Uber die Kaltsinnigkeit der Liebsten.

By Heinrich Mühlpfort

Dunckle Hölen finstre Schatten

Meines Lebens Auffenthalt

Wüste Felder stille Matten

Einsam und verschwiegner Wald

Könnt ihr auch die Seuffzer zehlen

Die ich täglich abgeschickt

Wenn mein Hertz mit neuem Quählen

Ein besch werlich Leyd gedruckt.

Ach ihr Zeugen meiner Schmertzen

Sagt doch kühnlich was ihr wißt;

Und ihr hellen Sternen-Kertzen

Suchet wo der Ursprung ist.

Anemonens edle Tugend

Die mein Abgott ist und heist

Macht daß Liebe meine Jugend

An die stärcksten Ketten schleust.

Keine hat mich können binden

Aber dieser Nymfen Zier

Wuste mich bald zu entzünden

Da sie doch nicht günstig mir.

Jhr sittsamen Geberden

Haben nicht genommen ein

Daß ich ihr verpflicht must werden

Weil die Geister in mir seyn.

Noch verlacht die Anemone

Mich daß ich verliebet bin

Da sie doch die Lebens-Krone

Tag und Nacht mir ligt im Sinn.

Was ich in Gedancken führe

Ist von ihrer Schönheit Pracht.

Wenn ich früh vom Schlaf mich rühre

Hab ich schon an sie gedacht.

Soll ich denn nun Flammen leiden

Da sie nichts als kaltes Eiß.

Blut das kan den Demant scheiden;

Aber wenn mein Todes-Schweis

Gleich auff allen Gliedern sässe

Glaub ich doch nicht daß ihr Sinn

Lieb und Hulden mir zumässe

Sondern liesse mich dahin.

Anemone Zeit bricht Eisen

Und zermalmt den Marmelstein.

Willst du dich stets so erweisen

Und wie Stahl und Felsen seyn?

Kan dich nicht mein Flehn erweichen

Das unendlich zu dir schreyt

Ey so muß ich nur verbleichen

In der besten Blüthe-Zeit.

Doch betrachte daß auf Erden

So wie ich dich treu geliebt

Du nicht kanst geliebet werden:

Und ob mich das Glück betrübt

Ey so soll beständig lieben

Mit mir noch zu Grabe gehn

Und daß ich umb dich geblieben

Soll in allen Büchern stehn.