auff einmal entzwey:

Der stirbet in der ersten Wiegen

Und jener muß im Bette liegen

Wenn er schon achtzig Jahr erlebt.

Die starcke Krafft der Glieder hilfft uns nicht

Wenn Zeit und Todt die matten Augen bricht.

Das Ende so uns wird bestimmt

Darff keine Säumung hintertreiben

Wir müssen wo wir sollen bleiben

Wenn schon des Höchsten Schickung kömmt:

Offt wenn die Freuden-Rosen blühen

So müssen wir das Kleid anziehen

Worinn man uns zu Grabe trägt.

Und wie GOtt wil so trifft die Rechnung ein

Der muß itzt todt und der beym Leben seyn.

Die schwartze Bahre so hier steht

Muß unsern Worten Zeugniß geben

Daß nichts in unserm gantzen Leben

Auff immer-festen Füssen geht.

Der junge Mensch das Bild der Tugend

Wird in dem Frühling seiner Jugend

Gleich wie die Blumen abgemeit

Und zwar o Schmertz von einer solchen Hand

Die niemals nicht so frisches Blut erkant.

Wer hätte diß doch je gedacht

Daß wir eiu Grab-Lied solten singen

Und deiner Leiche dieses bringen

Was uns die grösten Schmertzen macht?

War diß die Nacht und diese Stunden

Da dich mit tödtlich-tieffen Wunden

Ein jeder solt entleibet sehn?

O Seelen-Angst o Hertz-durchdringend Weh

O Eltern Schmertz o heisse Trauer-See.

Die Glieder sind nun gantz erkalt

Der unbefleckte Schnee der Hände

Verschwindet in dem letzten Ende

Der gantze Leib wird ungestalt.

Doch krönt dein Haupt die Blumen-Krone

Und bleibet deiner Treu zu Lohne

Biß in das schwartze Grab hinein.

Die Bahre blüht o Blume dir zur Lust

Der Roßmarin deckt die verwundte Brust.

Wir lassen dich nun Liebster seyn

Und ehren itzt dein Leich-Gepränge

Mit dem bemühten Traur-Gesänge

Das alle Musen stimmen ein.

Dein Name sol bey uns nicht sterben

Noch in Vergessenheit verderben

So lang ein Geist im Leibe wohnt.

Gehab dich wol geneuß der Himmels-Freud

Und ruff uns nach aus dieser Sterbligkeit.