Vergänglichkeit
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Entferne dich du eitles wesen
Dein schnödes blendwerck treugt mich nicht
Mein fester sinn hat ihm erlesen
Das weder zeit noch wechsel bricht.
Dein falsches scheinen
In glück und freud
Kehrt bald in weinen
Der schnellen zeit
Vergänglichkeit.
Wie blumen die des sommers blühen
Und wenn der abend sich einstellt
Sich zu der erden niederziehen
So ist das wesen dieser welt.
Wohl! wer im leben
Bey freud und leid
Sich nicht ergeben
Der schnellen zeit
Vergänglichkeit.
Wo sind die theuren Mausoleen?
Wo der palläste göldne pracht?
Wo sind Egypten deine höhen?
Die zeit hat staub daraus gemacht.
Wohl wer im leben etc.
Wen itzt das glücke hochgestellet
Dem man geküsset fuß und hand
Des stuhl wird alsbald umgefället
Von dieser zeit in unbestand.
Wohl! wer im leben etc.
Der schönheit theure himmels-waare
Der gestern man als einem Gott
Gebauet tempel und altare
Wird heute motten asch und koth.
Wohl! wer im leben etc.
Was hilfft der schatz der kaum zu zehlen?
Er mehret nur der sorgen harm
Ein böser tag kan uns ihn stehlen
So sind wir gleich den bettlern arm.
Wohl! wer im leben etc.
Zwar güter muth und frische glieder
Sind werthe gaben wer sie hat;
Doch schlägt ein unfall jene nieder
Und diese macht ein windlein matt.
Wohl! wer im leben etc.
Die zeit reist kron und purpur abe
Zeit ist der dinge rauberin;
Die zeit trägt alle welt zu grabe
Der zeit kan keine zeit entfliehn.
Wohl! wer im leben etc.
Ist nichts beständigs nun zu finden
So nicht der zeiten zahn verzehrt
Wer will sein thun hier feste gründen
Weil alles wie ein kleid verfährt.
Wohl! wer im leben etc.
Fleuch nun du schatten-gleiches wesen
Dein schnödes blend-werck treugt mich nicht.
Mein sinn hat ihm vor dich erlesen
Was weder zeit noch wechsel bricht.
Mein gantzes leben
Zu iederzeit
Bleibt fest ergeben
In freud und leid
Der ewigkeit.