Uber den unverhofften Todes-Fall Fr. H. W. g. P. den 15. May 1673.
Jsts möglich daß sein Aug und gantz zerschlagnes Hertze
Ins Leid versenckter Freund siht meine Zeilen an:
So glaub er diß Pappier und aufgetragene Schwärtze
Weiß selbst vor Wehmuth nicht was man hier melden
Die Liebste wil zur Ruh die müden Glieder legen
(kan.
Und denckt nicht daß ihr Bett auch werd’ ihr Grabmal seyn.
Fall! der uns Sterblichen vernünfftig zu erwegen
Und lehret wie der Tod sich überall findt ein.
Er steht bey der Geburt er wachet bey der Wiegen;
Er gängelt unsern Fuß schaut
Wird mitten in dem Spiel der freyen Jugend liegen.
Ist wenn wir Männer sind auch neben uns bemüht.
Bald geht er mit zu Feld bald tritt er vor Gerichte
Bald sagt er wer er sey bald wie man ihn bezwingt
Entlarvt nicht wenn er gleich so handelt sein Gesichte
Weiß daß der sichre Mensch ihn nirgends wo verdringt.
Er setzet sich zu Tisch isst mit von unsren Speisen
Braucht einerley Getränck und ist bey Freuden frey;
Wird bey Geschäfften so wie wir bemüht sich weisen.
Wer meynt nun daß er nicht auch bey dem schlaffen sey?
Der grosse Lipsius das Wunder kluger Sinnen
Rieff: Ein Tritt geht ins Bett’ der ander in das Grab.
Ward seiner Sterbligkeit bey jedem Abend innen
Und wie das Lebens-Garn nehm’ allgemählich ab.
Zwar es macht der Natur und Fleisch und Blut ein Schrecken
Wenn man der Sonnen Rad siht frölich untergehn
Und weiß nicht ob sie uns auch morgen auff wird wecken
Und ob wir auch gesund von unserm Bett’ auffstehn.
Daß wir wie Attila nicht in dem Blut ersticken
Daß uns der Donner nicht wie Zoroastern trifft
Daß uns der Häuser Fall nicht gehling möcht erdrücken
Noch wie den Ladislau im Schlaff uns was vergifft.
Alleine diese Furcht ermuntert unsre Geister
Daß wir Soldaten gleich stets in Bereitschafft stehn;
Damit wenn ja der Tod an uns noch wird zum Meister
Wir unerschrocknes Muths ihm in die Augen gehn.
Doch wie ein Krieges-Knecht mit Recht ist zu verlachen
Der erst nach Waffen fragt wenn es schon blitzt und kracht:
So können wir uns leicht auch gleiche Rechnung machen
Daß unser letztes Ziel zuvor muß seyn bedacht.
Denn stehts dem Tode frey denn kan ein solches Sterben
Wie schnell es immer kömmt mit nichten schädlich seyn.
Wir wissen unser Leib muß einmal doch verderben.
Was hilfft es ob er so und wieder so geht ein?
Ja sagt er werther Freund dergleichen Todes-Lehren
Sind meinem Christenthum vor langer Zeit bekand;
Jetzt aber da ich seh der Liebe Bund zerstöhren
Da mein gantz Hoffen wird in nichts als Ach verwandt;
Und zwar da sich der Tod an meine Seite füget
Und von der Seiten reist die ich so hochgeliebt
Die Abends noch gesund früh lebloß bey mir lieget;
So ist der Fall zu schwer der Hertz und Seel betrübt.
Ich stimme billich bey; jedoch ein groß Gemüthe
Muß auch bey grossem Creutz die Probe halten aus
Und dennoch danckbar seyn für GOttes Wunder-Güte
Als die in Trübsal führt und wieder zeucht heraus.
Zu dem der Weißheit Schatz der seine Seele zieret
Legt ihm vergnügten Trost in göldnen Schrifften bey.
Daß einem weisen Mann das Trauren zwar gebühret
Doch auch mit Helden-Muth zu überzwingen sey.
Weil hier nichts ewiges und der vermählten Seelen
Jhr Bündnüß Zeit und Tod wie alles sonst zerreist;
So ist das eintzige daß man der Gräber Hölen
Mit einem Denckmahl noch zu ehren sich befleist.
Wiewol die Seelige durch Gottesfurcht und Tugend
Ein unvergänglich Lob ihr bey der Welt gebaut;
Weil sie vom ersten Keim der auffgewachsnen Jugend
Biß an den letzten Gieb stets ihrem GOtt vertraut.
Die Wollust dieser Welt den Spinnen gleich gehasset
Der seltnen Frömmigkeit ihr Hertze nur verpflicht.
Jm Leiden und im Creutz sich mit Gedult gefasset
Biß sie des HErren Hand hinwieder auffgericht.
Timantes Pinsel wird die Liebe nicht abmahlen
Und wie sie ihren Schatz mit sondrer Treu geehrt.
Aus welchem Segen auch die Liebes-Früchte strahlen
Von deren Lippen man jetzt nichts als Seufftzer hört
Die biß ins schwartze Grab die liebste Mutter preisen
Und für die treue Pfleg und Vorsorg danckbar seyn
Die ihre letzte Pflicht mit Thränen noch erweisen
Und häuffig auff den Sarg sie als ein Opsser streun.
Wol der Verblichenen die durch ein sanfftes schlaffen
Des Todes Bitterkeit am wenigsten gefühlt
Und weil sie Lebens-Zeit sich mit des Glaubens Waffen
Gerüstet hat sie auch den rechten Zweck erzielt.
Es wünscht ein Julius ihm ein geschwindes Ende
Wenn er das Raht-Haus drauff mit eignem Blut bespritzt.
Wer seine Seele gibt in des Erlösers Hände
Dem hat ein schnelles Ziel zur Ewigkeit genützt.
Er Hochgeehrter Freund wird seinen Schatz beklagen
Daß ihre Lieb und Treu nicht aus dem Hertzen kömmt.
Doch wieder als ein Christ sein Creutz auch so ertragen
Daß das empfundne Weh’ nicht allen Muth wegnimmt.
Kein Unglück auff der Welt kan einen Weisen fällen
Wie übers Mondens Kreiß stets klares Wetter bleibt:
So wird er in der Noth auch sein Gemüth erhellen
Ob umb und unter ihm der Sturm sein Wesen treibt
”diß ist die gröste Kunst wer über Schmertzen siegen
&q;Und über Regungen des Geistes herschen kan;
&q;Der findet in der Angst ein heilsames Vergnügen
&q;Und in dem Dornen Pusch offt eine Rosen Bahn.