Unschuld

By Johann Wolfgang Goethe

Written 1767-01-01 - 1767-01-01

Schönste Tugend einer Seele,

Reinster Quell der Zärtlichkeit!

Mehr als Biron, als Pamele

Ideal und Seltenheit!

Wenn ein andres Feuer brennet,

Flieht dein zärtlich schwaches Licht;

Dich fühlt nur, wer dich nicht kennet,

Wer dich kennt, der fühlt dich nicht.

Göttin, in dem Paradiese

Lebtest du mit uns vereint;

Noch erscheinst du mancher Wiese

Morgens, eh die Sonne scheint.

Nur der sanfte Dichter siehet

Dich im Nebelkleide ziehn;

Phöbus kommt, der Nebel fliehet,

Und im Nebel bist du hin.