Uber die thorheit der menschen aus dem frantzösischen des berühmten poeten Boile...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

In aller thiere heer die in den lüfften schweben

In wasser wohnhafft sind und auff der erden leben

Von Japan biß nach Rom von Peru biß Pariß

Ist wohl das närrschte thier der mensch und das gewiß.

Was? sagest du hierauff ein kriechend ungezieffer

Ein rind das wiederkäut und was noch etwa tieffer

Ein wurm der kaum halb lebt der bunt gemachte specht

Sind die von besserm geist als nicht der mensch? gantz recht.

Die rede wundert dich herr doctor und nicht wenig;

Der mensch ist der natur erkohrnes haupt und könig

Feld wiesen holtz und thier sind nur vor ihn gemacht

Und er allein sprichst du ist zur vernunfft gebracht.

Ja wohl der weißheit sitz muß stets bey ihm beharren

Doch davor halt ich ihn auch vor den grösten narren.

Der vortrag dienet schon sagst du zur sticheley

Auff daß der gerne lacht damit belustigt sey;

Allein beweiß es auch wie sichs gebührt zu dienen

Drum setz dich auff die banck ich bin vor dir erschienen

Lehr mich was klugheit sey der seelen gleiche krafft

Die kein verhängniß schwächt da keine neigung hafft.

Sie fust in ihren schluß mit viel gepaßtern schritten

Als kaum ein rathhaus-bret vom doctor hat erlitten.

Nach dieser gleichen krafft von der man klugheit bricht

Hat iemand als der mensch sich schlechter eingericht?

Die ameiß höre doch! pflegt alle jahr zu lauffen

Und bringt der Ceres schatz in magazin zu hauffen;

Wenn denn der scharffe nord die kälte wiederbringt

Und mit der nebel-netz die fröligkeit bezwingt

Steckt dieses kluge thier in seinen dunckeln wesen

Und zehrt des winters auff was sommers eingelesen.

Gantz recht der mensch allein ist zum verstand erkohren

Doch darum halt ich ihn auch für den grösten thoren.

Man siehet es auch nicht aus unbeständigkeit

Im sommer etwa faul voll fleiß zur winters-zeit

Noch in der weissen flur dem harten jenner pochen

Und wenn der widder kömmt verscharret und verkrochen.

Allein der mensch hält nicht in seinem närrschen lauff

Er hüpfft ohn unterlaß bald nunter bald herauff.

Sein hertz führt tausend angst und kan sich nicht entscheiden

Indem es auch nicht weiß was suchen sey was meiden;

Das was er heute scheut wünscht er den andern tag.

Ich solte diese freyn der ich nicht hörner mag;

Ich solte voll bestand den grösten schimpff nicht achten

Bey Bussys heiligen mir einen platz zu pachten

Gnug narren ausser mir sind in der leute mund;

So gabe sich nur nechst ein guter schlucker kund

Der vierzehn tage drauff doch in der schlingen hienge

Und in der guten schaar den ehren-tag begienge;

Wiewohl er gäntzlich meynt GOtt hab nur ihn bedacht

Und ihm ein treues weib aus seiner ribbe bracht.

So sieht ein menschen-kind er geht zum schwartz-vom weissen

Und was er früh gebaut will er des nachts zerreissen

Sich macht er überlast dem anderen verdruß

Und wechselt wie die tracht den vorgefaßten schluß.

Es dreht ihn halbe lufft er fällt nur von berühren

Bald heute will er schwerdt bald morgen kutt anführen;

Indessen wiegt er sich in eigner schmeicheley

Und stellt sich kräfftig vor was vor ein held er sey.

Wie er bey der natur als grund und pfeiler stehe

Das zehnde himmels-rath sich einig vor ihm drehe

Von allen was nur lebt meynt er ich bin der mann

Wer leugnets denn sagstu? Ich mein freund weil ich kan.

Hier untersuch ich nicht wie sich ein bär erweiset

Wie freundlich er uns thut wenn ihn der hunger reisset

Er trägt vor büttel knecht und keinen hencker scheu.

Raubt auch ein wolff so sehr als wie wir wilden leute?

Zieht er den wolff wohl ab und macht das fleisch zur beute?

Kein krieger denckt auff krieg auch in der grösten wuth

Und macht Hircanien zu einen taffel-gut.

Sieht man im holtze krieg von bären gegen bären?

Muß sich der geyer auch vor seines gleichen wehren?

Hört man aus Africa daß sich aus haß und groll

Ins löwens republic ein krieg entspinnen soll?

Daß löwe gegen löw ein freund auff seines gleichen

Auff des tyrannen wort sich so voll grimm erzeigen?

