Ubersetzung der fünfften Satyre des Boilcau. * *

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der adel ist alsdenn kein blosser dunst zu nennen

Wenn man aus solchem blut das helden zeugen können

Entspriest und nach dem satz den strenge tugend stifft

Auch so der ahnen spur wie du mein Dangeau trifft.

Nur kränckt mich wenn ein thor der sich in schnöden lüsten

Pflegt eintzig und allein mit seinem stand zu brüsten

So unverschämte pracht mit fremdem schmucke treibt

Und andrer leute lob auff seine rechnung schreibt

Sein tapfferes geschlecht mag durch berühmte sachen

Die ältste chronicken zu dicken büchern machen.

Gesetzt: daß ein Capet der Franckreichs scepter führt

Der ahnen ritter-schild mit liljen ausgeziert;

Wozu soll aber ihm der leere vorrath dienen

Wenn er von solchem stamm der ehmahls groß geschienen

Der welt nichts weisen kan als ein verlegnes blat

An dem das pergament der wurm geschonet hat?

Wenn er was göttliches an seiner quelle spüret

Und doch in seinem sinn zugleich ist überführet

Daß man nichts grosses mehr an ihm zu sehen kriegt:

Als daß ein stoltzer jeck in weicher wollust liegt.

Doch scheint es wenn er sich so übermüthig blehet

Daß sich nach seinem winck des himmels axe drehet

Und daß des schöpffers hand mit reiffem vorbedacht

Jhn aus viel besserm thon als mich hervor gebracht.

Was ist es für ein thier du geist von hohen gaben!

Das wir gemeiniglich am allerliebsten haben?

Ists nicht ein muntres pferd das krafft und feuer bläßt

Und keinem neben sich das ziel erreichen läßt?

Da offt ein koppelgaul wird ohngefehr bezahlet

Ob gleich manch schönes roß in seinem stamm-baum prahlet

Und trägt wenn er nicht taugt den rentzel über land

Wo man das schind-vieh nicht gar in die karre spannt.

Wie aber wilst denn du uns andre so bethören

Daß iederman an dir soll was vergangnes ehren?

Mein freund du irrest dich und kennest nicht die welt

Wo ich nicht tugend seh’ da seh ich keinen held.

Getranst du dich dein blut von helden herzuleiten

So zeig’ auch gleiche glut wie sie zu ihren zeiten

Ein hertz das ehre sucht und das die laster scheu’t.

Lebst du wie sichs gebührt fleuchst ungerechtigkeit

Kanst den der dich bestürmt von deinen mauren treiben

Und biß zum morgen-thau im harnisch stecken bleiben

Alsdenn erkenn’ ich dich daß du recht edel bist

Weil man aus deinem thun des adels probe list.

Alsdenn sey dir vergönnt die ahnen zu erlesen

Aus denen welche selbst monarchen sind gewesen

Ins tausende gelied magst du zurücke gehn

Die längst verstrichne zeit soll dir zu dienste stehn

Du kanst der helden reih wenn dirs gefällt durchwandern

Komm von Achilles her von Cäsarn Alexandern.

Der neid der streut umsonst dir einen zweiffel ein

Und bist du nicht ihr sohn so soltest du es seyn.

Hingegen hast du gleich beweiß genug in händen

Daß du von grad zu grad stammst aus Alcidens lenden;

Schlägst aber aus der art so legt der eltern grab

Am ersten wider dich ein schlimmes zeugniß ab

Und ihrer würde glantz den du beginnst zu schwächen

Beleuchtet desto mehr dein schändliches verbrechen

Es hilfft nicht daß du dich mit ihren nahmen deckst

Wenn du dich auf der haut des müssigganges streckst.

Und wilst du dergestalt der ahnen schutz gebrauchen?

So wird er wie ein dampff und leichter noch verrauchen.

Du bleibst ein blöder held der in geheim betreugt

Ob er gleich öffentlich viel göldne berge leugt.

Ein falscher der verräth und lauter meineyd brütet

Ein thor doch so ein thor der in dem wahnwitz wütet

Und wenn man den entwurff in zweyen worten fast:

Von einem schönen baum ein abgefaulter ast.

Wird meiner Musen zorn sich auch zu sehr ergiessen?

Läst sie nicht schon zu viel vergällte worte fliessen?

Sie geht vielleicht zu weit und kennt die weise nicht

Nach der man insgemein mit stands-personen spricht.

Wolan so will ich denn mit glimpff nur dieses fragen:

Ists lange daß man hört von deinem adel sagen?

Schon gantzer tausend jahr. Und dein bekandtes hauß

Steckt seiner ahnen zahl auff zwey und dreyßig aus.

