Uber die thorheit der menschen aus dem frantzösischen des berühmten poeten Boile...
In aller thiere heer die in den lüfften schweben
In wasser wohnhafft sind und auff der erden leben
Von Japan biß nach Rom von Peru biß Pariß
Ist wohl das närrschte thier der mensch und das gewiß.
Was? sagest du hierauff ein kriechend ungezieffer
Ein rind das wiederkäut und was noch etwa tieffer
Ein wurm der kaum halb lebt der bunt gemachte specht
Sind die von besserm geist als nicht der mensch? gantz recht.
Die rede wundert dich herr doctor und nicht wenig;
Der mensch ist der natur erkohrnes haupt und könig
Feld wiesen holtz und thier sind nur vor ihn gemacht
Und er allein sprichst du ist zur vernunfft gebracht.
Ja wohl der weißheit sitz muß stets bey ihm beharren
Doch davor halt ich ihn auch vor den grösten narren.
Der vortrag dienet schon sagst du zur sticheley
Auff daß der gerne lacht damit belustigt sey;
Allein beweiß es auch wie sichs gebührt zu dienen
Drum setz dich auff die banck ich bin vor dir erschienen
Lehr mich was klugheit sey der seelen gleiche krafft
Die kein verhängniß schwächt da keine neigung hafft.
Sie fust in ihren schluß mit viel gepaßtern schritten
Als kaum ein rathhaus-bret vom doctor hat erlitten.
Nach dieser gleichen krafft von der man klugheit bricht
Hat iemand als der mensch sich schlechter eingericht?
Die ameiß höre doch! pflegt alle jahr zu lauffen
Und bringt der Ceres schatz in magazin zu hauffen;
Wenn denn der scharffe nord die kälte wiederbringt
Und mit der nebel-netz die fröligkeit bezwingt
Steckt dieses kluge thier in seinen dunckeln wesen
Und zehrt des winters auff was sommers eingelesen.
Gantz recht der mensch allein ist zum verstand erkohren
Doch darum halt ich ihn auch für den grösten thoren.
Man siehet es auch nicht aus unbeständigkeit
Im sommer etwa faul voll fleiß zur winters-zeit
Noch in der weissen flur dem harten jenner pochen
Und wenn der widder kömmt verscharret und verkrochen.
Allein der mensch hält nicht in seinem närrschen lauff
Er hüpfft ohn unterlaß bald nunter bald herauff.
Sein hertz führt tausend angst und kan sich nicht entscheiden
Indem es auch nicht weiß was suchen sey was meiden;
Das was er heute scheut wünscht er den andern tag.
Ich solte diese freyn der ich nicht hörner mag;
Ich solte voll bestand den grösten schimpff nicht achten
Bey Bussys heiligen mir einen platz zu pachten
Gnug narren ausser mir sind in der leute mund;
So gabe sich nur nechst ein guter schlucker kund
Der vierzehn tage drauff doch in der schlingen hienge
Und in der guten schaar den ehren-tag begienge;
Wiewohl er gäntzlich meynt GOtt hab nur ihn bedacht
Und ihm ein treues weib aus seiner ribbe bracht.
So sieht ein menschen-kind er geht zum schwartz-vom weissen
Und was er früh gebaut will er des nachts zerreissen
Sich macht er überlast dem anderen verdruß
Und wechselt wie die tracht den vorgefaßten schluß.
Es dreht ihn halbe lufft er fällt nur von berühren
Bald heute will er schwerdt bald morgen kutt anführen;
Indessen wiegt er sich in eigner schmeicheley
Und stellt sich kräfftig vor was vor ein held er sey.
Wie er bey der natur als grund und pfeiler stehe
Das zehnde himmels-rath sich einig vor ihm drehe
Von allen was nur lebt meynt er ich bin der mann
Wer leugnets denn sagstu? Ich mein freund weil ich kan.
Hier untersuch ich nicht wie sich ein bär erweiset
Wie freundlich er uns thut wenn ihn der hunger reisset
Er trägt vor büttel knecht und keinen hencker scheu.
Raubt auch ein wolff so sehr als wie wir wilden leute?
Zieht er den wolff wohl ab und macht das fleisch zur beute?
Kein krieger denckt auff krieg auch in der grösten wuth
Und macht Hircanien zu einen taffel-gut.
Sieht man im holtze krieg von bären gegen bären?
Muß sich der geyer auch vor seines gleichen wehren?
Hört man aus Africa daß sich aus haß und groll
Ins löwens republic ein krieg entspinnen soll?
Daß löwe gegen löw ein freund auff seines gleichen
Auff des tyrannen wort sich so voll grimm erzeigen?
