Verehrte Asche Fr. A. M. v. R. g. v. S. den 13. Martii. 1667.

By Heinrich Mühlpfort

Mein Leser laß dir nicht vor meinen Zeilen grauen

Die voller Asche sind und reden nur von Staub

Du wirst den Inbegriff der Eitelkeiten schauen

Wie nichts mehr übrig ist als dieser Aschen-Raub.

In eitlen Augen sind es wol betrübte Blicke

Daß von der Herrligkeit des Menschen diß nur bleibt

Doch weil sie GOtt erwehlt und braucht zum Opferstücke

Ja gar des Himmels Erb’ in solcher uns verschreibt:

So kan ein feurig Geist auch hier Vergnügung finden

Wenn er sich Adlern gleich schwingt zu der Sternen Höh’

Und weiß durch wahre Spur deß Glaubens zuergründen

Daß der verweste Leib in Asche nicht vergeh’.

Hier ist sie ein Entwurff der irrdischen Gebrechen

Und dort ein Saame der zu Schmuck und Klarheit blüht;

Wenn GOttes Richt-Tag wird das grosse Urtheil sprechen

Gewiß daß sie mehr schön als alle Blumen sieht.

Die tieffste Weißheit kan ein Aschen-Hauff uns zeigen

Ein morscher Todten-Kopff ist eine hohe Schul.

Wenn sich das Leimen Hauß muß zu der Erden neigen

So steht doch einst der Leib verklärt fürs Höchsten Stul.

Die Heyden glaubten selbst was Göttlichs von der Aschen

Bevor das güldne Rom hielt seine Käyser werth;

Denn wenn sie sie genug mit Thränen abgewaschen

Fast’ ein vergold Geschirr diß was noch unverzehrt.

Ich will vom Götzendienst der neuen Welt nichts sagen

Diß ist ja wunderns voll was Pegu aufgebracht:

So bald sein Priester wird ein Rolim hingetragen

So ist ein Traur-Gezelt aufs herrlichste gemacht;

Die Leiche steht umzirckt vom König’ und den Seinen

Biß den gesalbten Leib die Flamme hat verzehrt

Alsdenn bey Seiten-Spiel und bey der Grepos weinen

Hebt die geheiligt’ Asch’ ihr König auf und schwehrt.

Man frag’ in China nur die witzigen Bramipen

Was vor ein Heiligthum verbrandte Cörper seyn.

Fing nicht auch Jsrael dem Moloch an zu dienen

Als in dem Aschen-Thal diß Ungeheur brach ein?

Nun dieser Aschen-dienst gleicht mit der Höllen Kohlen

Und geht nicht unsern Leib noch die Verwesung an.

Wir können bessern Trost auß erster Kirche holen

Da sie mit einem Kuß die Asche beygethan;

Und diese Pflicht beruht’ auf gutem Angedencken;

Der Mensch ist ja kein Felß noch irgend Zemblisch Eiß

Daß er den Seinigen nicht Thränen solte schencken

Wenn er sie von dem Liecht der Welt geschieden weiß.

Hoch-Edle die ihr jetzt in Staub und Asche sitzet

Und eurer Mutter Asch auß treuem Hertzen ehrt;

Ich glaube daß der Schlag tieff in die Seele ritzet

Und ein ergrim̃tes Leid nicht gern vom trösten hört.

Jedoch muß hier Gedult den klügsten Meister spielen

Und daß des Höchsten Schluß unwiderruflich sey.

Wer vor der Erden Ball den Himmel kan erzielen

Lebt in gekrönter Lust von bleichen Sorgen frey.

Das Sodom dieser Welt zeigt Frucht und Kost von Aschen

Da Schwefel Graus und Stanck im innern Busem steckt.

Weh’ dem der aus Begier wird von den Aepffeln naschen

Weil sie der Fluch noch mehr als selbst ihr Gifft befleckt.

Betrübtste diese Brust so wir zu erst gesogen

Der Mund der uns so offt hertzinniglich geküst

Die Pflegung die uns hat als Kinder aufgezogen

Ist tausend Thränen werth und wird nicht gern vermist.

Allein’ die Seelige ist nicht so gar gestorben

Das minste Theil das wird hin in die Grufft gelegt;

Es ist auch bey der Stadt ihr Ruhm noch unverdorben

Den selbst die Tugenden in Marmel eingepregt.

Sie ist dem Labyrinth der Eitelkeit entgangen

Dem Fallstrick der sich offt umb Leib und Seele zeucht:

Sie darff nun weiter nichts noch hoffen noch verlangen

Weil ihre Freude sich mit Menschen Lust nicht gleicht.

Wir feyren nur noch hier die Angst- und Marter-Wochen

Sie speist vom Oster-Lamb und trinckt den Lebens-Wein:

Sie als Amazonin ist hurtig durch gebrochen

Und geht als Siegerin die Ehren-Pforten ein.

Wir wollen auch den Rest der Asche nicht entweihen

Weil sie ein wahres Bild der Auferstehung gibt.

Der Saamen den wir hier in Gottes Acker streuen

Bringt Aehren welcher Frucht der Himmel eintzig liebt.

Ergründer der Natur und ihrer Heimligkeiten

Die können durch die Kunst die Blumen wecken auf

Man wird im Glase sehn sich Laub und Blüth außbreiten

In einem Augenblick so ists ein Aschenhauff.

Der Kircher hats zu erst in Nesseln so erwiesen

Die andern durch die Nelck und Rosen dargethan

Daher bleibt dieser Grund bey ihnen hoch gepriesen

Wie daß kein Cörper nicht durchauß verfaulen kan.

Geschicht diß in Gewächs in Blumen und in Kräutern

Vielmehr wird unser Asch ein edle Blume seyn;

So kan der Tod sie nicht verderben sondern läutern

Daß sie dort oben strahlt im Sternen-lichten Schein.

Es mag Arabien den seltnen Vogel rühmen

Den die gelehrte Welt den Phönix hat genannt

Der wenn er sterben soll sein Nest pflegt zubeblümen

Und steckt es mit Gewürtz in den frucht-reichen Brand.

Auß dieser Asche wird ein Phönix neu gebohren

Der so viel hundert Jahr als eben jener lebt

Wer glaubet diß Gedicht und Lustspiel leerer Ohren

Das gleich mit der Vernunfft der Warheit wiederstrebt?

Nein unser Asche sol den Phönix neu gewehren

Und die Verwesung soll vollkommen fruchtbar seyn.

Das Grab das kan nichts mehr als Haut und Fleisch verzehren

Der Phönix unsre Seel ist ohne Mackel rein.

Es mag sich Ophir auch mit güldner Asche weisen

Sie kan in Schätzbarkeit doch der nicht gleiche gehn

In jene raast die Zeit und kluger Künstler Eisen

Aus dieser aber solln die Menschen auferstehn.