Vber des Hochgelehrten vnd weitberůmbten Danielis Heinsij Niderländische Poemata...

By Martin Opitz

Ihr Nymphen auff der Maaß jhr Meer einwohnerinnen

Hebt ewre Häupter auff erhöhet ewre Sinnen

Frew dich du schöner Rein vnd du gelehrte Statt

Die Hungersnoth vnd Krieg zugleich getragen hat:

Der gantze Helicon ist bey dir eingezogen

Nach dem der hohe Geist von Gent hieher geflogen

Die Tauben so zuvor dir Zeitung zugebracht

Hat Venus jetzt auch hier zu Burgerin gemacht

Der Edle von der Does hat erstlich sie gelocket

Sein’ Ida gleichfals offt an jhren Mund getrucket

Sein’ Ida die den Mars so jnniglich verwundt

Daß er Schwerdt Schildt vnd Spieß nicht lenger halten kundt.

Die Thränen so vor Lieb auß seinen Augen flossen

Sind der Maranen Heer ins Läger auch geschossen

Da ward es gar zu naß. Sie liessen Leiden stehn

Vnd fürchteten die Flut möcht an die Kröser gehn.

So bald der Spanier nun vrlaub hat genommen

Deß Wassers vngewohnt: Ist Pallas zu euch kommen

Vnd

Die dann auß Niderland Athen vnd Romgemacht

Es war noch nicht genug der Held von Brennus Stamme

Der grosse Scaliger steckt auff sein helle Flamme

Die Franckreich war entführt: Ein Mann ein einig Mann

Der Adler in der Lusst redt alle Völcker an

Biß jhr auch Heinsius jhr Ph

Ihr Sohn der Ewigkeit beguntet außzubreiten

Die Flügel der Vernunfst. Das kleine Vatterland

Trotzt jetzt die grosse Welt mit ewerem Verstandt.

Was Aristoteles was Socrates gelehret

Was Orphe

Was Tullius gesagt was jergendt jemand kan

Das sicht man jetzt von euch von euch jhr Gentscher Schwan.

Die

Wir wusten selber kaum von wannen wir geboren

Die Sprache vor der vor viel Feind erschrocken sindt

Vergassen wir mit fleiß vnd schlugen sie in Windt.

Biß ewer fewrig Hertz ist endtlich außgerissen

Vnd hat vns klar gemacht wie schändtlich wir verliessen

Was allen doch gebürt: Wir redten gut Latein

Vnd wolte keiner nicht für Teutsch gescholten sein.

Der war’ weit vber Meer in Griechenland geflogen

Der hatt Italien der Franckreich durchgezogen

Der prallte Spanisch her. Ihr habt sie recht verlacht

Vnd vnsre Muttersprach in jhren werth gebracht.

Hierumb wirdt ewer Lob ohn alles ende blühen

Das ewige Geschrey von euch wirdt ferne ziehen

Von dar die schöne Sonn auß jhrem Beth auffsteht

Vnd widerumb zu ruh mit jhren Pferden geht.

Ich auch weil jhr mir seyt im Schreiben vorgegangen

Was ich für Ruhm vnd Ehr durch Hochteutsch werd erlangen

Will meinem Vatterlandt bekennen ohne schew

Daß ewre Pösy der meinen Mutter sey.