Vber den seeligen tod Der viel ehr- vnd tugendsamen frawen Susannen/ des edlen h...

By Johannes Plavius

Gleich wie zur frülingszeit (wenn Zephyrus erfrewet

Was Aquilo betrübt wenn alles sich vernewet

Was aus der erden sprosst) die lilg' in ihrem schein

Fast aller blumen schmuck wie schöne sie auch seyn

Mit schönheit vbertrifft. Wenn sie mit ihrem kleide

(Die edle garten-zier der bienen beste weide)

Vns menschen fast entmenscht vnd gegen sich entzündt

Durch jhre weiss' vnd ruch vnd denn ein rauher wind

Aus mitternacht erregt kömmt vnversehns geprauset

Vom kuhlen Belt daher mit grossem sturm gesauset

Der solche lilie die vormals hertz' vnd sinn

Erquickte mit geruch reisst in der blüthe hin.

Die blätter fallen ab vnd werden gantz verstrewet

Verwüstet vnd verweht jhr stamm als abmeyet

Neigt sich zur erden hin die seine mutter war

Verwelcket vnd verdorrt vnd stirbet gantz vnd gar.

Nicht anders geht es euch jhr blume vieler tugend

In dem der grimme tod fast noch in ewrer jugend

Ihr rechte lilie wie denn ewr name heisst

Euch von den ewrigen gantz vnverhoffet reisst.

Doch jhr seid nur aus noth vnd schmertzen weggerissen

Vnd könnt der ewigkeit in frewden nu geniessen

Wir sterben täglich noch vnd jhr sterbt nimmermehr

Ihr seyd Gott lob an port wir schweben noch im meer'

Als meer-graß wir seind hew jhr eine lebens blume

Wir sterben noch der sünd' jhr lebt zu Gottes ruhme

Weil aber anders nicht als nur durch todes pein

Als habt jhr lilgenbawm auch must versetzet seyn.