Uber die Worte:Träuffelt ihr Himmel von oben

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Himmel ob uns ausgespannt

Träuffelt auff das dürre Land!

Laß auff Zions matte Stadt

Und die ausgebrennten Auen

Die der Fluch gebraten hat

Jacobs edlen Segen thauen!

Schütte blaues Wolcken-Hauß

Deine reiche Tropffen aus

Regne die Gerechtigkeit

Die uns alle soll benetzen

Durch ihr reines Unschulds-Kleid

Unsern Koth und Fleck ersetzen!

Reiß die Himmels-Fest entzwey

Heyden-Trost und komm herbey

Laß in Saba deinen Stern

Auff den Bethlehmiter Häynen

Deiner Schaaren Glantz dem Kern

Gott-ergebner Schäffer scheinen.

Nun du kömmst Marien-Sohn

Gott von Gott: Ich höre schon

Wie der Weynacht-Engel singt:

Alles Volck soll freudig werden

Wie in hoher Lufft erklingt:

Gott die Ehre Fried auff Erden.

Mache dich zum Wette-Lauff

Seele mit den Hirten auff

Wo das grosse Wunder-Kind

Wird in harter Krippe funden

Und bey solcher Wiege sind

Ochs und Esel angebunden.

Binde die Vernunfft hier an

Welche nicht erreichen kan

Wie der Erde Niedrigkeit

Und die hohen Himmels-Höhen

Ewig seyn und in der Zeit

Mensch und Gott beysammen stehen.

Gläube was Gott längst verhieß

Und der Engel macht gewiß

Gläube daß diß Freuden-Kind

Dir auch sey zum Heyl gebohren

Und bey ihm das Leben findt

Was im Tode war verlohren.

Lege Tasch und Hirten-Stab

Deiner Eitelkeiten ab

Hier ist deiner Seelen Hirt

Und der rechte Fürst des Lebens;

Wer auff andern Trifften irrt

Sucht den Himmel nur vergebens.

Knihe mit erfreutem Sinn

Bey des Heylands Krippen hin

Schaue den beliebten Mund

Dessen freudigs Trost-Zusprechen

Deine Seele macht gesund

Wenn dir Hertz und Augen brechen.

Schau der Augen helles Paar

Welches eh die Sonne war

Schau der Wangen zartes Blutt

Und die Hand die alles träget:

Steinern bistu wo dein Mutt

Nicht hierüber sich beweget.

Dancke dem der also bloß

Lieget in Marien Schoß

Daß er deine Blösse deckt

Der für dich will Mangel leyden

Daß du von dem Tod erweckt

Solt genüssen seiner Freuden.

Flamme Jesu meinen Geist

Der sich so erstorben weist

Durch dein Liebes-Feuer an

Daß ich solche Lieb' erkenne

Und so viel die Schwachheit kan

Gegen dir mit Danck entbrenne.