Uber die von Sr. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg etc. geschützte nachtigallen
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Als unlängst Seladon der arme Seladon
Voll kummer angst und schmertz die abgekränckten glieder
Im grünen niederwarff und durch verwirrte lieder
Und seinen ehermahls beliebten flöten-thon
Da wo die hirsche sich an weiche linden strecken
Den halb-erstorbnen geist bemüht war auffzuwecken;
Als sag ich Seladon hier zwischen laub und graß
Gleichwie ein matter wurm auff frischen rosen saß
Und bald vom frieden sang bald von bekriegten staaten
Verfiel er endlich auch auff Friedrichs helden-thaten.
Das eingeworffne Bonn das wüste Käyserswerth
Die Ungarische schlacht den schutz der Niederlande
Belieff er alles zwar mit eyfrigem vestande;
Doch mauren sprach er hat schon Cäsar umgekehrt:
Nachdem er aber sich zur neuen brücke machte
Und an den purpur-glantz des neundten Chur-huts dachte
So rieff er: was man itzt beym kriege grosses schaut
Ist daß uns Friederich fried ehr und reich erbaut.
Drauff kam er auff den schutz der holden nachtigallen
Und ließ für freudigkeit die holen seuffzer fallen:
Ists möglich grosser held! daß dein bemühter geist
Da Deutschlands feinde dich an deinen grentzen kräncken
Doch noch an vögel kan an schlechte vögel dencken?
Daß da der stoltze hahn zwar alles reitzt und beist
Die kinder aber selbst für hunger läst verderben
Dein adler fremden auch kan ruh und schutz erwerben?
Beglückte nachtigall! Hier stutzte Seladon:
Die lippen wurden eiß die wangen blasser thon;
Die reime wurffen sich im munde hin und wieder
Und kehrten sich zuletzt in diese trauer-lieder.
Beglückte nachtigall: Wo bist du hin gestiegen?
Du ziehst nun ohne scheu in Friedrichs gärten ein;
Ich ärmster aber muß auff koth und asche liegen
Da wir in allem doch einander ähnlich seyn.
Denn hast du gleich Athen dein erstes blut zu dancken:
Hat dich ein könig gleich auff diese welt erzeugt;
So weist du dennoch wohl auch sonder alles zancken
Daß der Poeten stamm vom Phöbus selber steigt.
Du wurdest wie ein schaf vom wolffe fortgerissen;
Als dich der Thracier in seine klauen nahm:
Ich ward als wie ein schiff auff trüber see verschmissen
Und wuste dennoch nicht woher die welle kam.
Dir lähmte man mit stahl die gänge deiner zungen
Und hielt durch diesen schnitt auch deine klagen ein
Mein schmertz ist niemahls recht aus meiner brust gedrungen;
So gar verschwiegen heist mich das verhängniß seyn.
Du wurdest endlich gar in fremde lufft getrieben
Nahmst einen feder-leib für frauen-kleider an
Und hast nichts was dir noch von menschheit übrig blieben
Als daß dein süsser mund die menschen trösten kan.
Ach! wo hat mich die noth nicht endlich hingejaget?
Was hab ich ärmster noch von kräfften witz und sinn
Als daß ich wann der gram mein kranckes hertze plaget
Zuweilen andern noch mit reimen dienstbar bin?
Und also gleichen wir uns an geburt und leben:
Wie sind wir aber nicht einander sonst verwandt?
Das singen wird dir gleich von der natur gegeben:
Poeten ist der reim von jugend auff bekandt.
Doch beyde müssen sich an guten meistern üben;
Drum hörest du den thon der klugen mutter an:
Ein dichter aber forscht was Opitz hat geschrieben
Und was die vorder-welt in seiner kunst gethan.
Du liebst die einsamkeit in den belaubten püschen
Und singest lieblicher wann iederman dich hört:
Poeten suchen sich im grünen zu erfrischen
Und sterben wo die welt nicht ihre lieder ehrt.
