Uber Teutschlands Edles F rauenzimmer.
Du Wunder-schönes Land und Kleinod gantzer Erden!
Wo die Glückseligkeit mit jeden Tag erwacht.
Du ird'sches Paradies wo Menschen Engel werden
Wo Adams süsse Kost uns zum Vergnügen lacht.
Du Himmel voller Glantz der angenehmsten Sonnen
Und deren Schönheits-Strahl in alle Länder dringt.
Du Meer in deren Schaum Saturnus Krafft geronnen
Worinnen Venus offt in einem Jahr entspringt.
Beglückter Teutschen Sitz! Du Sammel-Platz der Schönen!
Wo Himmel und Natur verschwendrisch worden ist.
Wo sich der Städte Pracht mit Myrthen kan bekrönen
Und wo ein Menschen Mund nur Götter Lippen küßt.
Des güldnen Apfels-Streit den Paris beygeleget
Und dessen Kostbarkeit der Venus zuerkand
Wird durch den Ehrgeitz noch bey deiner Zeit erreget
Und manches nennet sich vor dir das schönste Land.
Du Wunder-Theil der Welt! Paris tritt in die Schrancken
Die Venus Juno sich und Pallas sonst ersehn
Und wil sich üm den Preiß des Apffels mit dir zancken
Sein Frauenzimmer soll in ersten Paare gehn.
Nun Engelland wil gar mit lauter Engeln prahlen
Franckreich soll neben dir der Palmen Zinsman seyn.
Ach Teutschland könte dich ein Paris noch bestrahlen
Und stell'te die Vernunfft sich hier zum Richter ein!
So würde deine Pracht und seltne Schätzbarkeiten
Sein kluger Augen-Raht noch mehr als vor besehn
Und liese sich sein Blick auff andre Länder leiten
So würde Paris Mund auff diesen Spruch bestehn:
Franckreich ist zwar ein Land mit Klugheit angefüllet
Und in Galanterie des Frauenzimmers Welt.
Ja wo Geistreicher Schertz gemein wie Wasser quillet.
Wo witziger Verstand die hohe Schule hält.
Allein daß Schüler offt die besten Meister werden
Kan Teutschland sonder Ruhm mit Sachsen Zeuge seyn.
Man pflantzet erst geschickt die Liljen frembder Erden
Denn kömmt Natur und Kunst verwundrend überein.
Du schöne Linden-Stadt! (so würde Paris sagen.)
So bald mein Auge dich du Kleinod Meissens sieht
Seh' ich die Pallas auch auff ihren Sieges-Wagen
Die mich so wie Paris zu ihren Schätzen zieht.
Die Göttin kan allhier die klügsten Töchter zeigen
Wo Witz Verstand und List sehr schöne Proben weißt;
Durch die allein der Ruhm muß biß zum Sternen steigen
Daß die galantste Stadt anitzo Leipzig heist.
Ja Dreßden kan sich auch mit gleichen Lorbern krönen
Wo die Gefälligkeit sehr artge Leute macht.
Und Halle darff den Schmuck von keinen Frembden lehnen
Weil diese Seltenheit bey ihren Schönen lacht.
Das kleine Weissenfelß hat Klugheit groß geschätzet
Ob Einfalt gleich daselbst auch offt gemeistert wird
Des Gartens-Schönheit ist darüm nicht gar verletzet
Wenn sich das Unkraut gleich bey Rosen hat verirrt.
Noch andre Städte mehr und prächtigen Palläste
Hat Pallas Wunder-Hand mit Töchtern angebaut
Sie locket mich entzückt zu ihren Hochzeit-Feste
Und spricht: Die Klugheit macht die allerbeste Braut.
Doch (würde Paris mehr den edlen Sinn entdecken )
Weil Schönheit ein Magnet der meisten Hertzen ist:
Und sich ein jeder denckt das süsse Ziel zu stecken
Daß ihn auff Erden schon des Himmels Vorschmack küsst.
So kan sich Engeland zwar einen Spiegel gleichen
Der mir den Gegenstand stets wunderschöne weist
Wo Wangen-Purpur nicht geschminckte Farben streichen
Und wo Annehmlichkeit der Sinnen Meister heist.
Allein wie Sonnen-Glantz die Sternen übersteiget
So muß Britannien bey Teutschlands Strahlen stehn.
Denn ob die Venus dort ihr Ebenbild gezeiget
So lässt sie sich doch selbst auff Preussens Throne sehn.
Du Venus Wunderreich! Du Pallas Teutscher Erden!
Wo Juno sich den Thron von Gold und Perlen baut.
Soll dir des Apffels Preiß nicht zu erkennet werden
Da man dein Wesen gantz bey andern Stückwerck schaut?
Nimm hin Germanien! Was du vorlängst genommen
Und laß dein Eigenthum dir ein Geschencke seyn.
Der Apffel ist ja selbst auff deinen Baume kommen
Wer nun die Früchte pflantzt nimmt sie auch wieder ein.
So würde Pariß Schluß auf Weißheits-Grund bestehen
Und sein gerechter Spruch hing dieses Bitten an:
Soll mir du schönes Reich! durch deine Gunst geschehen
Was Venus ehmahls mir in Griechenland gethan:
So gib mir eine Frau nach deinen Wunder-Schätzen
Wo Schönheit einen Geist wie Gold die Perle hält.
Wo Eulen von Vernunfft sich nicht in Purpur setzen
Und wo kein Schatten Werck von einem Cörper fällt.
Wo kein Pigmalion nur stumme Götzen machet
Nicht wo Apelles Kunst sich bloß mit Farben ziert
Nicht wo ein Affe nur in Gold und Seyde lachet
Nein wo ein schöner Leib die Seele bey sich führt.
Ja wo die Kostbarkeit wie auff dem Götter Throne
Der Himmel die Gestalt der Geist die Sonne heist.
Wo edler Tugend Glantz und Pallas Lorber Crone
Sich auff der Venus Haupt in schönsten Schmucke weist.
Doch daß ich meinen Wunsch die Gräntzen möge setzen
Und schön galant und reich mit auff einmahl vergnügt
So gönne meiner Brust (diß wäre sein Ergetzen)
Daß sie die Helena aus deinen Leiptzig kriegt.