Vergnügliche Betrachtung des Herbsts, nebst beygefügten Dank-Gedanken für die er...
Wer leugnen will, daß nicht in jeder Jahres-Zeit
Die Welt voll Schmuck und Zierlichkeit,
Der seh im frühen Herbst, bey aufgeklärtem Wetter,
Bey dem durchstrahlten Gras und feuchten Glanz der
Blätter,
Der Felder leere Flächen an!
Dieß Leere selbst zeigt eine neue Fülle
Von Lust und Anmuht, welche man
Fast fühlen mehr und seh’n, als sie beschreiben, kann.
Es herrschet eine sanft’ und angenehme Stille,
So weit das Auge reicht. Das umgestürzte Land,
Das vormahls höher schien, erhoben,
Und, durch der Aehren Fläch’, als in die Höh’ geschoben,
Den Augen gleichsam näher stand,
Scheint itzo niedriger. Ein lieblich braun Gewand,
Mit langer Furchen dunklern Streifen,
Die, durch den regen Pflug, itzt überall sich häufen,
Mit grünen Ranken doch noch hie und da bestreut,
Ist itzt, in dieser holden Zeit,
Der milden Mutter ernsthaft Kleid.
Der Klösse heller Grau, zusammt den hellern Höhen
Der Furchen, wovon wir auch kleine Schatten sehen,
Erheben, zieren noch und schmücken,
Was man sonst auf der Felder Rücken
Zu einfach und zu allgemein,
In einer braunen Farb’ allein,
Und ohn’ Verändrung würd’ erblicken.
Nachdem der Sonnen-Strahl nun mehr und minder
heiß,
Wird auch die braune Farb’ bald mehr, bald minder weiß.
Wie Grau und Braun sich nun bald scheiden, und bald
mischen,
So sucht doch hie und dort
Manch lieblich grüner Platz, an manchem Ort,
Vom Grase, so durchstrahlt, das Aug’ uns zu erfrischen.
Zumahl bemüht der Schilf, den an den langen Graben
Wir hin und her annoch zu sehen haben,
Mit dem durchstrahlten holden Grünen,
Vom güldnen Sonnen-Strahl oft durch-oft angeschie-
nen,
Uns sich, mit ihrem Schmuck, zur Augen-Lust zu dienen.
Indem ich also jüngst, zur frühen Morgens-Zeit,
In diesem weiten Feld, und seiner Lieblichkeit,
Fast bloß in meinen Augen lebte,
Und, beym entwölkten Sonnen-Licht,
Mein auf das stille Feld gerichtetes Gesicht
Sanft über seine Fläche schwebte,
Auch ich, mit frohem Ernst, mich recht bestrebte,
Das, was zu dieser Zeit auf seiner Fläche schön,
Mit sanften Freuden anzuseh’n.
Wobey ich innerlich den grossen Schöpfer ehrte;
Vergnügte mich ein lauter Schall,
Der rings umher und überall
Die süsse Stille nach und nach
Von weitem unterbrach,
Indem ich in der Fern’ ein helles Dreschen hörte,
Wodurch sich meine Freud’ annoch vermehrte,
Zumahl ich, durch dieß frohe Schlagen,
Zuerst mich auf die Frucht, die dieses Land getragen,
Und denn zu Dem, Der uns den Segen, durch Seine Lieb’
allein,
Auch dieses Jahr in solcher Meng’ und reichem Ueberfluß
beschehrte,
Mit diesem frohen Dank für Seine Gnade kehrte;
Herr! unser Wünschen ist erhört,
Wir können unsrer Felder Segen,
Wodurch so Mensch, als Vieh, sich nährt,
Und den nur Du allein beschehrt,
In unsre Scheunen fröhlich legen.
Fiel gleich ein überhäufter Regen,
Wie eben unser Korn gemeit,
So hat doch seine Feuchtigkeit
Es einzufahren nicht gehindert,
Noch die gemähte Frucht vermindert.
Mußt’ es gleich lang’ im Felde steh’n,
So hat dennoch der Winde Weh’n
Den Auswachs dergestalt verwehret,
Daß im geringsten nichts versehret.
Du hast, bey mancher Schaur und regenhafter Zeit,
Doch minstens so viel Trockenheit
Dazwischen wollen gönnen,
Daß wir, mit inniglicher Freude,
Das völlig trockene Getrayde
In unsre Scheuren bringen können.
Jtzt drischt man fröhlich, klopft und schlägt
Die Segens-Körner aus den Aehren,
Uns zu bereichern und zu nähren.
Ach, achtet doch darauf! erwegt,
Daß dieser ordentliche Klang
Euch den erwünschten Nutzen bringet,
Daß ihr ihn bloß von GOtt empfinget!
Wie, daß ihr denn gar keinen Lob-Gesang,
Zum Ruhm des grossen Gebers, singet!
Liebe Land- und Acker-Leute,
Denkt, bey frohem Dreschen, heute
An die Segens-reiche Beute,
Die ihr von dem Acker hebet!
Billig ists, daß, nebst uns allen,
Bey der regen Flügel Schallen,
Bey dem Heben, bey dem Fallen,
Jhr zum Danken euch bestrebet;
Laßt dieß fröhliche Tactiren
Eure stumme Geister rühren,
Dem zum Ruhm zu musiciren,
Von Dem ihr dieß Korn empfinget.
Dankt und denkt, zu Seinem Preise,
Auf wie wunderbare Weise
Er doch eure beste Speise,
Brodt, aus schwarzer Erde bringet!
Denkt, wie viel dazu gehöret,
Daß die Frucht, die euch ernähret,
Wächset, daß sie sich vermehret,
Und sie nicht so leicht versehret.
Sonnen-Schein, Thau, Wind und Regen
Müssen solche Kräfte hegen,
Daß uns jeder so viel Segen
Durch die Aenderung gewähret,
Ohne, was im Saamen stecket,
Welches uns noch unentdecket,
Daß er nähret, daß er schmecket.
Herr des Sonnen-Scheins und Regens!
Herr der Schaaren! Kraft der Kräfte!
Gib, daß ich bey dem Geschäfte
Bloß auf Dich mein’ Sinnen hefte!
Ursprung alles Nahrungs-Segens!
Gib, daß wir, so oft wir essen,
Daß es Deine Gab’, ermessen
Und des Dankens nicht vergessen!
Wenn zumahl von Deinen Gaben,
Auch die Unsern zu erhalten,
Unsern Haus-Stand zu verwalten,
Und zum Schatz, wenn wir veralten,
Wir noch zu veräussern haben.