Du brennest voller ruhm und mischest dich im singen
Mit deines gleichen offt in einen wettstreit ein:
Wir dencken ieder uns auff den Parnaß zu schwingen
Und keiner will nunmehr im dichten letzter seyn.
Doch wenn der sonne glut den himmel angezündet
So giebt dein lust-gesang der erden gute nacht:
So wann sich erst bey uns der sorgen hitze findet
Wird keine zeile mehr rechtschaffen angebracht.
Denn bey dem wasser schreibt man selten gute reimen
Der geist nimmt wie der leib bey qual und armuth ab:
Und wo die sinnen nichts als labyrinthe träumen
Fällt auch die Poesie leicht an den bettelstab.
So artig wie du singst so groß ist deine tugend
Du bleibest gerne da wo man dir guts gethan:
Du kennst im alter noch den pfleger deiner jugend
Und stimmest ihm allein zu ehren lieder an.
Ach! was beseuffzet doch mein brennendes verlangen
Als da mein Friederich mir seinen schutz entzeucht?
Der milde Friederich der da ich ausgegangen
Auff hohen schulen mir das erste brod gereicht.
Zwar eines hast du noch: dein mund gefället allen
Und wir gebähren offt mit singen nur verdruß:
Doch unsre stimme wird auch auff die nachwelt schallen
Da deine mit der zeit wie du vergehen muß.
So gar genau hat uns natur und kunst verbunden.
Wie kommts nun daß mich nicht auch dein gelücke trifft?
Daß da du deinen sitz in Friedrichs auen funden
Mein fauler hoffnungs-kahn auff schwerem sande schifft?
Daß dich ein grosser fürst aus seinem garten speiset
Und mein verhängniß mich in dürre wüsten treibt:
Dein mund den Brennus-Stamm die zunge götter preiset;
Mein spiel-werck aber nur für arme schäfer bleibt.
O tochter Pandions! O süsse Philomele!
Erbarme wo du kanst dich meiner traurigkeit
Und wirff nur einen blick auff meine dornen-höle
Wann dein gelücke dich mit rosen überstreut.
Ich ärgere mich nicht an deinen guten tagen;
Ich gönne gerne dir des hofes sonnen-schein:
Es mag dich Friederich auff seinen händen tragen
Dein trincken nectar-safft die speise zucker seyn:
Dann du hast alles diß auff erden wohl verdienet
Und wir erkennen es für einen himmels-schluß
Daß weil dich Mavors kind zu tödten sich erkühnet
Ein neuer Marsen-sohn dich wieder schützen muß.
Bitt aber schönste nur für mein betrübtes leben
Und trag bey rechter zeit mich deinem Churfürst an:
Vielleicht will Gottes hand durch einen vogel geben
Was weder witz noch kunst durch müh erhalten kan.
Du darffst nicht allererst nach meinem kummer fragen:
Doch frage wo du wilst nur bäume gras und stein:
Die alle werden dir die alle werden sagen
Daß meine seuffzer nichts als ehr und tugend seyn:
Und daß ich darum mich in heissen thränen bade;
Weil meine Poesie mit schimpffe betteln geht
Und iede wissenschafft in Friederichs genade
Sie aber noch allein in keinen diensten steht.
Mein flehen ist gerecht: ach aber auch vergebens!
Dann dein beglückter stand kennt meine seuffzer nicht:
Und der erinnert sich gar selten fremdes lebens
Der täglich so wie du bey hofe blumen bricht.
So klagte Seladon und legte mit verdruß
Die flöte die er trug bey einer fichte nieder.
Was nutzen sprach er drauff mir meine helden-lieder
Wann ich wie grillen nur im winckel singen muß?
Ihr Musen gute nacht nehmt was ihr mir verliehen
Und last mich in den wald zu wilden bären ziehen;
Denn Phöbus spielt in mir gantz unveränderlich
Und was ich denck und schreib ist lauter Friederich:
Drum will ich lieber gar im kalten Zembla sterben
Als meine feder nicht in seinem purpur färben.