Uber die Worte:Ich armer Mensch/ wer will mich erlösen von dem Leibe dieses Tode...
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Wer macht mich armen Kloß der Erde
Vom Leibe dieses Todes frey?
Wenn kömmt die göldne Zeit herbey
Daß ich erlöst und ruhig werde
Daß Sünde Noth und Kümmernisse
Sich legen unter meine Füsse?
Wie matt ist meine krancke Seele
Der Sünden-Aussatz greifft sie an
Daß sie sich nicht erholen kan;
Ihr dräut die finstre Schlangen-Höle
Die ewig heissen Schweiß erwecket
Und dennoch nicht das Gifft ablecket.
Nichts wird an ihr gesund erfunden
Voll Schmertzen ist der sieche Geist
Der Thorheits-Wunden Eiter beist
Die nicht gehefftet noch verbunden
Von Füssen an biß zu der Scheitel
Ist sie bekränckt verderbt und eitel.
Will sie sich manchmal gleich gewinnen
Aus Delilens verdammter Schoß
Mit Simsons-Kräfften machen loß
Bald wird sie ihrer Schwachheit innen
Giebt wieder nach und fällt zurücke
In neue Sünd- und Kummer-Stricke.
Das Wollen hat sie offt zu leben
Wie Gottes Wort und Ordnung heist
Wenn sie sich aber drauff befleist
Will ihr Vermögen widerstreben
Die ungewissen Tritte wancken
Es bleibt am meisten bey Gedancken.
Wie kan nun des Gesetzes Dräuen
Der eignen Thaten böser Grund
Der allzu ungewisse Bund
Der Sinnen die sich selbst zerstreuen
Nicht steten Kummer Streit und Schrecken
In meiner armen Seel erwecken?
Der Knecht des Todes und der Sünden
Der Leib in dem die Seele wohnt
Wird eben so wie sie belohnt
Und hat mit Wehthat zu empfinden
Wie Wollust schöne Früchte weiset
Und doch nur Sodoms-Aepffel speiset.
Das Haubt das öffters hat gesonnen
Auff Ehre Lust und Gutt der Welt
Verspürt wie sein Bedacht verfällt
Die Kräffte nach und nach zerronnen
Wie Dunst und Schwindel im Gehirne
Mit Schweiß und Schmertz erfüllt die Stirne.
Die Augen schienen als Carfunckel
Izt mindert sich ihr Glantz und Schein
Sie werden trüb und fallen ein
Ihr Licht wird unvermercklich dunckel
Den blaß- und abgezehrten Wangen
Ist Fleisch und Farbe meist entgangen.
Am Gaumen klebt die dürre Zunge
Die man nach Labung lechzen schaut
Vor Hitze reist der Lippen Haut
Ein stilles Feuer dörrt die Lunge
Der Magen will sich kaum bequemen
Die weichen Speisen anzunehmen.
Es züchtigen mich meine Nieren
Die trockne Leber zeigt sich schwach
Der bange Miltz wird reg' und wach
Bald läst sich sonst ein Zufall spüren
Es sincken die entmarckten Glieder
Im besten Gehn entkräfftet nieder.
Ruht gleich der Geist schläfft das Gewissen
Doch ist das Hertze nicht vergnügt
Es wird Gemütt und Sinn bekriegt
Von Sorge Kummer und Verdrüssen
So müssen wir mit stetem Quälen
Die kurtzen Lebens-Tage zählen.
Wer macht mich armen Kloß der Erde
Vom Leibe dieses Todes frey?
Wenn kömmt die göldne Zeit herbey
Daß ich erlöst und ruhig werde?
Daß Sünde Noth und Kümmernisse
Sich legen unter meine Füsse.
O Jesu Trost und Heyl der Erde
Befrey die Seele von der Schuld
Dem siechen Leibe gieb Geduld
Biß ich erlöst und ruhig werde
Biß Sünde Noth und Kümmernisse
Gehn völlig unter meine Füsse.