Ueber den frühen Tod einer Fräulein.
Dein Leben, dessen End uns plaget,
War wie ein Tag schön und nicht lang,
Ein Stern vor des Morgens Aufgang,
Die Röthin während weil es taget,
Ein Seufftz aus einer edlen Brust,
Ein Klag aus Lieb, nicht aus Unlust,
Ein Nebel, den die Sonn verjaget.
Ein Staub der mit dem Wind entstehet,
Ein Thau in des Sommers Anbruch,
Ein Lufft mit lieblichem Geruch,
Ein Schnee der Frühlings-Zeit abgehet,
Ein Blum die frisch und welck zugleich,
Ein Regenbog von Farben reich,
Ein Zweig welchen der Wind umwehet.
Ein Schaur in Sommer-Zeit vergossen,
Ein Eiß an heissem Sonnenschein,
Ein Glaß also brüchig als rein,
Ein Wasser über Nacht verflossen,
Ein Blitz zumahl geschwind und hell,
Ein Strahl schiessend herab gar schnell,
Ein Gelächter mit Leid beschlossen.
Ein Stimm die lieblich dahin fähret,
Ein Widerhall der Stimm in Eil,
Ein Zeitvertreiben mit Kurtzweil,
Ein Traum der mit dem Schlaff aufhöret,
Ein Flug des Vogels mit Begier,
Ein Schatt, wann die Sonn sticht herfür,
Ein Rauch welchen der Wind zerstöret.
Also dein Leben (schnell verflogen)
Hat sich nicht anderst dann ein Tag,
Stern, Morgenröth, Seufftz, Nebel, Klag,
Staub, Thau, Lufft, Schnee, Blum, Regenbogen,
Zweig, Schaur, Eiß, Glaß, Blitz, Wasserfall,
Strahl, Gelächter, Stimm, Widerhall,
Zeit, Traum, Flug, Schatt und Rauch verzogen.