Vber den seeligen tod Der viel ehr- vnd tugendsamen frawen Susannen/ des edlen h...
Gleich wie zur frülingszeit (wenn Zephyrus erfrewet
Was Aquilo betrübt wenn alles sich vernewet
Was aus der erden sprosst) die lilg' in ihrem schein
Fast aller blumen schmuck wie schöne sie auch seyn
Mit schönheit vbertrifft. Wenn sie mit ihrem kleide
(Die edle garten-zier der bienen beste weide)
Vns menschen fast entmenscht vnd gegen sich entzündt
Durch jhre weiss' vnd ruch vnd denn ein rauher wind
Aus mitternacht erregt kömmt vnversehns geprauset
Vom kuhlen Belt daher mit grossem sturm gesauset
Der solche lilie die vormals hertz' vnd sinn
Erquickte mit geruch reisst in der blüthe hin.
Die blätter fallen ab vnd werden gantz verstrewet
Verwüstet vnd verweht jhr stamm als abmeyet
Neigt sich zur erden hin die seine mutter war
Verwelcket vnd verdorrt vnd stirbet gantz vnd gar.
Nicht anders geht es euch jhr blume vieler tugend
In dem der grimme tod fast noch in ewrer jugend
Ihr rechte lilie wie denn ewr name heisst
Euch von den ewrigen gantz vnverhoffet reisst.
Doch jhr seid nur aus noth vnd schmertzen weggerissen
Vnd könnt der ewigkeit in frewden nu geniessen
Wir sterben täglich noch vnd jhr sterbt nimmermehr
Ihr seyd Gott lob an port wir schweben noch im meer'
Als meer-graß wir seind hew jhr eine lebens blume
Wir sterben noch der sünd' jhr lebt zu Gottes ruhme
Weil aber anders nicht als nur durch todes pein
Als habt jhr lilgenbawm auch must versetzet seyn.