Um Gottesfurcht.
Ovater aller Güt ich klage dir mit Schmertzen
Die Bosheit meiner Seel und Gift in meinem Hertzen
Die mich so gar besessen
Daß ich O höchster GOtt!
Hab überall vergessen
Dein Heissen und Gebot.
Ach keine Gottesfurcht ist mehr vor meinen Augen
Die leyder gäntzlich dich recht zu erkennen taugen.
Dich kan ich ja nicht lieben
Noch alß ich Armer soll
In deiner Furcht mich üben
Das fühl ich gar zu wohl.
Es ist ja meine Sünd und Boßheit nicht zu messen
Offt hab ich dein Gesetz O grosser GOtt vergessen
Offt laß ich mir gefallen
Die Wollust dieser Welt
Der leyder ich für allen
Mich täglich dargestellt.
Ich seufz: O frommer GOtt! du wollest mir vergeben
Daß ich in Sicherheit verbracht mein junges Leben
Indem ich nicht gescheuet
Die Straffe die mir dort
Von dir ist angedräuet
Mir längst in deinem Wort.
Es ist dich fürchten ja die wunderschöne Tugend
Der Weisheit höchster Schatz die Meisterin der Jugend
Wohl dem der diese kennet
Und klebet fest ihr an
Der wird ein Christ genennet
Der GOtt gefallen kan.
Noch ferner bitt ich HErr du wollest von mir nehmen
Mein angeborne Sünd und kräfftig in mir zähmen
Das Böß in meinem Willen
Samt der Vermessenheit
Benebenst dem auch stillen
Den Spott der Ewigkeit.
Gib deinen guten Geist den Geist der Furcht des HErren
Und laß mich nur in ihr mein gantzes Hertz versperren
Daß ich an allen Orten
Wo ich auch immer sey
Mit Wercken und mit Worten
Für deinem Zorn mich scheu.
Erwecke wahre Reu und Leyd in meinem Hertzen
Daß ich mein eitles Thun beweinen mög mit Schmertzen.
Und daß ich ja beklage
Mehr meine Missethat
Als deinen Zorn und Plage
Die mich ergriffen hat.
O seelig werd ich seyn im Fall ich kan erkennen
Daß du mein GOtt gerecht ich aber böß zu nennen
Ja daß ich billich leide
Die wolverdiente Pein
Und weil ich selbst mich scheide
Von dir muß straffbar seyn.
Verleyh mir höchster GOtt weil ich noch leb auf Erden
Daß ich der Sünden gram und hertzlich feind mag werden.
Als welch ohn allen Zweiffel
Fürlängst entsprossen ist
Von dem verfluchten Teufel
Durch Lügen Trug und List.
Wenn auch des Creutzes Last mich grausamlich wird drücken
So wolle deine Gnad O GOtt nicht von mir rücken.
Du kanst mein Elend stillen
Und schnell erretten mich
Umb deiner Güte willen
Das glaub ich festiglich.
Bewahre meine Seel und innerste Gedancken
Daß sie von deiner Furcht in Ewigkeit nicht wancken.
Besondern nach dir sehen
Herr GOtt zu jeder Frist
So wird nicht leicht geschehen
Was dir zuwider ist.
Mein innerliches Aug HErr bleibe stets gerichtet
Auf dich daß alles was mein Hertz und Sinn ertichtet
Nach dir allein sich lencke
Sowol in Lust als Leyd
Hülf daß ich stets bedencke
Die Pein der Ewigkeit.
Gib Gnade daß ich mög in allen meinen Sachen
Den Anfang und das End in deiner Liebe machen
Darzu für allen Dingen
Einst hertzlich zu dir schrey
Dann wird mein Thun gelingen
Es sey auch was es sey.
Ach laß mich HErr ja nicht von deiner Furcht abwenden
Lust Reichthum Ehr und was die Seele sonst kan schänden
Wenn mich gleich alles plaget
Dennoch so tröstet mich
Dein Wort was dieses saget
Dem glaub ich festiglich.
Erbarmen Seegen Gnad Errettung Hülf und Leben
Erhaltung Weißheit Trost und Heyl wirst du mir geben
O treuer GOtt regire
Mir kräfftig Hertz und Sinn
Daß deine Furcht mich führe
Biß ich vergraben bin.