In warheit das ist viel zumahl da zu erweisen

Daß ihrer titul pracht fast alle schrifften preisen

Jhr nahme lebt und trutzt dem schiffbruch rauher zeit

Das alles ist sehr gut; doch wer schwert einen eyd

Daß binnen solcher frist der mütter keusches lieben

Den männern immer treu den buhlern seind geblieben;

Daß nie ein kühner freund sie glücklich angelacht

Und durch den adel-stand dir einen streich gemacht;

Und daß ein reines blut aus nicht geringerm orden

Stets durch Lucretien dir zugeflösset worden?

Verflucht sey jener tag an dem der eitle tand

Zu erst die reinigkeit der sitten weggebannt.

Als die noch zarte welt lag gleichsam in der wiegen

Durfft einer sich auff nichts als auff die unschuld triegen

Das volck das war vergnügt und in gesetzen gleich

Verdienst war adels werth und galt ein königreich.

Da fand man keinen held der sich auf herkunfft stützte

Und der nicht von sich selbst mit eignen strahlen blitzte

Biß daß man mit der zeit die tugend so verließ

Daß man sie bürgerlich das laster edel hieß.

Der neu’ erwachsne stand hielt andre bald für sclaven

Das land ward überschwemmt von Herren und von Grafen

Man hatte tugend gnug wenn man sich titul gab

Und wieß an statt des kerns die welt mit schalen ab.

Bald ward ein wapen-recht mit regeln ausersonnen

Daß weil es im gehirn der schwärmer angesponnen

Jhm eigne wörter macht und unvernehmlich spricht

Die schilde bald bekrönt bald in vier theile bricht.

Bald pfählt und gegenpfählt bald kerbet und verbindet

Und was dergleichen mehr die herolds-kunst erfindet.

Da ward nun die vernunfft der therheit unterthan

Die ehre war beschämt denn keiner sah sie an

Die kosten nahmen zu man ließ verschwendung spühren

Den vorzug der geburt nach würden auszuführen

Man baute schlösser auff und gab zum unterscheid

Der hoffbedienten schaar ein bunt gebrämtes kleid.

Da muste man viel troß zum ansehn bey sich haben

Und wer gar vornehm war der hielt sich edel-knaben.

Als aber geld und gut des adels bald verschwand

Und er zum unterhalt kein leichter mittel fand

Ward er aus dürfftigkeit in einer kunst geübet

Die allenthalben borgt und nichts nicht wieder giebet

Kein scherge war so frech der sich an ihm vergriff

Und wenn ein gläubiger nach der bezahlung lieff

Ließ ihn ein solcher herr für seiner schwelle frieren

Biß man ihn zum beschluß sah’ in den schuld-thurn führen

Da er wiewohl zu spät sein ungemach beklagt

Wenn ihn des richters spruch von hauß und hof gejagt:

Diß gab gelegenheit in dem die nothdurfft fehlte

Daß er aus lumpen-volck ein reiches weib erwehlte

Der ahnen alterthum das gab er in den kauff

Und halff sich auß dem schimpff mit schande wieder auff.

Denn wo der adel nicht den schein vom golde lehnet

Und bloß sein alter liebt so bleibt er wohl verhönet

Ein ieder hält ihn werth ins toll-hauß einzugehn

Und wer ihm anverwandt der will es nicht gestehn.

Ist aber iemand reich nach dem wird alles fragen

Ja hätt’ er in Pariß gleich liberey getragen

Und wüste selber nicht wie recht sein nahme sey

Ein schmeichler steht ihm bald mit hundert ahnen bey

Und wird ihn wer er ist aus den geschichten lehren.

Auff! Dangeau den verdienst und glück für andern ehren

Der du des hofes meer so klüglich durchgespürt

Daß deine tugend nie die klippen hat berührt

Dich hat des königs huld zu einem stand geruffen

Da du ihn täglich siehst auff neuen sieges-stuffen;

Und wie was göttliches das ihm ist eingeprägt

Mehr als der liljen glantz an ihm zu schimmern pflegt.

Wie ers verächtlich hält wenn andre majestäten

Vor ihrer üppigkeit im purpur nicht erröthen

Wie er die träge lust für eine bürde schätzt

Dem wanckelbaren glück durch klugheit gräntzen setzt.

Und ihm sein wohlergehn mit eignen händen bauet

So daß der erden-kreiß an ihm ein muster schauet

Wie man soll könig seyn; auf! sag ich sey bemüht

Wenn dein rechtschaffner muth den ruhm zum zweck ersteht

Wie du durch treuen dienst und tapfferes beginnen

Magst deines herren hertz je mehr und mehr gewinnen

Und zeig ihm daß er heut noch unterthanen findt

Die solches königes wie er ist würdig sind.