Unbilliger Gebrauch unserer kurzen Zeit, samt einem bessern Begriff von derselbe...

By Barthold Heinrich Brockes

In einem ewig-seligen ununterbrochenen Vergnügen

War, ist, und bleibt die wahre Gottheit von Ewigkeit

zu Ewigkeit.

Die Erde währet eine lange uns allen unbekannte Zeit.

Der Mensch kommt gleichsam, wenn er kommt, aus einem

tiefen Nichts gestiegen,

Bleibt, im Vergleich mit jener Zeit, kaum eine Viertel-

Stunde hier.

Die Viertel-Stunde wenden viele, die sich selbst Philoso-

phen nennen,

Auf welche Weise sie der Gottheit verborgne Weg’ ergrü-

beln können,

Mit angespannten Kräften an, gespornt von eitler Ehr-

Begier.

Dann tritt der Mensch zur Welt hinaus. Hätt’ er, wofern

er nachgedacht,

Wie herrlich GOtt, Der alles macht,

In Seiner Creaturen Pracht;

Nicht weit vernünftiger und besser sein Viertel-Stündchen

zugebracht?

Zumahl, da etwas in der Zeit, so würklich ein Geheimniß,

stecket,

Und wovon folgende Erzehlung uns was verborgenes

entdecket.

Durch deren Inhalt mir was grosses, obgleich dieselbe

nur erdacht,

Von einem schönen Ort der Schrift, der dunkel sonst, wird

beygebracht:

Wie es doch könne möglich seyn, ohn’ alle dunkle Deu-

teley,

Daß tausend Jahr für GOtt ein Tag, ein Tag wie tau-

send Jahre sey.