Das allergrimmste thier das die natur gebiert

Trägt vor dem andern scheu wenn es sein bildniß führt;

Läst bey ihm seine wuth und seine wildheit fahren

Und kan sich ohne zanck und streit mit ihm gebahren.

Ob schon der adler-heer von einem felde ist

Citirt er andre wohl auff eine sächsche frist?

Und wenn der fuchs dem huhn auch den proceß will machen

Wird wohl der andre fuchs ein advocat der sachen?

Wenn hat denn in der brunst das unvergnügte reh

Den schwachen hirsch verklagt daß er vor rechte steh?

Niemahl schliest hier daß recht den beyschlaff anzusagen

Und läst diß garst’ge wort in seinem urtheil tragen.

Sie fordert kein termin sie suppliciren nicht

Und kennen weder rath noch amt noch hoffgericht;

Sie leben unter sich in ruhigen vernehmen

Die einfalt ist ihr recht wovor sie sich nicht schämen.

Der mensch der mensch allein der nur nach narrheit fragt

Macht ehr und ruhm daraus daß er sich selber plagt;

Diß war noch nicht genug daß er aus höllschen triebe

Das lange eisen schliff und den salpeter riebe.

Nein daß doch ja sein thun der gantzen erde schadt

Schmiert er so lange drauff biß er Pandecten hat

Die überstrich er noch mit den erleuchten glossen

Und warff das reine recht in seine narrenpossen.

Er führte daß auch wir ja gut getroffen seyn

Der zungen-drescher heer in unsern ländern ein.

Ein wenig glimpfflicher sagst du was nützt das schmählen?

Die menschen irren zwar es kan ja wohl nicht fehlen

Und haben wir das meer bald sturm bald ebb und flut

Doch macht auch alles diß ein eintzge tugend gut.

Ist nicht ein mensch der mann der mit so kühnen wissen

In einem zirckel-kreyß den himmel hat gerissen

Der durch die weite kunst das was nur ist enthält

Der die natur erforscht von ihr das urtheil fällt.

Die universität gilt nicht bey denen thieren

Wo können sie mir wohl vier facultäten zieren?

Sind sie im recht gelehrt und in der medicin?

Legt man ihn scharlach an deßgleichen hermelin?

Nein nein! das hat wohl nie bey ihn ein artzt gestifftet

Und durch die tödtungs-kunst den gantzen wald vergifftet.

Nie hat sich unter ihn ein doctor heisch gemacht

Und einen läpschen schluß mit auff die banck gebracht.

Hier schweig ich ob der geist diß was er weiß auch wisse

Ja ob er gar nichts weiß es sind nur hindernisse.

Du rede nunmehr selbst ob itzge zeit vergönnt

Daß man nach tugenden rechtschaffne leute nennt?

Wilstu was grosses seyn ließ sich ein vater hören

Und gab dem glatten sohn nur nechst die schönen lehren:

Nimm mir den rechten ort laß alle bücher stehn

Wenn zwantzig einen giebt was macht zweyhundert zehn.

Wie in Numidien sich auch der löw entzieht

Und nicht entdeckt zu seyn nach mord und raube flieht

Das eingebildte haupt das ihm muß satzung lehren

Was muß er als ihr herr nicht selbst vor herren ehren.

Die ehrsucht lieb und geitz und was dem zorn gefällt

Ist seines geistes stock der ihn gefangen hält.

Kaum hat der schwere schlaff zu drücken angefangen

Steh auff spricht schon der geitz bistu noch nicht gegangen?

Ey laß mich doch. Steh auff! ein wenig bittest du

Der tag sperrt schon das thor dein laden ist noch zu;

Was hinderts? hebe dich. Wilt du der letzte bleiben

Das grosse Meer der welt zum ende durchzutreiben

Wo Japan porcellan und ambra zu uns schickt

Und Goa ingwer gräbt und pfeffer-körner pflickt.

Ich hab ja gut genug das kan ich schon entbehren

Man hat niemahl zu viel sich dessen zu gewehren

Spar man kein laster nicht kein meineyd halt uns ein

Man stehe hunger aus das bette sey ein stein

Wär unser schatz noch mehr als Galet auffgerieben

Soll man selbst diener seyn und keinen hausrath lieben.

Daß man den weitzen spaart schmeckt uns wohl haber-brod

Ein heller ist zu viel auch vor die todes-noth.

Was nutzt denn nun der geitz? Weist du noch nicht die fälle?

Der erbe labt sich ja zuletzt an deiner stelle;

Er legt die schätze an die dir nichts nutze sind

Und putzt die gassen aus mit seinem hausgesind.

