Uber die Thorheit der menschlichen Begierden

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Der Geist hat in des Leibes Banden

Gewalt und Unrecht ausgestanden

So lang er auf der Welt in solchen Kercker lebt.

Bald soll er zu des Fleisches Lüsten

Bald vor des Geitzes weite Küsten

Und bald bemühet seyn wenn man nach Ehren strebt.

Was ists wenn Wollust aufgedecket

Wenn Süßigkeit letzt sauer schmecket?

Wenn man die Seele zwingt in uns berauscht zu seyn?

Mensch glaubst du gleich kein Auferstehen

So macht dein immer müßig gehen

Dir durch ein giftig Blut schon hier die Höllen Pein.

Der Geist so rein sein hohes Wesen

Muß manchem Gold aus Kothe lesen.

Man stopft ihm wenn er schmält das Maul mit Klumpen zu.

Es heißt hilf mir zusammen scharren.

So müß-vergnüget wehlen Narren

Zum Hunger Uberfluß und Sorgen zu der Ruh.

Die Ehrsucht hecket tausend Grillen.

Der Wahn muß so die Welt erfüllen

Als ob nicht jeder Geist gut nach dem Uhrsprung sey.

Wenn einer nur was neues lehret

Es sey auch gottloß und verkehret

So ist es Weltberühmt und macht vom Sterben frey.

O Thor was Salomon geschrieben

Ist auch nicht ungetadelt blieben.

Wird nicht der Griechen-Heer in Gräbern noch geschimpft?

Viel schlechter bleibt man dem gewogen

Worüber du die Stirn gezogen

Und nach der Stoer Art dein Maul so oft gerümpft.

Heut machstu dir noch viele Sorgen

Die Phantasie verschwindet morgen

Wenn dich die Eitelkeit in ihr Register trägt.

Denn bauen Wollust Geitz und Ehre

Im Sterben andern diese Lehre:

So wird der Menschen Wahn erschrecklich wiederlegt.