Uber Teutschlands Edles F rauenzimmer.

By Christian Friedrich Hunold

Du Wunder-schönes Land und Kleinod gantzer Erden!

Wo die Glückseligkeit mit jeden Tag erwacht.

Du ird'sches Paradies wo Menschen Engel werden

Wo Adams süsse Kost uns zum Vergnügen lacht.

Du Himmel voller Glantz der angenehmsten Sonnen

Und deren Schönheits-Strahl in alle Länder dringt.

Du Meer in deren Schaum Saturnus Krafft geronnen

Worinnen Venus offt in einem Jahr entspringt.

Beglückter Teutschen Sitz! Du Sammel-Platz der Schönen!

Wo Himmel und Natur verschwendrisch worden ist.

Wo sich der Städte Pracht mit Myrthen kan bekrönen

Und wo ein Menschen Mund nur Götter Lippen küßt.

Des güldnen Apfels-Streit den Paris beygeleget

Und dessen Kostbarkeit der Venus zuerkand

Wird durch den Ehrgeitz noch bey deiner Zeit erreget

Und manches nennet sich vor dir das schönste Land.

Du Wunder-Theil der Welt! Paris tritt in die Schrancken

Die Venus Juno sich und Pallas sonst ersehn

Und wil sich üm den Preiß des Apffels mit dir zancken

Sein Frauenzimmer soll in ersten Paare gehn.

Nun Engelland wil gar mit lauter Engeln prahlen

Franckreich soll neben dir der Palmen Zinsman seyn.

Ach Teutschland könte dich ein Paris noch bestrahlen

Und stell'te die Vernunfft sich hier zum Richter ein!

So würde deine Pracht und seltne Schätzbarkeiten

Sein kluger Augen-Raht noch mehr als vor besehn

Und liese sich sein Blick auff andre Länder leiten

So würde Paris Mund auff diesen Spruch bestehn:

Franckreich ist zwar ein Land mit Klugheit angefüllet

Und in Galanterie des Frauenzimmers Welt.

Ja wo Geistreicher Schertz gemein wie Wasser quillet.

Wo witziger Verstand die hohe Schule hält.

Allein daß Schüler offt die besten Meister werden

Kan Teutschland sonder Ruhm mit Sachsen Zeuge seyn.

Man pflantzet erst geschickt die Liljen frembder Erden

Denn kömmt Natur und Kunst verwundrend überein.

Du schöne Linden-Stadt! (so würde Paris sagen.)

So bald mein Auge dich du Kleinod Meissens sieht

Seh' ich die Pallas auch auff ihren Sieges-Wagen

Die mich so wie Paris zu ihren Schätzen zieht.

Die Göttin kan allhier die klügsten Töchter zeigen

Wo Witz Verstand und List sehr schöne Proben weißt;

Durch die allein der Ruhm muß biß zum Sternen steigen

Daß die galantste Stadt anitzo Leipzig heist.

Ja Dreßden kan sich auch mit gleichen Lorbern krönen

Wo die Gefälligkeit sehr artge Leute macht.

Und Halle darff den Schmuck von keinen Frembden lehnen

Weil diese Seltenheit bey ihren Schönen lacht.

Das kleine Weissenfelß hat Klugheit groß geschätzet

Ob Einfalt gleich daselbst auch offt gemeistert wird

Des Gartens-Schönheit ist darüm nicht gar verletzet

Wenn sich das Unkraut gleich bey Rosen hat verirrt.

Noch andre Städte mehr und prächtigen Palläste

Hat Pallas Wunder-Hand mit Töchtern angebaut

Sie locket mich entzückt zu ihren Hochzeit-Feste

Und spricht: Die Klugheit macht die allerbeste Braut.

Doch (würde Paris mehr den edlen Sinn entdecken )

Weil Schönheit ein Magnet der meisten Hertzen ist:

Und sich ein jeder denckt das süsse Ziel zu stecken

Daß ihn auff Erden schon des Himmels Vorschmack küsst.

So kan sich Engeland zwar einen Spiegel gleichen

Der mir den Gegenstand stets wunderschöne weist

Wo Wangen-Purpur nicht geschminckte Farben streichen

Und wo Annehmlichkeit der Sinnen Meister heist.

Allein wie Sonnen-Glantz die Sternen übersteiget

So muß Britannien bey Teutschlands Strahlen stehn.

Denn ob die Venus dort ihr Ebenbild gezeiget

So lässt sie sich doch selbst auff Preussens Throne sehn.

Du Venus Wunderreich! Du Pallas Teutscher Erden!

Wo Juno sich den Thron von Gold und Perlen baut.

Soll dir des Apffels Preiß nicht zu erkennet werden

Da man dein Wesen gantz bey andern Stückwerck schaut?

Nimm hin Germanien! Was du vorlängst genommen

Und laß dein Eigenthum dir ein Geschencke seyn.

Der Apffel ist ja selbst auff deinen Baume kommen

Wer nun die Früchte pflantzt nimmt sie auch wieder ein.

So würde Pariß Schluß auf Weißheits-Grund bestehen

Und sein gerechter Spruch hing dieses Bitten an:

Soll mir du schönes Reich! durch deine Gunst geschehen

Was Venus ehmahls mir in Griechenland gethan:

So gib mir eine Frau nach deinen Wunder-Schätzen

Wo Schönheit einen Geist wie Gold die Perle hält.

Wo Eulen von Vernunfft sich nicht in Purpur setzen

Und wo kein Schatten Werck von einem Cörper fällt.

Wo kein Pigmalion nur stumme Götzen machet

Nicht wo Apelles Kunst sich bloß mit Farben ziert

Nicht wo ein Affe nur in Gold und Seyde lachet

Nein wo ein schöner Leib die Seele bey sich führt.

Ja wo die Kostbarkeit wie auff dem Götter Throne

Der Himmel die Gestalt der Geist die Sonne heist.

Wo edler Tugend Glantz und Pallas Lorber Crone

Sich auff der Venus Haupt in schönsten Schmucke weist.

Doch daß ich meinen Wunsch die Gräntzen möge setzen

Und schön galant und reich mit auff einmahl vergnügt

So gönne meiner Brust (diß wäre sein Ergetzen)

Daß sie die Helena aus deinen Leiptzig kriegt.