Vergnügliche Betrachtungen über Bäume im Frühling. An den berühmten S. T. Herrn ...
Von der erst jüngst begrünten Erden, im Frühling gleich-
sam angelacht,
Betrachtet’ ich, vor andern, neulich, der schönen Erde
schönste Pracht,
Den Schmuck und Wuchs erhabner Bäume: Da ich denn,
mit Vergnügen, fand,
Daß ihre zierliche Figur, zumahl der Wipfel Ründ’, ent-
stand
Aus den noch nicht gesteiften Zweigen, die, von der dichten
Blätter Last,
Mit sanftem Druck herabgezogen,
Sich Wolken-förmig abwerts bogen,
Und, da sie den geraden Stamm zugleich an allen Enden
zierten,
Von innen zierliche Gewölber, im halben Cirkel-Schlag,
formierten.
Allein! es gehet ja kein Wind. Wie kommt es, daß der
Baum sich regt?
Seht, wie so mancher schwanker Ast sich hier erschüttert, dort
bewegt!
Hier beugt sich einer, wenn sich dort ein andrer Zweig hin-
gegen hebt.
Wie geht dieß zu? Ist denn der Baum Bewegung fähig, und
belebt?
Ach nein. Der Klang, ein zwitschernd Gurgeln, von Tönen
ein gepreßt Gedränge,
Entdeckt die Quelle der Bewegung, verräht die Ursach:
Eine Menge
Verliebter Vögel füllt den Baum. Springt einer hier von
seinem Zweige,
So hebt der Zweig, den er entlastet, sich in die Höh. Ein
andrer biegt
Sich plötzlich abwerts, wenn auf ihn der kleine muntre Vogel
fliegt.
Ja, wenn auf einigen zuweilen, voll süssen Feuers, manches
Paar
Der holden Liebe Triebe folgt; wird man ein schütterndes
Bewegen,
Auch wenn verschiedne scherzend kämpfen, ein auch nicht
minder heftigs Regen,
So, daß die zarten Blätter zittern, fast selbst dadurch bewegt,
gewahr.
An aller Pracht der zierlichen und holden Bäume, die so
schön,
Verwandt ich ernstlich Blick und Denken. Wie ich sie lange
nun gesehn,
Und ihren Wuchs und Schmuck bewundert; empfand ich
einen regen Trieb,
Die Schönheit andern auch zu zeigen. Da ich denn folgends
niederschrieb:
Der Bäume Form, ihr schönes Grün, ihr holdes
Schirm-Dach für die Hitze,
Mit süsser Kühlung angefüllt, der angenehmen Schatten
Nacht,
Jhr’ Anmuht, wodurch jeder sich zur holden Herberg’ und
zum Sitze
Der, uns allein vergnügenden und schönen, Singe-Vögel
macht,
Die mannichfachen süssen Früchte, wodurch sie uns nicht
minder nütze,
Sind dieß nicht göttliche Geschenke? Und sind sie nicht
von solchem Wehrt,
Daß wir uns ihrer innig freuen? Daß wir die Bäum’ als
Anmuht-Quellen,
Als Creaturen, uns zum Segen erschaffen, uns vor Augen
stellen,
Und, mit vergnügter Dankbarkeit, in ihnen, GOtt, den
Schöpfer, ehrt?
Damit nun dieß weit besser noch, als wie von mir, geschehen
möge;
So bitt’ ich dich,
tung hege,
Erwähl’ einst diesen schönen Vorwurf zum Vorwurf deiner
edlen Lieder,
Beschreib uns einen schönen Baum, zum Preise Deß, Der
ihn gemacht,
Zur Lust der Welt, und zur Beschämung: damit nicht, wie
vorhin, ein jeder,
Ein solches Wunderwerk des Schöpfers so sträflich mehr
lass' ausser Acht.