Ey was! mach einmahl aus das schiff fängt an zu fliehen

Und ist das geld zu schwach den starcken held zu ziehen;

So setzt der ehrgeitz an mit seiner gantzen brut:

Und eh er sichs versieht gebraucht er volle wuth.

Läst sich ihm halb verruckt in tausend jammer dringen

Und auff des Cäsars pfand nach noth und ängsten zwingen:

Wenn er nun in dem sturm das ehren-bette drückt

So wird die närrsche that der zeitung eingeflickt.

Sacht an! spricht einer drauff; hier kanstu dich nur melden

Das was du laster nennst ist ja ein werck der helden:

War Alexander närrsch wie deine meynung spricht?

Der schwindelsüchtge mann der Asien vernicht?

Das unbesonne thier das stets im blute wühlte

Als herre von der welt sich doch zu enge fühlte

Er gieng voll raserey als erb-printz aus dem land;

Worinne man ihm schon wie klug er sey erkandt.

So lieff er thöricht fort und wolte göttern gleichen

Und konte wie ein dieb kaum glut nicht heerd erreichen;

Wohin er sich gekehrt hat er den krieg gebracht

Und fast die gantze welt mit narrheit voll gemacht.

O! wie wärs gut gewest daß es bey seinem leben

In Macedonien doch hätt ein toll-hauß geben

Wo ihn bey rechter zeit ein vormund eingesperrt

Und auff der freunde wort das wilde thier gekerrt.

Damit wir aber nicht hiedurch vom zwecke gehen

Noch ieder neigung art wie Senaut thut besehen

Und schliessen dieses werck in classen oder titl

In versen predigen und reimen durch capitl.

So laß mir Cöffeteau und Schambre davon hören

Ich will den schönsten ort an unsern menschen lehren:

Er lebt nur saget man in einer festen stadt

Und zeigt was er vor thun und guten sitten hat.

Er setzt sich könige und kan sich fürsten geben

Pflegt nach der policey und nach dem recht zu leben;

Ja wohl doch ohne recht und ohne policey.

So recht du hast die kunst und was man nur muß wissen

Was wird vor ehre gut und reichthum auff dich fliessen!

Ub dich mein liebes kind in dieser wissenschafft

Ein gutes rechen-buch hat mehr als Plato krafft.

Erfahre dir das land das die gewerbe nehret

Wie viel dem könige durchs jahr vom saltz gehöret;

Verhärte geist und sinn sey barbar und Corsar

Meineidig ungerecht verwegen ohne wahr.

Sey ja der großmuth nicht als wie ein kind beflissen

Geh meste dich mein sohn mit armer leute bissen.

Berücke wo du kanst accise steuer schoß

Mach dich durch grausamkeit auff alle weise groß.

Du wirst alsbalde sehn wie Medici Poeten

Juristen Prediger Astronomi Propheten

Die helden runter thun und dich dafür erhöhn;

Dein titul wird voran in allen büchern stehn.

Sie werden selbsten dir latein und griechisch zeigen

Daß du in ihrer kunst den gipffel kanst ersteigen;

Der reich’ ist was er will in gröster tumheit klug

Und hat im leeren kopff doch wissenschafft genug

Er hat geschickligkeit erkänntniß künste lehre

Erfahrung hertze blut krafft adel ahnen ehre.

Die grossen lieben ihn die schönen sind ihm hold

Denn die den kerl gleich hast verehret doch sein gold.

Geld kan der heßligkeit die gröste schmincke machen

Was aber muß man nicht der armen klugheit lachen?

So lehrte seinem sohn ein geld erfahrner mann

Wie er auff leichter bahn zum reichthum kommen kan.

Und mancher findet sie der nicht mehr kunst getrieben

Als: fünff und vier macht neun und zwey davon bleibt sieben

Herr Doctor geh’ nun hin und schwitz in heilger schrifft

Zeig was sich vor gefahr in diesem meere trifft.

Durchbrich so viel du kanst der bibel heilges schrecken

Laß Luthern und Calvin in einen mischmasch stecken

Entscheide noch itzund der alten zanck und streit

Erklär das jüdenthum gelehrte dunckelheit.

Im alter laß diß werck in schwartzes leder binden

Schreibs einem knicker zu so reich du ihn kanst finden

Der lobt die gute that der hält sich ritterlich

Und zahlt dir deine müh mit: Ich bedancke mich.

Will nun dein geist statt des nach beßrer ehre sehen

So laß catheder buch und hohe schule stehen

Nimm ein gewerbe vor setz dich auff bessern fuß

Halt eine wechsel-banck sey ein Notarius.

Glaub mit mir laß den streit laß Scot und Thomas sprechen

Daß auch den doctor selbst die grösten narren stechen.

Ein doctor fängstu an poete redt von euch

Hält eure Musen ein der war zu grob der streich.

