Ubersetzung der achten Eclogä Virgili.
Alphesiböus und Damonis hirten-lieder
Die wilde luchs entzückt das vieh erstaunt gemacht
Daßselbes weder graß noch weide hatgeacht
Daß sich die fluth verkert und lief dem strom zuwieder
Berühmter hirten lied erzehlet jetzt mein kiel
Diß wo Timavusstein dich noch behalten wil
Und wo sclavonien zum schutz dich auserkoren
Wenn wird doch nur das licht das süsse licht geboren
Daß ich auch deinen ruhm der gantzen welt kan zeigen
Wie du dem Sopholes in hohen reden gleichst
Wie du den anfang mir zu hohen sachen zeigst
Ich hebe bey dir an und muß auch bey dir schweigen
Nimm diese reimen hin die du befohlen hast
Laß unter deinem ruhm auch einem frembden gast
Das schlechte winter-grün mit lorbern sich vermälen
So wird man prächtiger die reichen siege zehlen.
Die kalte finsternis die nacht war kaum verstrichen
Als früh der morgenthau das vieh so hoch ergötzt
Und Damon hatte sich zum ölbaum hingesetzt
Da ihm den dieses lied von lipp und mund geschlichen
Erschein uns morgenstern und bring uns doch den tag.
Daß ich von Nisens falsch und meineyd sagen mag
Wie ihre schnöde gunst mich jämmerlich betrogen
Ob ich die götter gleich zu zeugen angezogen.
Ich ruffe sie auch noch in meiner sterbe-stunde
Ertöne pfeif ein lied wie das der Mänal singt
Der Mänal der viel bäum und grüne fichten bringt
Die reden ihre brunst noch mit erblastem munde
Er hört ohn unterlaß der hirten lieb und glut
Wenn Pan von flammen brennt und mit gekräncktem muht
In seine pfeife bläft. Auf! singe diese reime
Die Mänal täglich hört und die verliebten bäume.
Nun Mopsus Nisen krigt darf keiner nicht verzagen
Man spannt ietzt greif und pferd an einen wagen ein
Das reh wird mit dem hund in guter freundschafft seyn
Und klinfftig gleichen tranck aus einem brunnen tragen.
Mops schneide fackeln zu die braut kommt in dein hauß
Und streu nun als ein mann die nüsse hurtig aus.
Es wil der abendstern die örter selbst verlussen
Und meine pfeife sol ein volles lied verfassen.
Du bist des mannes werth hast alle sonst verachtet
Du warest meiner zieg und meiner pfeife gram
Daß ich mir niemals nicht verschnitt die augenbram.
Das sonst ein sterblich mensch die götter nicht betrachtet
Ich habe dich gesehn in unsern zäunen gehn
Die äpfel lesen auf der mutter gleiche stehn
Und war auch führer selbst; seit aber diß geschehen
Hab ich nach dreyzehn jahr erbärmlich leid gesehen.
Ich konte schon die äst biß an die erde beugen
Als ich dich angesehn und auch zugleich entbrandt
Als mir ein falscher wahn diß lieben zugesandt.
Das meins pfeife nun kan nimmermehr verschweigen
Nun weiß ich was es sey in lieb und flammen glühn
Es muß der Jsmarus der liebe kind erzihn.
Die Garamanten selbst die müssen es erzeigen
Aus unserm fleisch und blut kan dieses kind nicht steigen
Die ungeheure welt hat mütter oft beweget
Daß mit der kinder blut sie ihre hand gefärbt
Und diefe grausamkeit hat auch der sohn geerbt
Der sohn der feur und glut in unsre hertzen leget
Wer tobt und raset mehr die mutter ist erhitzt
Der kleine knabe trägt die pfeile zugespitzt
Es kan des sohnes grimm der mutter rasen gleichen
Eh meine pfeife schweigt so will ich selbst verbleichen.
So soll ein hungrig wolff vorm blöden schaff erschrecken
Jetzt trägt ein eichen-baum der äpfel schönstes gold
Narcissen werden nun der schlancken erle hold
Und ein veracht gesträuch wird nichts als agtstein hecken
Die eule trotzt den schwan und Orpheus gesang
Verlacht der Tytirus des Orpheus dessen klang
Die wälder hat entzückt Arions die Delphinen
Nur meine pfeife fort du must mir weiter dienen.