Das allergrimmste thier das die natur gebiert
Trägt vor dem andern scheu wenn es sein bildniß führt;
Läst bey ihm seine wuth und seine wildheit fahren
Und kan sich ohne zanck und streit mit ihm gebahren.
Ob schon der adler-heer von einem felde ist
Citirt er andre wohl auff eine sächsche frist?
Und wenn der fuchs dem huhn auch den proceß will machen
Wird wohl der andre fuchs ein advocat der sachen?
Wenn hat denn in der brunst das unvergnügte reh
Den schwachen hirsch verklagt daß er vor rechte steh?
Niemahl schliest hier daß recht den beyschlaff anzusagen
Und läst diß garst’ge wort in seinem urtheil tragen.
Sie fordert kein termin sie suppliciren nicht
Und kennen weder rath noch amt noch hoffgericht;
Sie leben unter sich in ruhigen vernehmen
Die einfalt ist ihr recht wovor sie sich nicht schämen.
Der mensch der mensch allein der nur nach narrheit fragt
Macht ehr und ruhm daraus daß er sich selber plagt;
Diß war noch nicht genug daß er aus höllschen triebe
Das lange eisen schliff und den salpeter riebe.
Nein daß doch ja sein thun der gantzen erde schadt
Schmiert er so lange drauff biß er Pandecten hat
Die überstrich er noch mit den erleuchten glossen
Und warff das reine recht in seine narrenpossen.
Er führte daß auch wir ja gut getroffen seyn
Der zungen-drescher heer in unsern ländern ein.
Ein wenig glimpfflicher sagst du was nützt das schmählen?
Die menschen irren zwar es kan ja wohl nicht fehlen
Und haben wir das meer bald sturm bald ebb und flut
Doch macht auch alles diß ein eintzge tugend gut.
Ist nicht ein mensch der mann der mit so kühnen wissen
In einem zirckel-kreyß den himmel hat gerissen
Der durch die weite kunst das was nur ist enthält
Der die natur erforscht von ihr das urtheil fällt.
Die universität gilt nicht bey denen thieren
Wo können sie mir wohl vier facultäten zieren?
Sind sie im recht gelehrt und in der medicin?
Legt man ihn scharlach an deßgleichen hermelin?
Nein nein! das hat wohl nie bey ihn ein artzt gestifftet
Und durch die tödtungs-kunst den gantzen wald vergifftet.
Nie hat sich unter ihn ein doctor heisch gemacht
Und einen läpschen schluß mit auff die banck gebracht.
Hier schweig ich ob der geist diß was er weiß auch wisse
Ja ob er gar nichts weiß es sind nur hindernisse.
Du rede nunmehr selbst ob itzge zeit vergönnt
Daß man nach tugenden rechtschaffne leute nennt?
Wilstu was grosses seyn ließ sich ein vater hören
Und gab dem glatten sohn nur nechst die schönen lehren:
Nimm mir den rechten ort laß alle bücher stehn
Wenn zwantzig einen giebt was macht zweyhundert zehn.
Wie in Numidien sich auch der löw entzieht
Und nicht entdeckt zu seyn nach mord und raube flieht
Das eingebildte haupt das ihm muß satzung lehren
Was muß er als ihr herr nicht selbst vor herren ehren.
Die ehrsucht lieb und geitz und was dem zorn gefällt
Ist seines geistes stock der ihn gefangen hält.
Kaum hat der schwere schlaff zu drücken angefangen
Steh auff spricht schon der geitz bistu noch nicht gegangen?
Ey laß mich doch. Steh auff! ein wenig bittest du
Der tag sperrt schon das thor dein laden ist noch zu;
Was hinderts? hebe dich. Wilt du der letzte bleiben
Das grosse Meer der welt zum ende durchzutreiben
Wo Japan porcellan und ambra zu uns schickt
Und Goa ingwer gräbt und pfeffer-körner pflickt.
Ich hab ja gut genug das kan ich schon entbehren
Man hat niemahl zu viel sich dessen zu gewehren
Spar man kein laster nicht kein meineyd halt uns ein
Man stehe hunger aus das bette sey ein stein
Wär unser schatz noch mehr als Galet auffgerieben
Soll man selbst diener seyn und keinen hausrath lieben.
Daß man den weitzen spaart schmeckt uns wohl haber-brod
Ein heller ist zu viel auch vor die todes-noth.
Was nutzt denn nun der geitz? Weist du noch nicht die fälle?
Der erbe labt sich ja zuletzt an deiner stelle;
Er legt die schätze an die dir nichts nutze sind
Und putzt die gassen aus mit seinem hausgesind.
