Umb Vergnüglichkeit.

By Heinrich Mühlpfort

Zwey Dinge bitte ich O grosser GOtt von Dir

Laß mich Genade HErr für deinen Augen finden!

Kein Reichthum schencke mir

Und laß hingegen mich nicht Armuths-Ketten binden!

Wie leichte könt’ ich nicht mich gar zu weit vergehn;

So daß mein Hertze möcht an ird’schen Dingen kleben

Weil kaum beysammen stehn

Ein Geld ergebner Sinn und ein gottseelig Leben.

Ich baute meinem Gold eh Tempel und Altar

Eh’ ich dich wahren GOtt mit reiner Andacht suchte

Jhr schätzt es ohn Gefahr

Wenn meinen schnöden Geitz gleich alle Welt verfluchte.

Wie viel hat nicht ihr Geld umb Seel und Leib gebracht

Sie von dem Himmel-Weg der Höllen zu gezogen?

Zu Knechten sie gemacht

Des Vaters alles Trugs der sie hernach betrogen.

Und was ist Geld und Gold als ein vergänglich Koth?

Was sind die Schätze mehr als Schlüssel zu den Sünden?

Kommts an die letzte Noth

Wo wirst du Rath und Trost bey deinem Klumpen finden?

Und wird beständig auch hier dein Vermögen seyn?

Welch Zufall kan es nicht im Augenblick entwenden?

Und wer viel sammlet ein

Der schaut es noch zu letzt in frembder Leute Händen.

Der Müntze Korn und Schrott wie sehr es uns gefällt

Ist zwar ein herrlich Ding im Leben nicht im Sterben:

Denn es bleibt auf der Welt

Und trifft zum öfftern an nicht einen danckbarn Erben.

Viel die so sehr gescharrt nach einem grossen Gut

Die haben es hernach den Kindern nicht gelassen:

Wenn Krieg wenn Glut und Flut

Und ungetreue Freund es nach dem Tode fassen.

Ach wende doch mein GOtt mein Hertze gantz hinweg!

Ich darff ein Weniges zum Unterhalt im Leben

Und meiner Hoffnung Zweck

Ist daß dein Vater-Hertz es mir wird gnädig geben.

Nimm bitt ich auch von mir des Armuths schwere Last!

Was kan elenders seyn als steten Mangel leiden;

Wo weder Ruh noch Rast

Die Sorgen lassen zu die durch das Hertze schneiden!

Laß meinen Saamen nicht allhier nach Brodte gehn

Noch in der Dürfftigkeit des Geistes Krafft ersticken.

Der steigt nicht an die Höhe

Den Kummer und Gebruch zur Erden nieder drücken.

Ich bin mit wenigem von deiner Hand vergnügt.

Es soll mein Bissen Brod für dem mir besser schmecken

Der stets zu Hofe ligt

Und sieht halb hungrig an der Fürsten Tafel decken.

Zu dem darff die Natur so grossen Vorrath nicht:

Das beste Gastmahl ist ein fröliches Gewissen.

Wem dieses schon gebricht

Der wird bey bester Kost nur Gall und Gift geniesen.

Wenn die Vergnügung nur mit mir zu Tische sitzt

Vertrauen auf dich’ HErr mit mir zu Bette gehet;

Mich deine Macht beschützt;

So frag ich weiter nicht wie der und jener stehet.

Er halte diesen Muth befeste diesen Sinn

Biß endlich ich den Lauff des müden Lebens schliesse:

Denn nimm mich zu dir hin

Wo ich des Lebens-Brod den Kelch des Heyls geniesse!