Unmöglicher Besuch; an Amarant

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

Könnt' ich mich zum Raben machen:

Ueber Flüsse, Berg' und Thal

Flög' ich täglich zwanzigmal,

Rief' an deinem Fenster leise:

Ich bin da! mein Amarant!

Und von meiner schnellen Reise

Ruht' ich aus in deiner Hand.

Könnt' ich mich zum Rehe machen:

Durch die Saaten, durch den Wald

Lief' ich täglich, ach! wie bald!

Ueber deine Gartenhecken

Spräng' ich, hops! mit einem Sprung',

Und wie wollt' ich dann dich necken

Unter der Verwandelung!

Könnt' ich mich zum Karpfen machen:

Mit der Zorga flöß' ich dann

Täglich hin zu dir, o Mann!

Aus dem Wasser, spräng' am Ende

Meiner Fahrt ich hoch herauf,

Und mich fischten deine Hände

An dem Ufer glücklich auf.

Aber, wünsch' ich armes Mädchen

Noch so viel mich hin zu dir:

Dennoch bleib' ich immer hier.

Nicht drei Schritte kann ich gehen,

Daß nicht jeder fragt: Wohin?

Wohl nur, daß man nicht kann sehen,

Wo ich mit dem Geiste bin.