Variazionen

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Was nur reiche Geister ahnen

Glaubst du dein, du winzig Ding?

Deine Mittel sind gering

Fort Profaner zu Profanen!

Du Professor schöner Künste

Lösest in der Pfeife Dünste

Aller holden Dichter Gaben

In gar wenige Buchstaben

Schenk jezt deinen Unterthanen

Was nur reiche Geister ahnen.

Funken, die aus kaltem Stahle

Springen bey dem Siegesmahle

Lichter die nur fromme Augen

Aus dem heilgen Geiste saugen,

Feuer, das aus Blitzen ging

Glaubst du dein du winzig Ding?

Zünd dein Schwefelholz im Dunkeln

Bey des Phosphors schwachem Funkeln,

Kurzer Glanz, denn wie so ärmlich

Brennt es nun und stinkt erbärmlich, –

Und verbrannt ist nun das Ding. –

Deine Mittel sind gering.

Was in einem reinen Busen

Für euch schlägt ihr heilgen Musen,

Was in ewiger Gemeinde

Sie verkünden ihrem Freunde

Soll uns jetzt zusammen mahnen,

Fort Profaner zu Profanen.

Ob du schon gescheidt zu nennen,

Deine Worte weist zu stellen

Und wie Kirschenkern zu schnellen

Daß sie, wo sie treffen, brennen

Besser muß ich dich doch kennen,

Denn ich ging auf gleichen Bahnen,

Ernst bin ich wie du gewesen! –

Solch ein witzig trotzig Wesen

Ist der Wahrheit schmerzlich Zahnen, –

Was nur reiche Geister ahnen.

Sprich, was willst du von der Welt?

Denk, sie lebt schon manches Jahr

Sah, was groß und wunderbar

Ob sie gleich dir nicht gefällt,

Dennoch hat sie dich erhellt.

Weil mit Pracht die Sonn aufging

Ist dein Auge strahlend schön. –

Kann doch nicht die Sonn ansehn! –

Und das Licht, das dich umfing,

Glaubst du dein du winzig Ding?

Zier dich nicht in eigner Art!

Lieber stell dich schön verschämt,

Bis sich alles leicht bequemt,

Statt zu scheinen klug und hart,

Wirst gewiß bald weich und zart.

Sieh den Apfel der da hing

Kalt und hart und grün zugleich

In den Händen ward er weich,

Daß ich ihn zum Frühstück bring;

Deine Mittel sind gering.

Wie du wirfst ihn an die Erde

Schmähst der Schönheit Preis und Gabe?

Hexe, daß dich Satan labe

An dem kleinen Zauberheerde

Kommt er mit dem Fuß vom Pferde,

Schwören sollst du seinen Fahnen

Und als alternde Kokette

Allen Knaben zum Gespötte

Wird ein Bock zur Höll dich mahnen,

Fort Profane zu Profanen.

Wie? du weist, was Gott verborgen?

Durchs Geheimniß des Geschicks

Dringt die Klugheit deines Blicks

Und du stehst in hellem Morgen,

Wo wir alle dunkel sorgen

Willst in deines Lebens Bahnen

Willst zu deinen Stolzes Fahnen

Mächtige Nazionen zwingen,

Armer, du must selbst vollbringen

Was nur reiche Geister ahnen.

Als Prometheus Feuer stahl

Aus des Himmels ewgem Glanz

Träumt er sich zum Gotte ganz

In der Menschen regen Zahl,

Sah noch nicht des Feuers Qual.

Als er an dem Felsen hing

Selbstgeschmiedet an den Ring

Sprach ein Menschlein ihm zum Spotte:

Feuer das du stahlst dem Gotte

Glaubst du's dein, du winzig Ding?

Und der Alte starrte auf,

Wollte stürzen, was er schuf,

Doch vergebens war sein Ruf,

Alles hatte ewgen Lauf

Langsam hölt den Stein die Trauf

Wer mit sich die Welt anfing

Wer nicht in die Schule ging

Wer sich gegen sie verschwor

Muß ihr dienen als ein Thor,

Seine Mittel sind gering.

Frevle rasch zu deinem Ziele,

Hast mich immer langeweilet

Wo du grossen Ruhm ereilet

Denn es war doch nur zum Spiele,

Bahn zu sprengen dem Gefühle,

Das da folgt den heilgen Fahnen,

Unsrer Völker frommen Ahnen,

Und in deinem höchsten Glanze

Fallen die Blätter von deinem Kranze,

Fort Profaner zu Profanen.