Uber zwey Verliebte. Paspiè.

By Johann Georg Gressel

So kühlet und löschet die lüsterne Flammen

Umarmet die Leiber in hefftiger Brunst

So flösset die Seelen und Geister zusammen

Und theilet in Liebe die heimliche Gunst:

Vergnüget die Seelen durch wechselnde Küsse

So drücket und bücket zusammen die Brust

Vereinget mit Anmuth der

Und schmecket den Zucker der höhesten Lust.

Beküsset eur Grab-Mahl auf Lippen und Brüsten

Und schmecket in Anmuth den süssesten Tod

Zerfliesset in Freuden ersterbet in Lüsten

Und kostet im Sterben ein liebliches Brodt.

Jhr sterbet in Lüsten ihr ruhet in Freuden

Drum sterbet nur offte und tausend mahl mehr

Die Seelen die können im Sterben sich weiden

Die Schätze der Liebe sind niemahls da leer.

Ersterbet nur häuffig so offt’ als ihr wollet

Und wünschet euch immer die süsseste Pein

Weil

So scharrt man mit Anmuth die Todten hinein.

Ach süsses Vergnügen! ach liebliches Sterben!

Wo häuffige Anmuth dasselbe beseelt;

Es wünscht sich einjeder ein solches Verderbeu

Weil keine Betrübniß die Sterbenden quählt.

Jhr lebet im Sterben ihr spielet in Flammen

Jhr ruffet das Leben zu küssen den Tod

Jhr röchelt und fliesset in Wollust zusammen

Und wünschet nur immer die liebliche Noht.

Die Seelen verlangen so immer zu leben

Und lieben den Wechsel der tödtlichen Lust

Sie wollen stets lebend die Geister auffgeben

Und suchen ihr Grab-Mahl im Schoosse und Brust