Uber die worte Sirachs: O todt wie bitter bistu! H. A. F. v. A.
Wje bitter bistu herber todt
Wenn du uns das entziehst
Was uns auff dieser welt nechst GOtt
Am allerliebsten ist:
Wenn mit betrübten hertz-zerschneiden
Die treusten freunde von uns scheiden.
Wie bitter bistu blasser tod
Wenn du dich findest ein
Weil noch die frischen wangen roth
Und unverfallen seyn
Wenn wir weil keine kräffte fehlen
Noch wollen lange jahre zehlen.
Wie bitter bistu herber todt
Wenn du den thron umschmeist
Worauff ein stoltzer erden-gott
Zu prangen sich befleist
Wenn der für dir muß unten liegen
Der viel noch dachte zu besiegen.
Wie bitter bistu herber tod
Wenn den dein pfeil berührt
Der frey von kummer sorg und noth
Sein sichres leben führt
Der sich bey ehre gut und schätzen
Noch länger meinte zu ergetzen.
Wie bitter bistu herber todt
Wenn einer wird bezielt
Der von dem schweren sünden-koth
Sich überladen fühlt
Der seine rechnung so getrieben
Daß er zu tief in schulden blieben.
Wie bitter bistu herber todt
Wenn deine sand-uhr schreckt
Den vormahls seine seelen-noth
Vom schlaffe nie erweckt
Den sein gewissen selbst verklaget
Und in der höllen ängste jaget.
Wie leichte bistu stiller todt
Dem der verfolgt geprest
Und arm bey seinem thränen-brod
Viel seufftzer nach dir läst
Biß du ihn solcher angst enthebest
Sein elend neben ihn begräbest.
Wie leichte bistu sanffter todt
Wenn dich empfindt der leib
Dem stetes siechthum weh und noth
Sein bester zeit-vertreib
Wenn du die folter-gleichen schmertzen
Benimmst dem abgekränckten hertzen.
Wie süsse bist du seelger todt
So offt du wohl bereit
Die müde seele schickst zu GOtt
Aus allem kampff und streit
Den leib mit ruh in seine kammer
Führst zu verschlaffen leid und jammer!