Uber die Worte Syrachs:O Tod/ wie bitter bist du!
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Wie bitter bistu herber Tod
Wenn du uns das entziehst
Was uns auff dieser Welt nächst Gott
Am allerliebsten ist
Wenn mit betrübtem Hertzzerschneiden
Die treusten Freunde von uns scheiden!
Wie bitter bistu blasser Tod
Wenn du dich findest ein
Weil noch die frischen Wangen roth
Und unverfallen seyn
Wenn wir weil keine Kräffte fehlen
Noch wollen lange Jahre zehlen!
Wie bitter bist du herber Tod
Wenn du den Thron umschmeist
Worauff ein stoltzer Erden-Gott
Zu prangen sich befleist
Wenn der von dir muß unten liegen
Der viel noch dachte zu besiegen!
Wie bitter bistu herber Tod
Wenn den dein Pfeil berührt
Der frey von Kummer Sorg und Noth
Sein sichres Leben führt
Der sich bey Ehre Gutt und Schätzen
Noch lange meynte zu ergötzen!
Wie bitter bistu herber Tod
Wenn einer wird beziehlt
Der von dem schweren Sünden-Koth
Sich überladen fühlt
Der seine Rechnung so getrieben
Daß er zu tieff in Schulden blieben!
Wie bitter bist du herber Tod
Wenn deine Sand-Uhr schreckt
Den vormahls seine Seelen-Noth
Vom Schlaffe nie erweckt
Den sein Gewissen selbst verklaget
Und in der Höllen Aengste jaget!
Wie leichte bistu stiller Tod
Dem der verfolgt gepreßt
Und arm bey seinem Thränen-Brod
Viel Seuffzer nach dir läst
Biß du ihn solcher Angst enthebest
Sein Elend neben ihn begräbest!
Wie leichte bistu sanffter Tod
Wenn dich empfindt der Leib
Dem stetes Siechthum Weh und Noth
Sein bester Zeitvertreib
Wenn du die Foltergleichen Schmertzen
Benimmst den abgekränckten Hertzen!
Wie süsse bistu selger Tod
So offt du wohlbereit
Die müde Seele schickst zu Gott
Aus allem Kampff und Streit.
Den Leib mit Ruh' in seine Kammer
Führst zu verschlaffen Leid und Jammer!
HERR über Leben und den Tod
Der du den Tod gekost
Damit wir auch auff dein Gebot
Zum Sterben haben Lust
Gieb daß für mich in deinen Wunden
Auch werd im Tode Trost gefunden!