Vberreichungsschrifft
By Johann Klaj
Written 1636-01-01 - 1636-01-01
So geht es in der Welt die Zeit in sich verbunden
Hat alle hundert Jahr ein neues Werk erfunden
Die Welt jemehr sie graut jemehr sie sinnet auß
Es saget der Magnet wo unser Fichtenhauß
Hinläufft wenn Eolus den Wind auß seinen Hölen
Herfür läst daß er kan das tode Meer beseelen
Im Fall uns überfält die kohlpechschwartze Nacht
Auf der erbosten See daß alles knikt und kracht.
Darnach hat man versucht deß Pulvers Macht genützet
Der grossen Stükken Kern Carthaunen loß geblitzet
Das eingezwengte Feur schmieß auß das runde Bley
Mit sehr ergrimten Zorn riß Roß und Mann entzwey.
Es sind zweyhundert Jahr und viere noch verschwunden
Als erst die Künste Kunst durch Himmelsgunst erfunden
Deß klugen Faustes Faust der Edle Gutenberg
Das Wunder der Natur das schöne Drukkerwerk.
Hernach hat Magellan der Wellen Saltz durchpflüget
Vnd in der neuen Welt das arme Volk besieget
Geraubt der Erden Mark der Edlensteine Pracht
Was Holland Spanien und andre reich gemacht.
Drauf kam Lutherus an der Teutschen Ruhm und Ehre
Stekt auf das helle Liecht der reinen Gottes Lehre
Ein unbewehrter Mann trotzt die Welt wie er will
Erleget Babylon mit einem Federkiel.
Gleich hundert Jahr hernach ist aufgerichtet worden
Die hochvertraute Zunfft der Teutschen Helden Orden
Durch derer Zuthun jetzt die Teutsche Sprache blüt
Wie lautet es so wol wie manches schönes Lied
Schalt jetzund weit und breit bey den berühmten Flüssen
Die Elbe höret zu der Rhein muß reiner güssen
Wer auß den Bober trinkt (da Opitz war bekand
Wo jetzt Apelles sing) schreibt Verse von der Hand.
Die Okker ist gelehrt den Teutschen Ruhm zu preisen
Sie rührt der Harfen Zier in jüngsterfundnen Weisen
Die Pegnitz stimmet ein die süsse Melodey
Bezeugt daß unser Land der Künste Schauplatz sey.
Soll aber dieses Schiff das Gut wol übertragen
Muß es ein guter Wind hin in den Hafen jagen
Soll die nichthelle Glut recht geben einen Schein
So muß sie nach und nach recht aufgeblasen seyn.
Virgil der hätte nicht sein ewigs Buch geschrieben
Wenn nicht Augustus ihn mit Lieben angetrieben
So hätt es Opitz auch wol nicht so weit gebracht
Wenn ihm sein Hannibal nicht hätte Lust gemacht.
Diß wiederfuhr mir auch ich legte neulich nieder
Die Laute meine Lust als ihr mir winktet wieder
Sung ich so gut ich kunt deß gelben Todes Tod
Deß Höllenstürmers Pracht den Trösterin der Noht.
So leset dieser Werk ihr ihr Götter dieser Mauren Ps. 82. v. 6.
Last euch die schlechte Müh und edle Zeit nicht dauren
Auch liebet den der ietztan eurer Pegnitz singt
Sich von der Erdenschaar hin an die Wolkken schwingt
In dem der höchste Gott und der erzürnte Himmel
Von Sünden aufgereitzt ein blutiges Getümmel
In seinem Vatterland den Armen hat erregt
Vnd vierzehn gantzer Jahr auf eine Stelle schlägt.