Unbillige Unempfindlichkeit des gegen- wärtigen Guten.
Recht erbarmens-würdig ist, daß wir mit so kaltem Muthe,
Ja fast ohn’ Empfindlichkeit, alles gegenwärtge Gute,
Und hingegen
Mit der innersten Bewegung, was verdrießlich ist, erwegen.
Die Gesundheit nicht einmahl, nicht einmahl ein gut Ge-
Können uns, wie sie doch sollten, eine lange Lust erregen.
Aber, sind sie etwa fort; ach wie deutlich, hell und klar
Wird man dann derselben Güte, Wehrt und Schätzbarkeit
Ach wie elend sind wir dann! wie so groß ist unsre Noth!
Dann wird kein Juweel so rein und so schön, kein Gold so
Wenn es auch aus Ophir wäre, so ans Hertz gepicht gefunden;
Daß man sie mit Lust nicht gäbe, eine Sache zu besitzen,
Die man erst besaß, iedoch nicht gekostet, nicht empfunden,
Dieß ist unser rechter Lohn, weil man sich, von Jugend an,
Nicht dazu bequemen wollen, nicht dazu entschliessen kann,
Die Gedancken, worin doch unser Wohl allein bestehet,
Mit den Sinnen zu verbinden, und nicht, wenn wir schme-
Wenn wir riechen, fühlen, sehn,
Uns bestreben, daß es mag, zu des grossen Schöpfers Ehren,
Mit Bedacht und Lust geschehn.