Vergnügte Gedancken über den Gebuhrts-Tag seines Herrn Vaters
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
In dem wir bey der Last der schweren Krieges-Zeiten
Annoch beglücket sind daß unser Saal-Athen
Die süße Ruhe krönt und wir den Fröhligkeiten
Nach aller Arbeit auch vermögen nach zugehn:
So will ich diesen Tag zur grösten Freude weihen
Denn heute muß mein Glück gedoppelt schön gedeihen.
Herr Vater dessen Gunst ich als ein Sohn muß ehren
Der durch des Himmels-Huld den besten Vater hat
Ich hoff er werde mir nicht mein Vergnügen wehren
Er gebe meiner Lust in Halle heute statt.
Denn daß ich mich allhier kan untern Musen sehen
Läst eben Gott durch ihn und durch sein Wohl geschehen.
Itzt scheinet ihm ein Fest das wie es ihm das Leben
Und biß auf diesen Tag Glück und Gesundheit giebt
Mir auch das Leben hat und alles Heil gegeben
Das meine Seele so als wie sein Leben liebt.
Die Sonne muß der Welt zu ihrem Lichte dienen
So macht sein Lebens-licht daß mir der Tag geschienen.
Den Blumen geht es wohl weil sie der Gärtner wartet
Die Zweige wachsen schön dieweil er Baum noch grünt.
So blühet auch ein Sohn der nach dem Vater artet
Dem seiner Eltern Bild zum steten Muster dient
Dem ihre Gütigkeit die immer auf ihn dencket
Durch edles Auferziehn das andre Leben schencket.
Kunst Klugheit Tugenden Gelehrsamkeit und Waffen
Gehn über die Gebuhrt und biß zum Sternen-Dach.
Kan ich mir was davon durch muntern Fleiß verschaffen
So leb ich dem Befehl des theuren Vaters nach.
Von allen was ich nur allhier kan gutes fassen
Ist ihm nechst Gott der Ruhm Herr Vater bloß gelassen.
Drum soll mein Hertze nichts Vergnügen sprechen.
Es kehrt die Freudigkeit gedoppelt bey mir ein.
Kein Unmuht soll bey mir die Sinnen brechen
Und dieser Tag ein Tag von lauter Wonne seyn
Denn diesem geht es wohl der mir zur Lust erkohren
Durch den mein Glück und Heil anheute neu gebohren.
Doch meine Freude ruht am meisten im Gemühte
Und ist mehr Tugendhafft als frey und Welt gesinnt.
Ich preise die an mir erwiesne Vater-Güte
Womit mich Gott durch ihn Herr Vater lieb gewinnt
Es soll ein treuer Wunsch von lauter Seegens-Küßen
Die Wehrteste – – nebst ihm zu gleich begrüßen.
Es müsse dieses Fest noch funfzig mahl erscheinen.
Die Jahre mehren sich wie dero Wohlergehn
Wird sich des Himmels Ja mit meinem Wunsch vereinen
So wird mein Glück und Wohl auf festem Fuße stehn.
Der Himmel schencke nur ihm noch ein langes Leben
Das übrige wird mir treuer Vater geben.