Der gantze ball der welt verwandelt sich in wellen
Jhr wälder gute nacht lebt in stets frischer zier.
Ich stürtze mich herab von diesem felsen hier.
Läß dir des sterbenden verwesnen leib zustellen
Und nimm ihn zum geschenck. Als Damon diß gesagt
Hat auch der ander hirt in antwort so geklagt:
Jhr Musen sagt diß an: denn niemand ist vollkommen
Jedweder kan nicht das was alle vorgenommen.
Bringt eilends wasser raus: die weichen opffer binden
Gehören zum altar: Nim fettes eisen-kraut
Und weyrauch den man gantz voll runder körner schaut
Ich muß durch zauber-kunst den menschen überwinden
Jhm nehmen sinn und geist hier mangelt nur ein spruch;
Daß Daphnis kommt zu hauß und ein gesegnet stuch
Der kan den monden selbst vom hohen himmel führen
Wie? konte Circe nicht Ulysses volck berühren?
Die kalte schlange wird vom zaubergifft zerspringen
Mein sorgen würckt so viel daß Daphnis wieder kümmt
Drey faden hab ich schon so dreymahl bunt bestimmt
Und selbe sollen dir ich wil das bildniß bringen
Und tragen ums altar GOtt liebt ungleiche zahl
Ach Daphnis komme doch auf meine bitt einmahl.
Knüpf Amarillis nur drey farben in drey knoten
Sprich: Venus knüpf ich diß die hat mirs auch geboten.
Führt meinen Daphnis heim ihr zauberreichen stimmen
Schaut wie die liebe sich in heisses feur ausgeust.
Wie dieser leim verdorrt wie dieses wachs zerfleust
In flammen-reicher glut erhitzter liebe glimmen
Streu diß gereichte mehl brenn auch den lorber an
Und ob nicht Daphnis brennt so thu ich was ich kan.
Es wird im lorberstrauch zugleich der Daphnis brennen
Schaft meine flüche schaft daß er muß zu mir rennen.
Ja eine solche lieb entzünde Daphnis hertze
Wie wann ein junges rind durch tiefe felder schreyt
Und seinen gatten sucht bald an des baches seit
In mooskraut sich gestreckt und fleucht vor allem schertze
Und weichet nicht der nacht. So eine lieb umbringt
Den Daphnis welche mir die kunst der kräuter bringt.
Ein kind verließ er mir als seiner liebe zeichen
Das will ich bey der schwell zur rach der erden reichen.
So eine gunst gebührt des Daphnis schnödem pfande
Die kräuter diese gift so mir nechst Möris gab
Die er am wilden meer mit fleiß gebrochen ab
Denn viel desselben gifts wächst an desselben strande
Die haben Möris oft zu einem wolf gemacht
Verstorbne seelen aus den tieffen gräbern bracht;
Das ausgesäte korn wo anders hin verleitet
Daß Daphnis aus der stadt doch nicht nach hauße schreitet.
Trag Amaril die asch in flüssendes gewäßer
Und wirf sie hinter dich doch siehe nicht zurück
So greiff ich Daphnis an so weder Gott noch strick
Noch liebe binden kan: kein seegen macht ihn besser
Bemerckt indem ich mich in etwas nur versäumt
Und so behende nicht die asche weggeräumt
So fängt sie selbsten glut und bey den räuch-altaren
Seh ich ein krichend feur und helle flamm auffaren.
Wohl das sind meiner lieb erfreute gnaden-blicke
Ich weiß nicht was mir ist billt unser hylax nicht?
So dünckt mich für der thür wie oder weils geschicht
Daß die verliebten leut auch nur ein traum erquicke
Und daß sie ihnen selbst die ankunfft bilden ein.
Last alle zauberey und allen seegen seyn
Jhr stimmen Daphnis kommt er kommt ihr stim̃en schweiget
Der Daphnis hat nun gunst und brunst mir zugeneiget.