Ey was! mach einmahl aus das schiff fängt an zu fliehen
Und ist das geld zu schwach den starcken held zu ziehen;
So setzt der ehrgeitz an mit seiner gantzen brut:
Und eh er sichs versieht gebraucht er volle wuth.
Läst sich ihm halb verruckt in tausend jammer dringen
Und auff des Cäsars pfand nach noth und ängsten zwingen:
Wenn er nun in dem sturm das ehren-bette drückt
So wird die närrsche that der zeitung eingeflickt.
Sacht an! spricht einer drauff; hier kanstu dich nur melden
Das was du laster nennst ist ja ein werck der helden:
War Alexander närrsch wie deine meynung spricht?
Der schwindelsüchtge mann der Asien vernicht?
Das unbesonne thier das stets im blute wühlte
Als herre von der welt sich doch zu enge fühlte
Er gieng voll raserey als erb-printz aus dem land;
Worinne man ihm schon wie klug er sey erkandt.
So lieff er thöricht fort und wolte göttern gleichen
Und konte wie ein dieb kaum glut nicht heerd erreichen;
Wohin er sich gekehrt hat er den krieg gebracht
Und fast die gantze welt mit narrheit voll gemacht.
O! wie wärs gut gewest daß es bey seinem leben
In Macedonien doch hätt ein toll-hauß geben
Wo ihn bey rechter zeit ein vormund eingesperrt
Und auff der freunde wort das wilde thier gekerrt.
Damit wir aber nicht hiedurch vom zwecke gehen
Noch ieder neigung art wie Senaut thut besehen
Und schliessen dieses werck in classen oder titl
In versen predigen und reimen durch capitl.
So laß mir Cöffeteau und Schambre davon hören
Ich will den schönsten ort an unsern menschen lehren:
Er lebt nur saget man in einer festen stadt
Und zeigt was er vor thun und guten sitten hat.
Er setzt sich könige und kan sich fürsten geben
Pflegt nach der policey und nach dem recht zu leben;
Ja wohl doch ohne recht und ohne policey.
So recht du hast die kunst und was man nur muß wissen
Was wird vor ehre gut und reichthum auff dich fliessen!
Ub dich mein liebes kind in dieser wissenschafft
Ein gutes rechen-buch hat mehr als Plato krafft.
Erfahre dir das land das die gewerbe nehret
Wie viel dem könige durchs jahr vom saltz gehöret;
Verhärte geist und sinn sey barbar und Corsar
Meineidig ungerecht verwegen ohne wahr.
Sey ja der großmuth nicht als wie ein kind beflissen
Geh meste dich mein sohn mit armer leute bissen.
Berücke wo du kanst accise steuer schoß
Mach dich durch grausamkeit auff alle weise groß.
Du wirst alsbalde sehn wie Medici Poeten
Juristen Prediger Astronomi Propheten
Die helden runter thun und dich dafür erhöhn;
Dein titul wird voran in allen büchern stehn.
Sie werden selbsten dir latein und griechisch zeigen
Daß du in ihrer kunst den gipffel kanst ersteigen;
Der reich’ ist was er will in gröster tumheit klug
Und hat im leeren kopff doch wissenschafft genug
Er hat geschickligkeit erkänntniß künste lehre
Erfahrung hertze blut krafft adel ahnen ehre.
Die grossen lieben ihn die schönen sind ihm hold
Denn die den kerl gleich hast verehret doch sein gold.
Geld kan der heßligkeit die gröste schmincke machen
Was aber muß man nicht der armen klugheit lachen?
So lehrte seinem sohn ein geld erfahrner mann
Wie er auff leichter bahn zum reichthum kommen kan.
Und mancher findet sie der nicht mehr kunst getrieben
Als: fünff und vier macht neun und zwey davon bleibt sieben
Herr Doctor geh’ nun hin und schwitz in heilger schrifft
Zeig was sich vor gefahr in diesem meere trifft.
Durchbrich so viel du kanst der bibel heilges schrecken
Laß Luthern und Calvin in einen mischmasch stecken
Entscheide noch itzund der alten zanck und streit
Erklär das jüdenthum gelehrte dunckelheit.
Im alter laß diß werck in schwartzes leder binden
Schreibs einem knicker zu so reich du ihn kanst finden
Der lobt die gute that der hält sich ritterlich
Und zahlt dir deine müh mit: Ich bedancke mich.
Will nun dein geist statt des nach beßrer ehre sehen
So laß catheder buch und hohe schule stehen
Nimm ein gewerbe vor setz dich auff bessern fuß
Halt eine wechsel-banck sey ein Notarius.
Glaub mit mir laß den streit laß Scot und Thomas sprechen
Daß auch den doctor selbst die grösten narren stechen.
Ein doctor fängstu an poete redt von euch
Hält eure Musen ein der war zu grob der streich.
