Uber Gottes gnädige Vorsorge

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ach hoher Gott vor dem die Sternen gleich dem Staube

die Sonn' ein Senffkorn ist der Mond ein Körnlein Sand

der ganze Erden Ball ein Pflaumen auf der Hand.

verwunderns voll hierob ich mich schier ganz betaube.

Wann deine Haubtobacht' auf mich ein nichts ich glaube

ja! reich erfahrner spür' im Tausendschickungs-Stand:

so scheints auf mich allein sey all dein Fleiß gewandt.

nur dieses Wunders Art zu preißen mir erlaube.

Ich bin ein nichts aus nichts: durch deine Gnad so viel

daß deiner Güte Mäng' ich ein eintreffends Ziel.

der Menschen bößer Sinn möcht diß vor Hoffart achten.

Doch ists der Demutgrund Gott deine Werk betrachten.

Ich bin wie ich gesagt ein Nichts: mein Alles du.

hat (Wunder!) Allheit dann in Nichtes ihre Ruh?