Uber die Worte der Schöpffung:Im Anfang schuff Gott Himmel und Erden
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
O Anfang sonder Ort o Anfang sonder Ende
Wo warestu eh Welt und Menschen fiengen an?
Eh man bereitet sah des blauen Himmels Wände
Eh noch bewohnet war der Erde Kugel-Plan?
Ein Archimedes will den gantzen Bau verrücken
Weiß aber ausser ihm zu finden keinen Stand:
Wo läst sich denn ein Raum vor deine Grösse blicken
Eh sich die gantze Welt noch ungebildet fand?
Ich schwör es Fleiß und Witz kan deinen Sitz nicht finden
Das unerschaffne Schloß der Sternen schloß dich nicht
In seine Mauren ein die du noch soltest gründen
Die Erde trug dich nicht die noch unzugericht:
Und dennoch warestu o dreyvereintes Wesen
O Schöpffer aller Welt Gott Vater Sohn und Geist
Wie wir davon Bericht in deinem Worte lesen
Und deiner Hände Werck uns dessen überweist.
Seh ich den Himmel an so muß ich dich erkennen
Und glauben daß ein Gott sein Meister müsse seyn.
Wie könten Sonn und Mond aus eignen Kräfften brennen
Wenn nicht ein hellers Licht entzündet ihren Schein.
Die Sternen löschten aus ihr Feuer müst erkalten
Wenn sie der Höchste nicht zum Leuchten auserwählt.
Wie könte sich die Erd in freyer Lufft erhalten
Dafern sie nicht die Hand des Schöpffers angepfählt?
Wer heisset Finsternis und Licht die Tag' entscheiden
Das ungeheure Meer in seinen Gräntzen stehn?
Gewächse mancher Art die Felder überkleiden
Die Lufft befiedert Land und See voll Thiere gehn?
Wer hat dem Menschen Geist und Odem eingegossen
Die Sinnen in das Haubt die Sprach in Mund gelegt?
Von wem ist Fruchtbarkeit und Segen hergeflossen
Daß die verallte Welt sich nimmer müde trägt?
Es muß doch etwas seyn von dem diß alles kommen
Das alle dem sein Ziel und Ordnung hat bestimmt
Das eh als alles diß den Anfang hat genommen
Und welches folgbarlich von nichts den Anfang nimmt.
Was aber dieses sey und wo es sey zu wissen
Ist keinem welcher noch die Erde baut erlaubt
Wohl dem wer die Vernunfft legt zu des Glaubens Füssen
Zwar wenig weiß doch viel nach Gottes Worte glaubt.
Ich glaube grosser Gott und ehre dich mit Schweigen
Mein Suchen suchet ihm in deinem Worte Ruh
Ich lasse mir den Weg zu dir darinnen zeigen
Und frage nun nicht mehr wie vor wo warest du?
Verzeihe wo sich hier mein Vorwitz hat vergangen
Und nachgeforscht von dir was unergründlich ist.
Du wohntest in dir selbst an keinem Ort gefangen
Da wo du heute noch und immer wohnend bist.
Wo ewig um dich her die reinen Geister schweben
Wo deinen Ruhm besingt der frohen Väter Schaar
Wo ich nach dieser Zeit werd ohne Sterben leben
Und ungefragt verstehn was hier zu dunkel war.
O Anfang sonder Ort der alles angefangen
O Anfang welcher nichts von keinem Ende weiß
Gieb daß ich dessen bald den Anfang mög erlangen
So singet dir mein Mund ohn Ende Lob und Preiß.