Uber einen schönen Abriß des Herrn Christus/der sein Creutz umarmet hatte

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wein Jesus werde gar in meine Brust gemahlt!

O Glaube reiß Ihr ab so wie er hier getroffen.

Wie Er die Sünde trägt wie Er vor mich bezahlt:

In Jesu Wunden steht der gantze Himmel offen.

Er hat sein Creutz im Arm. O ungemeine Huld!

O Liebe die uns kan den bittern Tod versüssen!

Ach! Jesus Lieb' umarmt so fest der Menschen-Schuld

Als wär' es seine Lust am Creutze sterben müssen!

Er legt es an das Hertz und zeigt beweglich an

Wie lieb Er uns gehabt wie unser Heil und Leben

Ihm an den Hertzen liegt; wie es Ihm Weh gethan

Daß wir im schweren Zorn auf ewig solten schweben.

Er stehet nackend da. Die Unschuld braucht kein Kleid.

Die Demuth Christi büßt was unser Stoltz verdienet.

Daß uns die Sünde band war unserm Jesu leid

Er trug die Banden selbst daß unsre Freyheit grünet.

Den Schwamm hält seine Hand mit Eßig angefüllt.

Welch Labsal vor ein Hertz das mit dem Tode ringet!

Wie bitter ist sein Kelch woraus das Leben qvillt

Das uns sein Kelch nunmehr in seinem Blute bringet!

Der Rohr-Stab steht am Creutz. O schlag' an deine Brust!

Um deinetwegen wird dein Jesus wund geschlagen.

Man geisselt seinen Leib um unsre böse Lust

Wir sollen sein Verdienst er will die Schmertzen tragen.

O welch Erbarmen ists! bist du von Marmor-Stein

Bist du von Diamant sein Blut muß dich erweichen.

Schick einen Blick dahin wo Jesus Wunden seyn

Wo sich um deine Schuld die Unschuld läßet streichen.

Vieleicht so jammerts dich; es bricht dein Hertz entzwey

Die Wehmuht schließt es auf mit tausend Thränen-Güßen.

Er leidet ja um dich. Wer wolte diese Treu

Nicht voller Lieb und Schmertz mit naßen Augen Küßen.

O Seele thu es doch! Er hatte nichts gethan

Und gleichwohl zaget er um deiner Ubelthaten.

Ach eile zu dem Creutz schau Ihn mit Zähren an

Und höre was er wird der matten Seelen rahten:

Ich lege mein Verdienst spricht Jesus nun auf dich.

Gedenck an meine Huld du hattest viel verbrochen.

Doch deiner Sünden-Last erbarmt mein Vater sich

Und hat durch meinen Todt dich völlig loß gesprochen.

Geh hin ich liebte dich wie nie ein Mensch geliebt.

Erinnre dich daran mich wieder lieb zu haben.

Stirb allen Lastern ab die mich schon einst betrübt

Weck nicht die Sünden auf die ich vor dich begraben.

Weil du in meinen Tod getauffet worden bist

So lebe nun mit mir damit ich möge sehen

Daß auch dein alter Mensch mit mir gecreutzigt ist

Daß ich den neuen seh in meinem Wandel gehen.

Betrachte mich recht wohl beschaue meine Noth

Hier geb ich liebster Mensch was dich allzeit beglücket:

Es sey in Freud und Leid im Leben oder Todt

So habe Jesus Creutz in deine Brust gedrücket

Wie es die Liebe hält die Menschen Liebe heißt

Wie ich den Arm gestreckt der deiner sich erbarmet

Wie ich mein Creutz umfaßt das niemand von mir reißt

Du aber bist mein Creutz wie ich dich selbst umarmet.