Unglücklicher Zustand eines Atheisten.

By Barthold Heinrich Brockes

Der Unterscheid, der zwischen uns, (die wir ein

göttliches Regieren

In allen Dingen feste gläuben,) und etwan einer Seel’

zu finden,

Die eines solchen Trosts beraubt, ist ziemlich deutlich

zu verspüren,

Wenn wir den Zustand eines Menschen, der schwerer

Sorgen voll, ergründen,

Wenn er, halb schlafend und halb wachend, mit ganz

benebeltem Gemüth

Von Kummer, Gram und Harm umgeben, fast nichts,

als schwarze Larven, sieht,

Nur grämliche Jdeen zeugt, durch deren Schatten gar

kein Licht

Von einiger erheiternden und trosterfüllten Hoffnung

bricht,

Wenn die ihn in beständiger Verwirrung, als im Zirkel,

jagen,

Das Hirn mit finstrer Schwermuth füllen, uns lauter

vorgeseh'ne Plagen

Jm Kopf sich gleichsam mahlend wälzen. Dergleichen

Widrigkeiten schwinden,

Wenn wir uns, wenn wir aufgewacht, in einem andern

Stande sehn,

Und den obangeführten Trost, daß alle Dinge, die ge-

schehn,

Von einem Gott regieret werden, mit unsrer Sorgen

Heer verbinden;

Es wird dadurch der finstre Nebel, als wie durch einen

Glanz, zerstreut;

Man wird dadurch zugleich geschickt, bequemre Mittel

zu ersinnen,

Das Unglück von uns abzuwenden; wodurch wir Linde-

rung gewinnen,

Zumal uns dann die holde Hoffnung, die bloß auf Gott

sich fußt, erfreut.

Da gegentheils ein Atheist in seinem Schwermuthschlum-

mer bleibet,

Und aus der dicken Finsterniß der Schwermuth, weder

Tag noch Nacht,

Von einer steten Last gedruckt, wenn er gleich wacht,

doch nicht erwacht,

Da, statt der Hoffnung, Furcht und Zweifel ihn stets

im Unmuthskreise treibet.