Doch eh die zeit vergeht nicht länger schertz zu führen

Sagst ist der mensch nicht klug? daß wir den zweck berühren;

Ist nicht vernunfft sein licht sein stern wornach er fährt

Ja: doch was halff sie ihm und wenn sie ihm auch lehrt.

Wenn er den winden traut sich drauff zu schiffe setzet

An iede klippe stöst und sich daran verletzet.

Was hilfft es jenem dort wenn sie ihm pflegt zu schreyn

Schreib nicht mehr: laß dich doch von deiner wuth befreyn.

Da der vergebne rath ihn nur dahin kan treiben

Daß er mit größrer wuth muß lauter reime schreiben.

Wenn er die mißgeburt mit plerren her erzehlt

Geht freund und nachbar durch damit er sie nicht qvält.

Denn so der arge geist ihn so zu treiben pfleget

Wird alles auch die magd zu schneller flucht beweget;

Dem esel wenigstens hat die natur gelehrt

Daß er diß was er soll ohn allen streit gewehrt.

Er pflegt den düstern hals auch nicht zum thon zu zwingen

Und mit der vögel chor dort um den krantz zu singen.

Es treibt ihn kein verstand und weiß doch seine bahn

Der mensch nur der voll licht sicht nichts mit klugheit an;

Er thut mir was er will auch nicht bey rechten zeiten

Und alles was er thut sind schwach- und dunckelheiten.

Es ist ihm alles recht und alles ein verdruß

Und weiß nicht wenn man lust und trauren hegen muß.

Er lebt in tag hinein liebt hasset heilt verletzet

Mehrt mindert sucht flieht zehrt verwaltet und ergetzet

Find man bey löw und bär wie sichs bey ihm verhält

Daß sie der schwarm betrübt den sie sich vorgestellt;

Daß sie bey dutzenden vor schwächrer zahl erschrecken

Des rabens stein und fluch ihm könne furcht erwecken.

Wenn hat wohl ie der mensch ein thier so närrsch erblickt?

Wenn hats ihn angebett und sich vor ihn gebückt

Als wie vor einen Gott der wind und jahres-zeiten

Daß er ihm sonnenschein und regen soll bereiten?

Nein! aber hundert mahl sieht es den klugen thorn

Vor seiner arbeit knien die er zum Gott erkohrn;

Wie sich in Malabar die menschen voller schrecken

Vor eines affen bild und seinen altar strecken:

Und wenn ums Nilus strand das volck recht beten will

Es glut und weyrauch nimmt und ehrt das Crocodill.

Wie sagst du so verhast mit crocodill und affen

Was kan Egyptens Gott allhier vor nutzen schaffen?

Beweist dein eitler schluß daß jenes menschen kind

Ja gar der doctor selbst noch unter eseln sind?

Ein esel! der ein spiel von allen was sich reget

Das allertummste vieh das tausend spott erträget

Und dessen name nur die gröste schmäh-schrifft bringt

Ja ja! was hat er denn das dich zu lachen zwingt?

Wir spotten über ihn ach könt er einmahl lallen

Wie ihm doch unser thun mein doctor mag gefallen

Wenn ihm des himmels-schluß den menschen zu erbaun

Vernünfftger worte brauch nur wolte anvertraun;

Daß er zu sagen wüst das was er itzt muß dencken

Mein doctor in vertraun wie solt er uns nicht kräncken.

Wie schleust er doch bey sich indem er in der stadt

Auff den gedrangen marck den sack zu tragen hat.

Und sieht den menschen da mit einem schlechten kleide

Grün gelbe jämmerlich vergüldt in sammt und seide;

Was denckt er? wenn er sieht daß dort ein Rabulist

Mit mantel und pappier wie er beladen ist.

Wenn der Pedanten zunfft vor einen sammten kragen

Dem der Pedell verfolgt den hut in händen tragen.

Wenn er gerichte sieht daß man mit grosser pracht

Dem auffgezognen dieb ein lüfftig ende macht.

Dafern er ungefehr auffs rath-hauß solte kommen

Und hätte da den schwall den zanck und streit vernommen

Wie einer dort versetzt der andre appellirt

Der dritte klagbar wird der vierdte protestirt.

Wenn er das volck betracht der advocatens menge

Den richter frohn und knecht was denckt er im getränge?

Ach hätte noch diß thier wie zu Esopens zeit

Das glücklich unmensch ist annoch beredsamkeit.

Denn weil es überall die welt voll narren findet

So sagt es wohl gewiß da es kein neid entzündet

Und sich mit disteln labt bey auffgelegter müh

Fürwahr der mensch ist nur als wie ein tummes vieh.