Uber die Kaltsinnigkeit der Liebsten.
Dunckle Hölen finstre Schatten
Meines Lebens Auffenthalt
Wüste Felder stille Matten
Einsam und verschwiegner Wald
Könnt ihr auch die Seuffzer zehlen
Die ich täglich abgeschickt
Wenn mein Hertz mit neuem Quählen
Ein besch werlich Leyd gedruckt.
Ach ihr Zeugen meiner Schmertzen
Sagt doch kühnlich was ihr wißt;
Und ihr hellen Sternen-Kertzen
Suchet wo der Ursprung ist.
Anemonens edle Tugend
Die mein Abgott ist und heist
Macht daß Liebe meine Jugend
An die stärcksten Ketten schleust.
Keine hat mich können binden
Aber dieser Nymfen Zier
Wuste mich bald zu entzünden
Da sie doch nicht günstig mir.
Jhr sittsamen Geberden
Haben nicht genommen ein
Daß ich ihr verpflicht must werden
Weil die Geister in mir seyn.
Noch verlacht die Anemone
Mich daß ich verliebet bin
Da sie doch die Lebens-Krone
Tag und Nacht mir ligt im Sinn.
Was ich in Gedancken führe
Ist von ihrer Schönheit Pracht.
Wenn ich früh vom Schlaf mich rühre
Hab ich schon an sie gedacht.
Soll ich denn nun Flammen leiden
Da sie nichts als kaltes Eiß.
Blut das kan den Demant scheiden;
Aber wenn mein Todes-Schweis
Gleich auff allen Gliedern sässe
Glaub ich doch nicht daß ihr Sinn
Lieb und Hulden mir zumässe
Sondern liesse mich dahin.
Anemone Zeit bricht Eisen
Und zermalmt den Marmelstein.
Willst du dich stets so erweisen
Und wie Stahl und Felsen seyn?
Kan dich nicht mein Flehn erweichen
Das unendlich zu dir schreyt
Ey so muß ich nur verbleichen
In der besten Blüthe-Zeit.
Doch betrachte daß auf Erden
So wie ich dich treu geliebt
Du nicht kanst geliebet werden:
Und ob mich das Glück betrübt
Ey so soll beständig lieben
Mit mir noch zu Grabe gehn
Und daß ich umb dich geblieben
Soll in allen Büchern stehn.