Untersuchung der Unempfindlich- keit über unsere Gesund- heit.

By Barthold Heinrich Brockes

Wenn unsers Blutes reger Lauf in seinem richtgen

Zirkel gehet,

Wenn sonder äußerlichen Schmerz es wohl um die Gesund-

heit stehet,

So scheints, ob fühle man darüber kein recht, kein wirk-

liches Vergnügen.

Allein, dieß kömmt nur bloß daher, weil etwan andre

Lust uns rührt,

Wie oder daß sich andre Vorwürf’ zu unseren Gedanken

fügen.

Es ist gewiß, daß man im Denken: man sey gesund,

Vergnügen spürt,

Ob solche Lust gleich nicht so lebhaft, als wie die strenge

Lust der Liebe,

Wovon die aufgebrachten Triebe

Sich einer Art von Anfall gleichen. Wann aber der

Gesundheit Stand

In einer Ebenmaaß bestehet, im sanft- und langsamen Be-

wegen

Der Feuchtigkeit in unserm Körper; so wird man durch

so sanftes Regen

In eine Art von Zubereitung zu mancher nahen Lust

gesetzt,

In eine Art von Fähigkeit, daß man sich gern und leicht

ergetzt.

Die Seel empfindet ein Vergnügen von Ruh und stillem

Ueberlegen,