Verbündnis-Regeln der Gesellschafft zum weltlichen Einsiedler
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Wer kommen will in dieses Hauß
Darff nicht die ungetreuen Sinnen
Mit falschen Farben zieren aus;
Ein treues Hertz allein ist angenehm hierinnen.
Wer in die treu-verknüpffte Zahl
Will willig werden auffgenommen
Muß durch geneigter Stimmen Wahl
Erlaubnis neben uns zu treten überkommen.
Auff gleiche Jahr und gleichen Stand
Pflegt unser wählen sich zu gründen
Der Tugend reichen wir die Hand
Auch Demutt und Gedult kan bey uns Stelle finden.
Wer in diß Bündniß schreitet ein
Muß dreyerley zuvor versprechen:
Beständig Andachts-voll zu seyn
Und sich zu keiner Zeit Gehorsams zu entbrechen.
Wo Andacht in dem Hertzen brennt
Läst sie sich auch durch Wercke spüren
Wer sich ein frommes Mitglied nennt
Wird unsre Wohnungs-Statt durch ein Gedächtnis zieren.
Der beste Zeit-Vertreib und Spiel
Besteht in schwätzen oder singen:
Wem nicht die Stimme folgen will
Kan Lieder nach Befehl der andern Schwestern bringen.
Die Andacht leitet auch dahin
Daß man ein täglich Angedencken
Soll in dem Hertzen lassen blühn
Wenn Zeit und Glücks-Fall uns durch schweren Abschied kräncken.
Beständigkeit macht uns verpflicht
Bey diesem Stande treu zu leben
Und keinem fremden Orden nicht
Biß sieben Jahre sind vorbey sich zu ergeben.
Auch lehret uns Beständigkeit
Bey einerley Gedancken bleiben
Den Nahmen den wir uns geweyht
Mit Gold und Diamant in Sinn und Hertze schreiben.
Gehorsam ist jedwedes Glied
Dem Orden schuldig zu erweisen
Wohin es sein Verordnen zieht
Bey höchster Ungenad und Straffe zu verreisen.
Ein Kuß soll jedem seyn vergünnt
Beym Wiederkommen und beym Scheiden
Wer straffens-würdig sich befindt
Soll was ihm aufferlegt mit allem Willen leiden.
Wer sich mit List gedrungen ein
Wer Treu und Höfligkeit verletzet
Wer irrt und ungestrafft will seyn
Wird durch gemeinen Schluß aus unsrer Zahl gesetzet.
Wer der Gesellschafft sich entreist
Und einen andern Stand will fassen
Soll von uns werden ausgeweist
Und seines Wanckelmutts ein Denckmahl hinterlassen.