Uber die worte Sirachs: O todt wie bitter bistu! H. A. F. v. A.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wje bitter bistu herber todt

Wenn du uns das entziehst

Was uns auff dieser welt nechst GOtt

Am allerliebsten ist:

Wenn mit betrübten hertz-zerschneiden

Die treusten freunde von uns scheiden.

Wie bitter bistu blasser tod

Wenn du dich findest ein

Weil noch die frischen wangen roth

Und unverfallen seyn

Wenn wir weil keine kräffte fehlen

Noch wollen lange jahre zehlen.

Wie bitter bistu herber todt

Wenn du den thron umschmeist

Worauff ein stoltzer erden-gott

Zu prangen sich befleist

Wenn der für dir muß unten liegen

Der viel noch dachte zu besiegen.

Wie bitter bistu herber tod

Wenn den dein pfeil berührt

Der frey von kummer sorg und noth

Sein sichres leben führt

Der sich bey ehre gut und schätzen

Noch länger meinte zu ergetzen.

Wie bitter bistu herber todt

Wenn einer wird bezielt

Der von dem schweren sünden-koth

Sich überladen fühlt

Der seine rechnung so getrieben

Daß er zu tief in schulden blieben.

Wie bitter bistu herber todt

Wenn deine sand-uhr schreckt

Den vormahls seine seelen-noth

Vom schlaffe nie erweckt

Den sein gewissen selbst verklaget

Und in der höllen ängste jaget.

Wie leichte bistu stiller todt

Dem der verfolgt geprest

Und arm bey seinem thränen-brod

Viel seufftzer nach dir läst

Biß du ihn solcher angst enthebest

Sein elend neben ihn begräbest.

Wie leichte bistu sanffter todt

Wenn dich empfindt der leib

Dem stetes siechthum weh und noth

Sein bester zeit-vertreib

Wenn du die folter-gleichen schmertzen

Benimmst dem abgekränckten hertzen.

Wie süsse bist du seelger todt

So offt du wohl bereit

Die müde seele schickst zu GOtt

Aus allem kampff und streit

Den leib mit ruh in seine kammer

Führst zu verschlaffen leid und jammer!