Unverblühte Lilie Bey Beerdigung Fr. S. Z. g. O. den 2. Julii 1669.
WoIEdler wo sein Geist mit Ach und Weh umbschren- cket
Von Seufftzen angefüllt von Thränen überschwem̃t
An seine Garten-Lust noch einst zurücke dencket
Und nicht des Hertzens Blut der Augen Stralen hemmt;
So wird er unverblüht die edle Blumeschauen
Die Name Stand und Zucht zu einer Lilge macht
Und daß ob in der Hitz ietzt schmachten Feld und Auen
Jhr Glantz im höchsten Grad der Schönheit sey gebracht.
Es mag des Sommers Kleid mit Nelcken sich besternen
Die Lilie bleibt doch der Blumen Königin
Der Gärten bester Schmuck der Balsam der von fernen
Uns Hertz und Seelerfreut und sticht den Amber hin.
Es legte Jupiter an seiner Juno Brüste
Den Helden Hercules als einen Säugling an
Ob so der Himmel ihm zu theile werden müste.
Wie das gestillte Kind nicht weiter trincken kan
Ist doch der Göttin Milch im doppel Strom geflossen
Der zarte Perlen-Safft so auff die Erde sprang
War Zeug aus welchem erst die Lilien entsprossen
Und daß ein Schnee Geruch auff dero Blätter sanck:
Was in die höh gespritzt das ist die Milchbahn worden
Die sich bey heller Nacht in tausend Sternen zeigt.
Nun dieser Uhrsprung setzt die Lilg’ in Hoheits Orden
Daß sich für ihrem Stab der Blumen Pöfel neigt.
Alleine Fantasey und toller Wahn der Alten:
Dem Fabelwercke mist die Warheit niemand bey
Nein unser Lilie kan diesen Ruhm behalten
Daß sie der Ankunfft nach des Himmels Pflantze sey
Von GOttes Hand erbaut von solchem Stamm geboren
Der durch der Ahnen Ruhm und Thaten ist bekand
Zu einem Tugend-Bild auff Erden auserkohren
Zu einer Augen-Lust dem Liebsten zugesand.
Und jetzt ob es wol scheint daß sie von uns gewichen
In jenem Paradiß ein unverwelckte Blum
So mehr den Milch-Weg krönt als was der Mund der Grichen
Der irrdschen Lilien vermeldet hat zum Ruhm:
Die werden hochgeschätzt von angenehmen Hauchen
Und kräfftigem Geruch der jederman beliebt
Daß ihre Blätter vor die Schlangen-Stich zu brauchen
Und daß ihr lindes Oel den Wunden Artzney gibt:
Der gute Tugend-Ruch von der erblasten Frauen
Jhr herrliches Gerücht ergetzet noch die Stadt
Und läst die Reinligkeit des Lebens Wandel schauen
Der warlich Lilgen rein und keine Flecken hat.
Ja ihre Frömmigkeit kan auch den Neid bezwingen
Daß nicht sein gifftig Zahn des Ruhmes Blat benagt
Wenn sie so mühsam war dem Armen Trost zu bringen
Und hülffreich sich erwieß wenn er die Noth geklagt.
Kein Pomerantzen Oel noch der Jeßminen Tropffen
Die gleichen sich dem Ruhm der Grufft und Bahre ziert.
Wie ist
Zu heilen dieser Schlag der gar die Seel berührt?
In Chloris Blumen-Reich und lustigen Gefildern
Kommt keine Blume so als wie die Lilg’ empor:
Sie auch die seelige der Kern von Weibes-Bildern
Schwung sich durch Tugenden biß an der Sternen Chor.
Und wie die Lilg ihr Haupt stets nach der Erde lencket
Damit sie uns ein Bild der Demuth stellet für
So war ihr frommer Geist in Hoffart nicht versencket
Sie wuste daß wir frembd und keine Bleibung hier.
Das uns manch trüber Tag in Staub und Aschen leget
Daß nicht die Sonne stets mit gleichen Blicken scheint.
Und uns des Glückes Hand nicht güldne Müntze präget
Daß der im Morgen lacht offt auff den Abend weint.
Ob gleich die Lilie mit Dornen wird versetzet
So geht ihr Silber Glantz und der Geruch nicht ein;
Ob schon die seelige viel Trübsal offt verletzet
Hat die Beständigkeit doch Meister müssen seyn
Und sie dem Golde gleich in aller Noth bewehren
Daß sie der Kranckheit Sturm großmüthigüberstand
Und ließ was irrdisch war den Würmern zu verzehren
Und zog der Seelen nach ins wahre Vaterland.
Dem Purpur Salomons und seinen Herrligkeiten
Setzt der Erlöser selbst der Lilgen Schönheit für
Die reine Anmuth kan mit allen Blumen streiten
Weil sie sich nie vermischt mit frembder Farben Zier.
War die Entseelte nicht der Schönheit Morgen-Sonne?
War ihrer Glieder May mit Rosen nicht beblümt?
Gebahr der Augen Glut nicht tausendfache Wonne
Und hat ein steinern Hertz nicht die Gestalt gerühmt?
Die Kenschheit wird auch sonst durch Lilgen vorgemahlet;
Daß diese Lilge der Keuschheit Seele hieß
Und reiner Liebe Flamm ihr treues Hertz bestrahlet
Ist Sonnenklar am Tag und mehr als zugewiß.
Es sind die Lilien auch Mütter vieler Früchte
Ein eintzig Stängel hat zu Wien ihr funfftzig bracht
Wo anders Clusius sein Schreiben kein Getichte
Und Persiens Tusai sich nicht verdächtig macht.
Woledler hat nicht auch im Lentzen erster Jahre
Der Garten seiner Eh’ mit Blut und Frucht geprangt?
Die Zweige stehen noch umb ihrer Mutter Bahre
Der Mutter die allhier Hertzschmertzlich wird verlangt.
Welch Redner kan doch nur den Seelen-Riß entdecken?
Es mnsten Lilien der Alten Speise seyn
Wenn ihnen nicht die Wort im Munde solten stecken.
Mir flöst der h
Ich sinnte sonst auf Trost das tieffe Leid zu stillen
Das selbst
Was den geehrten Schnee mit Freuden kont’ erfüllen
Sein Hertze zu sich zog wie Eisen der Magnet
Ach schmertzlicher Verlust das ist nun mehr erblasset
Und gibt zusammt der Frucht das kurtze Leben hin!
Die Mutter wird ein
Die erst das Leben gab kriegt sterben zum Gewin
Ach zarte Lilie unendlich zu beklagen!
So dicke fällt der Thau nicht bey gestirnter Nacht
Als wir jetzt Thränen nur zu deiner Leiche tragen
Die Schmertzen außgeprest und Wemuth heiß gemacht.
Doch schlagen wir uns noch mit eitelen Gedancken
So bald der Regungen umbzogner Fürhang weg
So müssen wir gestehn daß jetzt in Edens Schrancken
Die Blume hat erlangt der Ewigkeiten Zweck.
Sie ist gantz unverblüt in den so zarten Kindern
Und ihre Seele ruht in Gottes Hand und Reich.
Woledler dieses kan den Schmertz in etwas lindern
Biß daß die lange Zeit hielt den er grimmten Streich.