Vergnügung sein selbst/ die man bey der verachtung schöpffen kan

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Was überzieht mich vor ein wetter?

Wo stürmet alle mißgunst her?

Ich bin ein ziel-zweck tausend spötter

Mich überschwemmt ein tadel-meer.

Verleumdung speyet auff mich gallen

Und haucht mit schwefel-dunst mich an;

Ich soll der gantzen welt mißfallen

Ob ich gleich keinem was gethan.

Der eine tadelt das geblüte

Dem ist die herkunfft allzu klein;

Der findet was in dem gemüthe;

Dem sind die minen zu gemein;

Dem taugt der leib nicht; dems gesichte;

Dem mangelt reichthum und ein stand

Biß endlich auch an dem gerüchte

Ein laster-fleckmahl wird gebrannt.

Frisch auff mein muth bey dem gewitter!

Du kennest wo dein hafen sey.

Wer an dir sieht dergleichen splitter

Ist selbst nicht von dem balcken frey.

Verachtung kan kein mensch entkommen

Man stellt auch göttern fehler aus.

Wenn tugend du zum schutz genommen

Behauptestu genug dein hauß.

Bin ich kein hoher vom geblüte

Bin ich doch auch der schlechtste nicht.

Der adel stecket im gemüthe

Wer weiß ob mirs daran gebricht?

Die ersten sind nur schlecht gebohren

Und schwungen sich durch kunst empor.

Hab ich der tugend nur geschworen

Was hält man die geburt mir vor?

Hab ich gleich ietzund keinen tittel

Wer weiß was ich noch werden kan?

Der Höchste hat noch solche mittel

Durch welche Joseph ward ein mann.

Was ich nicht bin das kan ich hoffen

Wenn schweiß mir auff den wangen wacht

Der ehren-tempel ist noch offen

Und wird noch täglich auffgemacht.

Auch armuth macht mich unerschrocken

Wer sich vergnügt ist allzu reich.

Speist mich der himmel nur mit brocken

Sind sie doch manna-körnern gleich.

Nicht ieder kan in gold zerrinnen;

Gnug daß ich nicht darff betteln gehn.

Und laß ich keine seide spinnen

Ist unschuld auch in wolle schön.

Befinden spötter an mir mängel

Welch mensch kan ohne mangel seyn?

Es haben auch gefehlt die engel;

Und gold ist nicht von schlacken rein.

Die sonne selbst hat ihre flecken;

Wie sieht man denn auff mich so scharff?

Vielleicht werd ich sie noch bedecken

Wenn mißgunst der verhüllung darff.

Verleumdet man zuletzt den namen;

Diß ist ein pfeil der alle trifft.

Der teuffel mischt stets guten saamen

Die spinne saugt aus rosen gifft.

Offt schmieret auff die reinsten liljen

Ein käfer seinen unflath hin;

Doch koth kan ihren schnee nicht tilgen

So bleib ich gleichfals was ich bin.

Laß immer spötter seyn beflissen

Zu schwärtzen meinen kleinen ruhm;

Die unschuld und ein gut gewissen

Verbleiben doch mein eigenthum.

Mit Joseph lach ich aller lügen

Mich kräncket kein vergällter spruch.

Wer unterliegt wird endlich siegen

Wenn mißgunst trifft ihr eigen fluch.

Mein glücke kan nicht immer schlaffen

Ein Irus wird zuletzt erfreut

Ein David bleibt nicht bey den schafen;

Vielleicht verändert mich die zeit.

Ich suche keine gunst bey allen

Was acht ich was man von mir hält

Kan ich den klugen nur gefallen

Mißfall ich willig aller welt.