Vergnügen in Blumen.

By Barthold Heinrich Brockes

Laß andre, mit geschwollnen Trieben,

Des Hofes schimmernd Elend lieben

Und immer, um sich zu erhöhn,

Auf einem glatten Fall-Brett stehn;

Laß andre Lust im Wucher finden

Und Gold und Geld zusammen schinden,

Zum nie zu brauchenden Genuß,

Und dürftig seyn im Ueberfluß;

Laß sie, zum besten froher Erben,

Arm leben, blos um reich zu sterben;

Es suchen ander’ ihr Vergnügen,

Vom Helden-Wurm genagt, im Kriegen;

Laß sie im Sturm durch Bomb- und Klingen,

Zerschmettert und gelähmet, dringen,

Um ihren Nahmen in Gazetten

Von der Vergessenheit zu retten;

Wer will, mag aus Dorinden Augen

Den bittern Nectar brünstig saugen,

Zu ihren Füssen sclavisch knien,

Aus ihrer Brüste weichen Klippen

Gift, und aus ihren falschen Lippen

Die süssen Coloqvinten ziehn;

Laß Madidum ein Gut verschlemmen

Und Hals und Magen überschwemmen

Mit Ausbruch vo

Laß ihn bey seinen nassen Brüdern

Und, zwischen kaum verstandnen Liedern,

Auf seine Weise frölich seyn: