Uebersezzung des sechsten Psalms.
Herr! der du ein GOtt der Götter,
Straf mich nicht in deinen Zorn,
Sondern sey doch mein Erretter,
Und laß deiner Güte Born,
Auf mich armen Sünder fliessen;
Laß mich deiner Huld geniessen,
Laß mich stat des Donners Grimm,
Hören deine Gnaden Stimm.
Ich bin schwach von vielen Sünden,
Meine Seele ist sehr matt,
Bei dir muß ich Hülfe finden,
Darum fleh ich deine Gnad.
Mein Gebeine ist erschrokken:
Und von innren Weh ganz trokken:
Darum HErr! komm ich zu dir,
Heil mich, weil ich Noth verspür.
Meine Seele ist verzaget,
Weil mich des Gewissens Bis,
Tag und Nacht ganz trostlos naget,
Deine Hülf ist mir gewis:
Aber HErr! mir ist sehr bange,
Denn es währt die Zeit sehr lange,
Da ich bei dem innren Weh,
Um dein Gnaden Antliz fleh.
Wende dich, sprich meiner Seelen,
Ein vergnügend Trostwort zu,
Damit ich nach langen Quälen,
Endlich finde Hülf und Ruh.
Hilf mir um der Güte Willen,
Denn du kanst den Kummer stillen
Der mich bisher Tag und Nacht,
Viele trübe Stunden macht.
Wenn mich wird das Grab verschränken,
Und der Todt mich weggeraft,
Kan ich nicht an dich gedenken;
Wenn mir meine Lebenskrafft
Ist, durch lange Angst genommen,
Und ich zu dem Grabe kommen;
So verstummt mein blasser Mund,
Und macht deine Güt nicht kund.
Ich bin schon von Seufzen müde,
Weil mein Auge immer thränt,
Und mein Herze nur nach Friede,
Mit gebrochnen Seufzern sehnt:
Mein Blut schwimmt im Thränen-Flüssen,
Die aus meinen Augen schiessen,
Und die nasse Wehmuth zeigt,
Was vor Angst das Herz verschweigt.
Die Gestalt ist ganz verfallen,
Und ich bin vor Trauren alt,
Weil ich muß so lange wallen,
Eh ich sehe die Gestalt
Die mich wiederum erquikket;
Meine Seele wird gedrükket:
Allenthalben kommen mir,
Nichts als Angst Gebürge für.
Weichet von mir Uebelthäter,
Denn der HErre ist mein Schild,
Er ist meine Burg, mein Retter,
Meine Angst ist schon gestillt;
Er erhört mein kläglich Weinen,
Läst mir Gnadenstrahlen scheinen,
Deren Blik mich freudig macht,
In der düstren Kummer Nacht.
Er erhört mein sehnlich Flehen,
Mein Gebet das nimmt er an,
Nun werd ich auch balde sehen,
Wie mein
Schwindet nun ihr Klagestunden,
Ich hab nunmehr Hülfe funden,
In der Kummervollen Noth,
Bei dem HErren Zebaoth.
Meine Feinde die vorhanden,
Werden plözlich nun erschrekt;
Da mich
Hülfreich wiederum erwekt:
Nun müst ihr zurükke kehren,
Spötter! und mit Schrekken hören,
Daß mich
Von der Herzens Angst befreit.