Uber die verschertzte Freyheit.

By Heinrich Mühlpfort

Ach unerträglich Joch

An dem ich Armer noch

Mein Leben muß verschliessen!

Wenn werd ich doch entrissen

Der strengen Dieustbarkeit

Die mir kürtzt meine Zeit!

Ist denn ein freyer Muth

Dienstschuldig was er thut?

Muß denn mein Willen eben

Nach eurem Wollen leben?

Bald sagen Ja bald Nein

Das geht mir bitter ein.

Was thut nicht das Gelück

Und seine böse Tück?

Da ich jetzt solte siegen

Muß ich zu Hofe ligen

Und was mich mehr geht an.

Selbst seyn ein Unterthan.

Hilff Himmel! Ist es recht?

Dein Sohn wird jetzt ein Knecht

Läst sich in Schrancken treiben

Und ihm Befehl fürschreiben

Thut was ein feyger Muth

Sonst aus Verzweifflung thut.

Erzörnte Himmels-Rach

Laß doch nur einmahl nach

Auff meinen Kopff zu blitzen.

Wo du mich nicht willst schützen

So kan ich nicht bestehn

Und muß zu Grunde gehn.

Dem vor die Welt zu klein

Geht jetzt Gehorsam ein

Der auff die Freyheit trutzte

In ihrem Purpur stutzte

Trägt nun O Jammer-Stand

Der Fessel schweres Band.

Gefangen bin ich nicht

Und gleichwohl doch verpflicht

So bald der Tag erschienen

Muß ich zu Gnaden dienen

Und tret auf schlüpffrig Eiß

Das ich gebrechlich weiß.

Was ich zuvor lacht aus

Das kommt mir jetzt zu Hauß.

Vor kont’ ich Herrschafft üben

Nun muß ich mich betrüben

Daß ich nach frembdem Sinn

Fast ein Leibeigner bin.

Welt Ehre Ruhm und Pracht

Euch sag ich gute Nacht.

Dich Dich such ich durch Lieder

Komm meine Freyheit wieder

Und mach mich doch nur frey

Von dieser Sclaverey.

Wie freudig wil ichs sehn

Wenn dieses wird geschehn

Daß mein versöhnt Gelücke

Mir abnimmt seine Stricke

Und läss’t mich in der Ruh

Mein Leben bringen zu.