Ueberlegungen zur Frühlingszeit.
Mein Gott! der, jüngst noch, dürre Baum ist ganz
mit grünem Laub bedecket,
Es haben sich die nackten Aeste in grüne Blätter ganz
verstecket,
Was todt schien, scheinet itzt zu leben, sein ganzes Wesen
scheint verwandelt.
Woher entstehet die Verändrung? Wer hat die Bäume
so behandelt?
Wie geht dieß zu? fragt die Vernunft: doch kann sie
dieses nicht ergründen,
Nur die Erfahrung bloß allein, die große Lehrerinn,
kann finden,
Da es im Lenzen stets geschieht, daß es durch keine
Zauberey,
Wie es jedoch das Ansehn hat, gewirket und entstanden
sey.
So bleibt denn der Vernunft nichts übrig, wenn sie es,
wie sie soll, betrachtet,
Als daß sie dieses für ein Wunder des wirkenden Natur-
geists achtet.
Allein, was ist denn der Naturgeist? wird man sie
darauf billig fragen.
Hierauf wird, wenn sie redlich beichtet, sie dir nichts
anders können sagen,
Als: Er muß eine rege Kraft, die ordentlich verfähret,
seyn;
(denn alles, was sie wirkt und formt, stimmt mit ein-
ander überein