Doch eh die zeit vergeht nicht länger schertz zu führen
Sagst ist der mensch nicht klug? daß wir den zweck berühren;
Ist nicht vernunfft sein licht sein stern wornach er fährt
Ja: doch was halff sie ihm und wenn sie ihm auch lehrt.
Wenn er den winden traut sich drauff zu schiffe setzet
An iede klippe stöst und sich daran verletzet.
Was hilfft es jenem dort wenn sie ihm pflegt zu schreyn
Schreib nicht mehr: laß dich doch von deiner wuth befreyn.
Da der vergebne rath ihn nur dahin kan treiben
Daß er mit größrer wuth muß lauter reime schreiben.
Wenn er die mißgeburt mit plerren her erzehlt
Geht freund und nachbar durch damit er sie nicht qvält.
Denn so der arge geist ihn so zu treiben pfleget
Wird alles auch die magd zu schneller flucht beweget;
Dem esel wenigstens hat die natur gelehrt
Daß er diß was er soll ohn allen streit gewehrt.
Er pflegt den düstern hals auch nicht zum thon zu zwingen
Und mit der vögel chor dort um den krantz zu singen.
Es treibt ihn kein verstand und weiß doch seine bahn
Der mensch nur der voll licht sicht nichts mit klugheit an;
Er thut mir was er will auch nicht bey rechten zeiten
Und alles was er thut sind schwach- und dunckelheiten.
Es ist ihm alles recht und alles ein verdruß
Und weiß nicht wenn man lust und trauren hegen muß.
Er lebt in tag hinein liebt hasset heilt verletzet
Mehrt mindert sucht flieht zehrt verwaltet und ergetzet
Find man bey löw und bär wie sichs bey ihm verhält
Daß sie der schwarm betrübt den sie sich vorgestellt;
Daß sie bey dutzenden vor schwächrer zahl erschrecken
Des rabens stein und fluch ihm könne furcht erwecken.
Wenn hat wohl ie der mensch ein thier so närrsch erblickt?
Wenn hats ihn angebett und sich vor ihn gebückt
Als wie vor einen Gott der wind und jahres-zeiten
Daß er ihm sonnenschein und regen soll bereiten?
Nein! aber hundert mahl sieht es den klugen thorn
Vor seiner arbeit knien die er zum Gott erkohrn;
Wie sich in Malabar die menschen voller schrecken
Vor eines affen bild und seinen altar strecken:
Und wenn ums Nilus strand das volck recht beten will
Es glut und weyrauch nimmt und ehrt das Crocodill.
Wie sagst du so verhast mit crocodill und affen
Was kan Egyptens Gott allhier vor nutzen schaffen?
Beweist dein eitler schluß daß jenes menschen kind
Ja gar der doctor selbst noch unter eseln sind?
Ein esel! der ein spiel von allen was sich reget
Das allertummste vieh das tausend spott erträget
Und dessen name nur die gröste schmäh-schrifft bringt
Ja ja! was hat er denn das dich zu lachen zwingt?
Wir spotten über ihn ach könt er einmahl lallen
Wie ihm doch unser thun mein doctor mag gefallen
Wenn ihm des himmels-schluß den menschen zu erbaun
Vernünfftger worte brauch nur wolte anvertraun;
Daß er zu sagen wüst das was er itzt muß dencken
Mein doctor in vertraun wie solt er uns nicht kräncken.
Wie schleust er doch bey sich indem er in der stadt
Auff den gedrangen marck den sack zu tragen hat.
Und sieht den menschen da mit einem schlechten kleide
Grün gelbe jämmerlich vergüldt in sammt und seide;
Was denckt er? wenn er sieht daß dort ein Rabulist
Mit mantel und pappier wie er beladen ist.
Wenn der Pedanten zunfft vor einen sammten kragen
Dem der Pedell verfolgt den hut in händen tragen.
Wenn er gerichte sieht daß man mit grosser pracht
Dem auffgezognen dieb ein lüfftig ende macht.
Dafern er ungefehr auffs rath-hauß solte kommen
Und hätte da den schwall den zanck und streit vernommen
Wie einer dort versetzt der andre appellirt
Der dritte klagbar wird der vierdte protestirt.
Wenn er das volck betracht der advocatens menge
Den richter frohn und knecht was denckt er im getränge?
Ach hätte noch diß thier wie zu Esopens zeit
Das glücklich unmensch ist annoch beredsamkeit.
Denn weil es überall die welt voll narren findet
So sagt es wohl gewiß da es kein neid entzündet
Und sich mit disteln labt bey auffgelegter müh
Fürwahr der mensch ist nur als wie ein tummes vieh.