Um Gottesfurcht.

By Heinrich Mühlpfort

Ovater aller Güt ich klage dir mit Schmertzen

Die Bosheit meiner Seel und Gift in meinem Hertzen

Die mich so gar besessen

Daß ich O höchster GOtt!

Hab überall vergessen

Dein Heissen und Gebot.

Ach keine Gottesfurcht ist mehr vor meinen Augen

Die leyder gäntzlich dich recht zu erkennen taugen.

Dich kan ich ja nicht lieben

Noch alß ich Armer soll

In deiner Furcht mich üben

Das fühl ich gar zu wohl.

Es ist ja meine Sünd und Boßheit nicht zu messen

Offt hab ich dein Gesetz O grosser GOtt vergessen

Offt laß ich mir gefallen

Die Wollust dieser Welt

Der leyder ich für allen

Mich täglich dargestellt.

Ich seufz: O frommer GOtt! du wollest mir vergeben

Daß ich in Sicherheit verbracht mein junges Leben

Indem ich nicht gescheuet

Die Straffe die mir dort

Von dir ist angedräuet

Mir längst in deinem Wort.

Es ist dich fürchten ja die wunderschöne Tugend

Der Weisheit höchster Schatz die Meisterin der Jugend

Wohl dem der diese kennet

Und klebet fest ihr an

Der wird ein Christ genennet

Der GOtt gefallen kan.

Noch ferner bitt ich HErr du wollest von mir nehmen

Mein angeborne Sünd und kräfftig in mir zähmen

Das Böß in meinem Willen

Samt der Vermessenheit

Benebenst dem auch stillen

Den Spott der Ewigkeit.

Gib deinen guten Geist den Geist der Furcht des HErren

Und laß mich nur in ihr mein gantzes Hertz versperren

Daß ich an allen Orten

Wo ich auch immer sey

Mit Wercken und mit Worten

Für deinem Zorn mich scheu.

Erwecke wahre Reu und Leyd in meinem Hertzen

Daß ich mein eitles Thun beweinen mög mit Schmertzen.

Und daß ich ja beklage

Mehr meine Missethat

Als deinen Zorn und Plage

Die mich ergriffen hat.

O seelig werd ich seyn im Fall ich kan erkennen

Daß du mein GOtt gerecht ich aber böß zu nennen

Ja daß ich billich leide

Die wolverdiente Pein

Und weil ich selbst mich scheide

Von dir muß straffbar seyn.

Verleyh mir höchster GOtt weil ich noch leb auf Erden

Daß ich der Sünden gram und hertzlich feind mag werden.

Als welch ohn allen Zweiffel

Fürlängst entsprossen ist

Von dem verfluchten Teufel

Durch Lügen Trug und List.

Wenn auch des Creutzes Last mich grausamlich wird drücken

So wolle deine Gnad O GOtt nicht von mir rücken.

Du kanst mein Elend stillen

Und schnell erretten mich

Umb deiner Güte willen

Das glaub ich festiglich.

Bewahre meine Seel und innerste Gedancken

Daß sie von deiner Furcht in Ewigkeit nicht wancken.

Besondern nach dir sehen

Herr GOtt zu jeder Frist

So wird nicht leicht geschehen

Was dir zuwider ist.

Mein innerliches Aug HErr bleibe stets gerichtet

Auf dich daß alles was mein Hertz und Sinn ertichtet

Nach dir allein sich lencke

Sowol in Lust als Leyd

Hülf daß ich stets bedencke

Die Pein der Ewigkeit.

Gib Gnade daß ich mög in allen meinen Sachen

Den Anfang und das End in deiner Liebe machen

Darzu für allen Dingen

Einst hertzlich zu dir schrey

Dann wird mein Thun gelingen

Es sey auch was es sey.

Ach laß mich HErr ja nicht von deiner Furcht abwenden

Lust Reichthum Ehr und was die Seele sonst kan schänden

Wenn mich gleich alles plaget

Dennoch so tröstet mich

Dein Wort was dieses saget

Dem glaub ich festiglich.

Erbarmen Seegen Gnad Errettung Hülf und Leben

Erhaltung Weißheit Trost und Heyl wirst du mir geben

O treuer GOtt regire

Mir kräfftig Hertz und Sinn

Daß deine Furcht mich führe

Biß ich vergraben bin.